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01.12.2017

Erste Herzklappenreparatur

Innovatives Verfahren im Herzkatheterlabor des Klinikums Wetzlar


Das MitraClip-Team.

Das MitraClip-System muss sorgfältig vorbereitet werden.

Wetzlar, 01. Dezember 2017 – Erstmalig sind im Herzkatheterlabor der Lahn-Dill-Kliniken erkrankte Herzklappen mit einer Kathetertechnik ohne Operation behandelt worden. Das so genannte MitraClip-Verfahren ist eine neue minimal-invasive Methode, die es ermöglicht eine Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz) am schlagenden Herzen zu behandeln – ohne Eröffnung des Brustkorbes und ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Katheterbasierte Ansätze zur Therapie von Herzklappenerkrankungen sind die komplexesten Eingriffe, die in einem Herzkatheterlabor durchgeführt werden können.

„Wir sind stolz, dass wir jetzt am Klinikum Wetzlar dieses innovative Verfahren anbieten können“, sagte Richard Kreutzer, Geschäftsführer der Lahn-Dill-Kliniken. „Ich danke Herrn Professor Brück und seinem Team, die sich in den letzten Jahren außerordentlich engagiert haben, um diese Methode zu etablieren.“

Dem Start des Verfahrens ging eine zweijährige Vorbereitungsphase voraus, die unter anderem ein Antragsverfahren bei den Kostenträgern, einen Kooperationsvertrag mit der Universität Gießen und eine 18-monatige Ausbildungsphase an der Universität Mainz umfasste.

„Den ersten fünf in den Lahn-Dill-Kliniken mit dem MitraClip-Verfahren behandelten Patienten geht es hervorragend. Sämtliche Patienten verspürten am nächsten Tag eine Verbesserung ihrer Beschwerden und konnten drei Tage nach dem Eingriff mit einem kleinen Pflaster in der rechten Leiste wieder nach Hause entlassen werden“, erklärte Professor Dr. Martin Brück, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Wetzlar. 

Das Verfahren, das seit 2008 in Europa zugelassen ist und bislang bei mehr als 40.000 Menschen eingesetzt wurde, kann bei Patienten mit einer Undichtigkeit der Mitralklappe angewendet werden. Die Mitralklappeninsuffizienz ist der zweithäufigste erworbene Herzklappenfehler. Jeder zehnte Mensch in Deutschland über 75 Jahre ist davon betroffen, so dass in der Bundesrepublik ca. 800.000 Menschen eine bedeutsame Undichtigkeit der Mitralklappe aufweisen.

Die Mitralklappe ist eine Segelklappe, die den linken Vorhof von der linken Herzkammer trennt. Bei einer Undichtigkeit der Mitralklappe kommt es zu einem Rückfluss des Blutvolumens von der linken Herzkammer in den linken Vorhof. Dies führt im weiteren Verlauf zu einer Dehnung des linken Vorhofs und bei schweren Formen auch der linken Herzkammer, die in einer Herzschwäche und in Vorhofflimmern mündet. Mögliche Ursachen für eine Mitralklappeninsuffizienz sind ein nicht behandelter hoher Blutdruck mit Vergrößerung des Herzens, Durchblutungsstörungen bzw. ein Herzinfarkt des Herzmuskels infolge von Engstellen der Herzkranzarterien oder ein Abriss von Haltefäden der Mitralklappe als Folge von Alterserscheinungen. 

Die übliche und etablierte Behandlung der schweren Mitralklappeninsuffizienz ist die herzchirurgische Therapie. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von der Reparatur bis zum vollständigen Ersatz der Herzklappe. Dieses Verfahren erfordert jedoch die Eröffnung des Brustkorbes und die Verwendung der Herz-Lungen-Maschine. Es gibt aber Patienten, bei denen der herzchirurgische Eingriff aus medizinischen Gründen mit einem zu hohen Risiko einhergeht, z.B. bei schweren Begleiterkrankungen, Herz-Voroperationen oder einer vorangegangenen Bestrahlungstherapie des Brustkorbes. So werden über 50 Prozent der an einer schweren Mitralklappeninsuffizienz leidenden Patienten nicht operiert.

„Hier bietet die Reparatur der Mitralklappe im Herzkatheterlabor eine Alternative“, verdeutlichte Professor Brück. „Hierbei wird – unter Vollnarkose – über die Leistenvene mit Hilfe eines Einführbesteckes ein Katheter in das Herz geschoben. An der Spitze des Katheters befindet sich der Clip, der dann mittels kontinuierlicher Ultraschallkontrolle an der richtigen Stelle zwischen den Segeln der Mitralklappe platziert wird.“

Durch die stetige Kontrolle mittels Ultraschall und die Möglichkeit der Repositionierung oder der Platzierung mehrerer Clips wird das optimale Resultat erzielt. Röntgenkontrastmittel ist in der Regel nicht erforderlich, so dass eine Anwendung auch bei schwerer Nierenschwäche unproblematisch ist. Sobald der Clip an der richten Stelle sitzt, werden die Katheter entfernt und der Eingriff ist beendet. „In der Regel kann der MitraClip innerhalb einer Stunde eingesetzt werden“, so Professor Brück. „Die vorliegenden Ergebnisse haben gezeigt, dass das MitraClip-Verfahren für ausgewählte Patienten eine risikoarme, schonende und effektive Alternative zur herkömmlichen Herzoperation darstellt. Aufgrund niedriger Komplikationsraten und des schonenden Eingriffs eignet sich das Verfahren insbesondere für Patienten mit einem hohen OP-Risiko.“

Nach der MitaClip-Behandlung muss das Blut für eine gewisse Zeit verdünnt werden, um ein sicheres Einheilen des Clips zu gewährleisten und um die Ausbildung von Blutgerinnseln zu vermeiden. Um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen, sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.