Was tun bei Rückenschmerzen? Experten geben Antworten
Rund 70 Besucher informierten sich bei einer Patientenveranstaltung der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum Wetzlar über moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Rückenschmerzen und Wirbelsäulenverletzungen.
Pressemitteilung
02.10.2026
Wetzlar
Nach einer kurzen Einführung durch Prof. Dr. med. Christopher Bliemel, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, stellte Oberärztin Susanne Markgraf zunächst die häufigsten Ursachen von Rückenschmerzen vor. Dazu gehören unter anderem Verschleißerscheinung und Fehlbelastung wie z. B. bei einer Skoliose. Auch Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen können die Entstehung chronischer Beschwerden begünstigen. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen unter anderem Bandscheibenvorfälle, die Spinalkanalstenose, Wirbelgleiten und osteoporosebedingte Wirbelkörperfrakturen.
„Rückenschmerzen sind nicht gleich Rückenschmerzen. Entscheidend ist zunächst herauszufinden, welche Ursache hinter den Beschwerden steckt – denn danach richtet sich auch die passende Behandlung“, so die Oberärztin. Im Mittelpunkt steht zunächst die konservative Therapie. Das Spektrum reicht von Physiotherapie und physikalischen Anwendungen über Infiltrationstherapien bis hin zu unterstützenden Maßnahmen wie Wärme- oder Elektrotherapie. Eine Operation kann beispielsweise bei Lähmungserscheinungen, Störungen der Blasen- oder Mastdarmfunktion oder anhaltenden Beschwerden trotz konservativer Behandlung erforderlich werden.
Assistenzärztin Elisabeth Dewald erläuterte anschließend das Verfahren der Kyphoplastie. Bei dieser minimalinvasiven Behandlung können bestimmte Wirbelkörperfrakturen stabilisiert werden. Dabei wird über einen kleinen Zugang ein Ballon in den betroffenen Wirbelkörper eingebracht und anschließend Knochenzement eingefüllt. Das Verfahren kann insbesondere bei schmerzhaften Wirbelkörperbrüchen zum Einsatz kommen, beispielsweise wenn diese durch Osteoporose begünstigt wurden. „Ein großer Vorteil der Kyphoplastie ist, dass sie über einen minimalinvasiven Zugang und in vergleichsweise kurzer Operationszeit durchgeführt werden kann. Bei geeigneten Patienten können dadurch Schmerzen schnell gelindert, die Mobilität frühzeitig wiederhergestellt und die Form des Wirbelkörpers verbessert werden.“
Der Leitende Oberarzt Christian Braune stellte anschließend das breite operative Spektrum der Wirbelsäulenchirurgie vor. Dazu gehören die Versorgung von Frakturen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule ebenso wie Operationen bei tumorbedingten Veränderungen und Verschleißerkrankungen. Zum Einsatz kommen moderne, möglichst schonende Verfahren. Dazu zählen beispielsweise Dekompressionen, bei denen eingeengte Nerven entlastet werden, Nukleotomien zur Entfernung von vorgefallenem Bandscheibengewebe sowie Spondylodesen, bei denen instabile Wirbelsäulenabschnitte mit Schrauben und Stäben stabilisiert werden. Bei komplexeren Erkrankungen können auch dorsoventrale Verfahren eingesetzt werden. Dabei wird die Wirbelsäule sowohl von vorne als auch von hinten operativ stabilisiert.
Ein besonderes Augenmerk legte Braune auf die O-Arm-Technologie. Das mobile 3D-Bildgebungssystem ermöglicht es, während einer Operation dreidimensionale Aufnahmen der Wirbelsäule anzufertigen und den Eingriff präzise zu navigieren. „Mit dieser Technik erreichen wir ein sehr hohes Maß an Sicherheit und Genauigkeit bei einer Operation“, erläuterte Braune.
Prof. Dr. med. Christopher Bliemel: „Patienten möchten verständlicherweise wissen, woher ihre Beschwerden kommen und welche Behandlungsmöglichkeiten für sie infrage kommen. Wichtig ist, die verschiedenen Therapieansätze verständlich zu erklären und gemeinsam die Behandlung zu wählen, die zur individuellen Situation des Patienten passt.“
Zum Abschluss nutzten die Besucher die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an die Experten zu richten. Dabei entwickelte sich ein reger Austausch zu den vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten und individuellen Anliegen.