Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich, Chefarzt der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie und Leiter des Mittelhessischen Darmzentrums, erläuterte die Bedeutung der Erkrankung: Darmkrebs zählt mit über 55.000 Neuerkrankungen jährlich zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Gleichzeitig hätten sich die Behandlungsmöglichkeiten durch Fortschritte in der Früherkennung, der endoskopischen Entfernung von Polypen und Therapie deutlich verbessert.

Moderne minimalinvasive Verfahren, insbesondere die sogenannte Schlüssellochchirurgie, sowie robotisch-assistierte Operationen ermöglichen heute eine besonders präzise und schonende Tumorentfernung. „Diese Techniken führen zu weniger Komplikationen, geringeren Schmerzen und einer schnelleren Erholung nach dem Eingriff“, erklärte der Chefarzt. „Bei tief gelegenem Enddarmkrebs kann ein dauerhafter Darmausgang prozentual häufiger vermieden werden. Auch die funktionellen Ergebnisse bezüglich der Kontinenz- und Sexualfunktion sind vorteilhaft.“

Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen sei ein individuell abgestimmtes, interdisziplinäres Therapiekonzept entscheidend. „Die enge Zusammenarbeit von Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie und weiteren Fachdisziplinen ermöglicht es, auch komplexe Krankheitsverläufe optimal zu behandeln“, betonte Dr. Ulrich. „Selbst bei Metastasen in Leber und Lunge bestehen in vielen Fällen erfolgversprechende Konzepte, die eine Chemotherapie mit anschließender operativer Entfernung kombinieren.“

Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Behandlung in einem zertifizierten Darmzentrum. Das Mittelhessische Darmzentrum am Klinikum Wetzlar ist von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und erfüllt damit hohe Qualitätsanforderungen. Dazu zählen standardisierte Diagnostik- und Therapieverfahren nach aktuellen Leitlinien, festgelegte Mindestmengen bei Operationen sowie klar definierte Abläufe und Zeitvorgaben in der Behandlung.

Ein besonderer Vorteil liegt in der engen Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. In regelmäßigen Tumorkonferenzen werden individuelle Behandlungskonzepte entwickelt. Ergänzt wird dies durch die Betreuung eines umfassenden Netzwerks spezialisierter Berufsgruppen – von der Psychoonkologie über die Ernährungsberatung bis hin zur Physiotherapie. „Die Zertifizierung stellt sicher, dass Patienten nach höchsten medizinischen Standards behandelt werden und von der gebündelten Erfahrung eines spezialisierten Teams profitieren“, so Dr. Ulrich.

Prof. Dr. Hilke Vorwerk, Chefärztin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, gab einen Einblick in die moderne Hochpräzisionsstrahlentherapie. Sie zeigte die Entwicklung von früheren, vergleichsweise ungenauen Bestrahlungstechniken hin zu hochmodernen, bild- und atemgesteuerten Verfahren. „Ziel ist es, den Tumor möglichst exakt zu treffen und gleichzeitig gesundes Gewebe zu schonen“, erklärte die Chefärztin.

Anhand der sogenannten stereotaktischen Strahlentherapie erläuterte Prof. Vorwerk, wie Metastasen – etwa in der Lunge – heute hochpräzise behandelt werden können, insbesondere wenn eine Operation nicht möglich ist. Moderne Bildgebung ermöglicht dabei eine exakte Lokalisation des Tumors und eine individuelle Bestrahlungsplanung.

Zudem kann die Bestrahlung an Bewegungen des Körpers, etwa durch die Atmung, angepasst werden. Dadurch wird die Behandlung noch genauer und Nebenwirkungen werden reduziert. Gleichzeitig kommen Verfahren zum Einsatz, bei denen die Strahlendosis exakt an die Form des Tumors angepasst wird.

„Ziel ist es, die Behandlung für die Patienten möglichst wirksam und zugleich so schonend wie möglich zu gestalten“, so Prof. Vorwerk.

Fazit der Experten: „Wird Darmkrebs früh erkannt, bestehen heute sehr gute Heilungschancen. Aber auch bei fortgeschrittenen Erkrankungen ermöglichen moderne kombinierte Therapien in einem spezialisierten Zentrum zunehmend auch längerfristig erfolgreiche Behandlungen.“

Prof. Dr. Hilke Vorwerk, Chefärztin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, und Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich, Chefarzt der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie und Leiter des Mittelhessischen Darmzentrums, gaben Einblicke in moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs.