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Kinderurologie

Die Kinderurologie beschäftigt sich mit Fehlbildungen und Erkrankungen an Niere, Harnleiter, Harnblase und Genitale bei Neugeborenen und Kindern. Diesen Erkrankungen – wie die Harnabflussstörung, Hodenfehllage, Vorhautenge  u. v. m. – widmen wir unsere besondere Aufmerksamkeit.

Dabei ist es unsere wichtigste Aufgabe, die Eltern, deren Kinder mit einer urogenitalen Fehlbildung geboren wurden, kompetent und umfassend zu beraten und sie über die Notwendigkeit und den Zeitpunkt einer diagnostischen Abklärung oder Therapiemaßnahme zu informieren. Hierbei arbeiten wir eng mit den niedergelassenen Kinderärzten zusammen.

Einmal wöchentlich findet unsere spezielle kinderurologische Sprechstunde statt.

Die meisten Operationen bei Kindern können von uns ambulant durchgeführt werden.

Kinder, bei denen eine stationäre diagnostische Abklärung oder eine stationäre Behandlung notwendig ist, liegen auf der Kinderstation.

Da bekannt ist, dass Kinder oftmals weniger Angst haben und auch der Bedarf an Schmerzmitteln geringer ist, wenn Mama oder Papa anwesend sind, besteht bei allen Kindern die Möglichkeit des »rooming in«, d. h. ein Elternteil kann mit aufgenommen werden.

Vorhautenge (Phimose)

Bei ca. 80 % aller Neugeborenen kann die Vorhaut noch nicht hinter die Eichel gestreift werden.

Es darf nicht gewaltsam versucht werden, die Vorhaut zurückzuziehen!

In der Regel löst sich die Vorhaut im Laufe der Zeit von der Eichel und lässt sich dann problemlos zurückziehen.

Ab dem ca. 3. Lebensjahr werden hochgradige bzw. narbige Vorhautengen durch eine ambulant durchgeführte Operation korrigiert (Beschneidung). Vorhautengen, die zu einer Entzündung führten (Balanitis), werden in jedem Alter operiert.

Als Komplikationen einer Phimose können Entzündungen (Balanitis) oder eine Paraphimose auftreten. Hierbei kann die Vorhaut nach Zurückziehen hinter die Eichel nicht mehr über die Eichel nach vorne geschoben werden. Beide Krankheitsbilder müssen notfallmäßig behandelt werden!

Unter bestimmten Umständen (verbleibende Vorhautverklebungen, relative Phimose) kann eine Behandlung mit einer schwach kortisonhaltigen Salbe versucht werden.

Spätestens bis zum Schuleintritt sollte jedes Vorhautproblem gelöst sein!

Hodenhochstand (Kryptorchismus)

Normalerweise wandern die Hoden bereits im Mutterleib aus der Bauchhöhle hinab in den Hodensack. In einzelnen Fällen sind die Hoden zum Zeitpunkt der Geburt jedoch nicht dort angelangt. Manche Lageabweichungen korrigieren sich in den ersten Lebensmonaten von selbst. Ist einer oder beide Hoden bis zum Ende des 3. Lebensmonats noch nicht ständig in der richtigen Position, muss zunächst eine entsprechenden medikamentösen Behandlung erfolgen. Ist diese nicht erfolgreich, so wird die Hodenlage durch eine kleine ambulante Operation korrigiert.

Spätestens zum Ende des 1. Lebensjahres müssen sich beide Hoden in der richtigen Lage befinden. Ist dies nicht der Fall, kann eine nicht wieder auszugleichende Schädigung der Fruchtbarkeit die Folge sein, da die Temperatur im Bauchraum für die empfindlichen Hodenzellen zu hoch ist.

Liegt der Hoden in der Bauchhöhle, spricht man von einem Bauchhoden. Ein Leistenhoden befindet sich im Leistenkanal und lässt sich mit der Hand nicht nach unten streifen, wie es bei einem Gleithoden möglich ist. Der Pendelhoden pendelt zwischen Leiste und Hodensack hinauf und hinunter.

Befinden sich ein- oder beidseitig Hoden nicht im Hodensack, so muss eine körperliche Untersuchung und ein Ultraschall durchgeführt werden. Ist ein Hoden auch dann nicht zu finden, ist eine Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie) angezeigt. Hierbei wird über einen kleinen Schnitt im Bereich des Bauchnabels ein Endoskop mit einer kleinen Kamera in die Bauchhöhle eingeführt und der Hoden gesucht. Je nach Befund wird dann das weitere Vorgehen geplant und bei vorhandenem Hoden in gleicher Sitzung die Orchidopexie vorgenommen, bei der der Hoden über den Leistenkanal in den Hodensack mobilisiert und dort befestigt wird.

