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Patienteninformationen
Die Adipositas hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Viele Menschen essen zu viel, zu häufig und bewegen sich zu wenig. Unser umfassendes Therapiekonzept orientiert sich am Leitlinien-Katalog der Krankenkassen (MDS), der im Augenblick bindend ist.
Laut Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) übersteigt die Zahl der übergewichtigen die der normal- und untergewichtigen Menschen. Es sterben mehr Menschen an den Folgen von Übergewicht und seltener an Hunger. Die WHO hat die Adipositas als eine Erkrankung anerkannt und spricht heute über eine Adipositasepidemie. Bereits viele Kinder tragen zu viele Pfunde mit sich herum. Allerdings ist die Akzeptanz im deutschen Gesundheitssystem noch nicht so hoch: Die Behandlung der Erkrankung ist nicht im Regelleistungsvolumen der Krankenkassen enthalten. Jede Behandlung ist eine Einzelfallentscheidung, für die ein Antrag gestellt werden muss.
Im Klinikum Wetzlar haben Sie die Möglichkeit, sich als Adipositaspatient umfassend behandeln zu lassen. Hierzu wurde uns nach Prüfung der Voraussetzungen durch die Krankenkassen die entsprechende Genehmigung erteilt.
„Wir bieten zusammen mit unseren Kooperationspartnern ein multimodales Therapiekonzept inklusive der entsprechenden Operationen und der anschließender Nachsorge an. Wir begleiten Sie auf Ihrem Weg und stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.“
Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Reinisch-Liese, Ärztlicher Leiter Adipositaszentrum
Multimodales Therapiekonzept
Das Multimodale Therapiekonzept (MMT) zur Behandlung der Adipositas besteht aus drei Säulen: der Ernährungstherapie, der Bewegungstherapie und der Verhaltensänderung.
- Adipositas entsteht, wenn die Energieaufnahme den Verbrauch an Kalorien regelmäßig übersteigt.
- Eine Ernährungsumstellung soll dazu führen, die Energieaufnahme zu verringern.
- Als Energieträger spielen vor allen Dingen Fette und Kohlenhydrate eine große Rolle.
- Was viele nicht wissen: Zahlreiche adipöse Menschen sind mangelernährt. So sind beispielsweise die Vitaminspiegel im Blut häufig erheblich erniedrigt.
- Auch hier greift die Ernährungstherapie ein, um durch eine Umstellung der Nahrung die Vitaminaufnahme zu verbessern.
- Die aufgenommene Energie wird überwiegend durch die Muskulatur verbraucht.
- Bei Menschen mit Adipositas ist der Muskelanteil im Verhältnis zum Fettanteil des Körpers deutlich vermindert. Das Körperfett als Energieträger kann nicht mehr verbraucht werden.
- Durch den Bewegungsmangel aufgrund der Adipositas verringert sich die Muskelmasse weiter und der Patient ist in einem Teufelskreis gefangen. Besonders aussichtslos wird es, wenn Gelenkerkrankungen auftreten und die Bewegungsmöglichkeiten weiter eingeschränkt werden.
- Im multimodalen Therapiekonzept wird für jeden Patienten eine individuelle Möglichkeit gefunden und eingeübt, die es ihm ermöglicht, Muskulatur zur Verbrennung von Energie aufzubauen.
- Die Ernährungs- und die Bewegungstherapie müssen zwingend in eine Änderung des Verhaltens münden.
- Wenn es nicht gelingt, die Umstellung der Ernährung hin zu deutlich geringerer Kalorienaufnahme bei vermehrter Aufnahme von Eiweiß und Vitaminen fest zu verankern, wird eine dauerhafte Gewichtsabnahme nicht gelingen.
- Gleiches gilt für das notwendige körperliche Training zum Muskelaufbau und Muskelerhalt.
- Um diese Verhaltensänderung zu erreichen, müssen Sie zuerst verstanden haben, dass Sie etwas ändern müssen und warum dies notwendig ist.
- Als nächstes müssen Sie diese Veränderung wirklich wollen und bereit sein, sie auch mit einigen "Konsequenzen" zu tragen,
- Wenn Sie sich entschieden haben, müssen Sie Ihr geändertes Verhalten konsequent einüben und dieses direkt umsetzen.
- Diese Übungsphase ist schwierig, da wir dazu neigen, immer wieder in „Gewohntes“ zurückzufallen.
- Sie müssen sich auf eine Phase vergleichbar mit dem Erlernen des Autofahrens oder eines Instruments gefasst machen – es gibt Aufs und Abs.
- Deswegen ist es häufig sinnvoll, eine Verhaltenstherapie durchzuführen.