Das Mittelhessische Darmzentrum Wetzlar ist ein Zusammenschluss von Fachdisziplinen der Lahn-Dill-Kliniken mit kooperierenden Fachärzten und weiteren Partnern. Unser Schwerpunkt liegt auf der Rundumbetreuung von Darmkrebspatienten. Bei unserem Patientenseminar zum Thema Darmkrebs stellen sich die Chefärzte der kooperierenden Fachabteilungen vor und geben Ihnen wertvolle Einblicke in Diagnostik, Therapie und Nachsorge.
 

Vortragsprogramm: 

„Konsequente Vorsorge kann Darmkrebs verhindern“

Priv.-Doz. Dr. med. Erich Lotterer, Chefarzt der Medizinischen Klinik II

Das kolorektale Karzinom (KRK) ist weltweit die dritthäufigste Krebserkrankung. In Deutschland treten jährlich fast 60.000 Neuerkrankungen auf, was das Land zu einem der europäischen Spitzenreiter in Bezug auf die Inzidenz (Neuerkrankungsrate) macht. Etwa die Hälfte der Betroffenen verstirbt an den Folgen dieser Erkrankung.

Seit der Einführung eines Programms zur Darmkrebsfrüherkennung im Jahr 2002 sind sowohl die jährliche Inzidenz als auch die altersstandardisierten Sterberaten signifikant gesunken. Dieses Vorsorgeprogramm umfasst die Testung auf verborgenes Blut im Stuhl mittels des fäkalen immunhistochemischen Tests (iFOBT) sowie die Koloskopie, bei der der gesamte Dick- und Enddarm gespiegelt und beurteilt wird. Eine positive iFOBT sollte generell innerhalb von drei bis sechs Monaten durch eine Koloskopie abgeklärt werden.

Die Koloskopie bietet den Vorteil, dass sie die Erkennung von nicht blutenden Läsionen ermöglicht. Zudem können im Rahmen der Primärprävention prämaligne Läsionen durch Abtragung von Polypen sowie maligne Tumoren im Frühstadium (T1-Karzinome) effektiv behandelt werden. Ein „Nachteil“ der Koloskopie sind die erforderlichen Abführmaßnahmen und eine – wenn auch geringe – Komplikationsrate.

Nach einer unauffälligen Koloskopie ist in der Regel ein Kontrollintervall von zehn Jahren ausreichend. Im Gegensatz dazu muss ein iFOBT aufgrund seiner geringeren Sensitivität für den Nachweis von Neoplasien regelmäßig wiederholt werden.


„Strahlentherapie bei Enddarmkrebs – warum und wie“

Dr. med. Wolfram Wannack, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie

Tumoren allgemein und so auch die Dickdarmtumoren werden heute „multimodal“ mit vereinten Kräften behandelt, wobei die Säulen der Krebstherapie Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und Immuntherapie in genau abgestimmtem Konzepten zum bestmöglichen Nutzen für den Patienten eingesetzt werden. 
Hierzu leistet auch die Strahlentherapie/Radioonkologie ihren festen Beitrag vor allem bei den Enddarmtumoren. Mit viel Expertise, modernsten Geräten und Hochpräzisionstechniken können die Tumoren möglichst schonend für die Patienten vorbehandelt werden, damit sie anschließend besser operiert werden können.


„Schonend und doch radikal – aktuelle chirurgische Therapiekonzepte bei Darm- und Enddarmkrebs“

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Ulrich, Chefarzt der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie

Bei weiter steigendem Lebensalter unserer Darmkrebspatienten ist eine ganzheitliche Betrachtung der Tumorerkrankung und begleitender gesundheitlicher Einschränkungen essentiell. In Vorbereitung des Eingriffs wird beispielsweise bei Mangelernährung regelhaft eine Ernährungsberatung und -therapie zur Optimierung der körperlichen Reserven durchgeführt. Operativ kommen robotisch-assistierte Schlüssellochtechniken zum Einsatz, die bei maximaler Präzision und Radikalität sehr schonend für unsere Patienten sind und auch die lokale Nervenfunktion bestmöglich erhalten. Postoperativ unterstützen ERAS-Behandlungskonzepte (Enhanced Recovery After Surgery) eine schnelle Genesung der Patienten, was eine frühzeitige Entlassung ermöglicht.


„Immuntherapie und Co – auch bei Darmkrebs wirksam?“

Dr. med. Birgitta Killing, Chefärztin der Klinik für Hämatologie, Onkologie & Palliativmedizin

Die medikamentöse Tumortherapie, sei es als Tabletten oder als Infusion, sei es als klassische Chemotherapie oder mit zielgerichteten neuen Substanzen, ist unverzichtbarer Bestandteil modernen Therapiekonzepte bei Krebserkrankungen. Oft wird sie in Kombination mit einer Operation oder Bestrahlung eingesetzt, um Tumore zu verkleinern und sie dann operieren zu können, oft aber auch, um ein Wiederauftreten des Tumors zu verhindern. Viele Substanzen stehen inzwischen zur Verfügung. Immer häufiger kommen Medikamente zur Anwendung, die zielgerichtet die Tumorzellen bekämpfen und die gesunden Körperzellen schonen. Auch bei Darmkrebs gibt es diese modernen Therapieformen. Im Einzelfall muss jeweils genau geschaut werden, welche Therapie in der individuellen Situation die passende ist. Dahinter steht der Grundgedanke, dass die Krankheiten so unterschiedlich sind wie die Menschen, und dass wir diese Unterscheide erkennen müssen, um sie therapeutisch zu nutzen.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Wir freuen uns auf Ihr Kommen 

Dr. med. Birgitta Killing, Priv.-Doz. Dr. med. Erich Lotterer, Priv.-Doz. Dr. med. Frank Ulrich & Dr. med. Wolfram Wannack

Veranstaltungsort: 

Konferenzzentrum am Klinikum Wetzlar
Forsthausstraße 1-3
35578 Wetzlar