Die vom Hodenhochstand betroffenen Kinder erkranken später in einem deutlich höheren Maß an Hodenkrebs. Insbesondere bei Ihnen ist eine regelmäßige Selbstuntersuchung auch im späteren Leben sehr wichtig! Bei Früherkennung durch regelmäßige Selbstuntersuchung besteht eine gute Chance auf Heilung.

Kindlicher Leistenbruch (offener Processus vaginalis peritonei)

Dieser entsteht meist durch eine offen bleibende kanalartige Verbindung zwischen der Bauchhöhle und dem Hodensack. Diese Verbindung ist in der Regel mit Flüssigkeit gefüllt und verursacht so den Wasserbruch (Hydrozele testis).

90% dieser „Brüche“ neigen innerhalb des ersten Lebensjahres dazu, sich selbst zu verschließen. Vor allem abends und bei Druckerhöhung (Schreien, Husten etc.) kann es zu einer Größenzunahme kommen. Verschließen sich diese Brüche nicht von selbst, so besteht im weiteren Verlauf die Gefahr, dass sich aus der Bauchhöhle Darmnetz oder Darmanteile einklemmen. Daher sollten diese offen gebliebenen Verbindungen nach dem ersten Lebensjahr durch einen kleinen ambulant durchgeführten Eingriff verschlossen werden.

Harnröhrenspaltbildung (Hypospadie)

Bei dieser Missbildung liegt die Harnröhrenöffnung nicht an der Spitze der Eichel, sondern je nach Schweregrad zwischen Dammregion und der Eichel. Sie ist bedingt durch einen fehlenden Verschluss der Harnröhre.

Typisch für diese Missbildung sind eine nur halbseitig bestehende Vorhaut, eine gespaltene Eichel und eine mehr oder weniger ausgeprägte Penisverkrümmung. Der Harnstrahl ist oft gespalten und nach unten zwischen die Beine gerichtet.

Je nach Ausprägung und Schweregrad muss diese Fehlbildung operativ korrigiert werden.

Akutes Skrotum (Plötzliche Hodenschmerzen verschiedener Ursachen)

Hierunter versteht man eine in der Regel mehr oder weniger plötzlich einsetzende Schmerzsymptomatik im Bereich des Hodensackes bzw. der Hoden. Als Ursachen kommen eine Drehung des Samenstranges (Hodentorsion) oder eine Drehung von Hodenanhangsgebilden ebenso in Frage wie Entzündungen oder (eingeklemmte) Leistenbrüche / Wasserbrüche, um nur einige zu nennen.

Immer bedürfen diese Schmerzen der besonderen Aufmerksamkeit und ärztlichen Abklärung.

Bei plötzlich einsetzenden Schmerzen, rot-bläulicher Verfärbung und Schwellung des Hodensackes muss sofort der Arzt aufgesucht werden, da eine Drehung des Samenstranges (Hodentorsion) zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr und Untergang des Hodens führen kann!

Ohne sofortige Operation stirbt der Hoden innerhalb von 6 – 8 Stunden ab!

Urinrückfluss in Harnleiter und/oder Niere (Vesikorenaler Reflux/VUR)

Wie funktioniert der normale Urinfluss von den Nieren in die Harnblase?

Normalerweise wird der durch die Nieren produzierte Urin über die beiden Harnleiter (Ureteren) in die Harnblase transportiert. Dort wird der Urin bis zum Harnlassen gespeichert. Beim Harnlassen wird der Urin durch die Harnröhre (Urethra) aus dem Körper ausgeschieden (Abbildung 1).

Bei gesunden Menschen fließt der Harn durch die Harnleiter in die Blase und ein ventilähnlicher Mechanismus an der Eintrittsstelle der Harnleiter in die Blase verhindert ein Zurückfließen des Urins in die Nieren (Abbildung 2 und 3).

Was ist ein Reflux?

Beim Reflux ist diese Ventilfunktion an einem oder beiden Harnleitern gestört und der Urin fließt zurück in den Harnleiter oder die Niere (Abbildung 4).

Welche gesundheitlichen Folgen kann ein Reflux haben?

Der zurückfließende Urin kann schwere Nierenentzündungen verursachen und zu Nierenschäden führen. Auch durch den Druckanstieg in der Niere durch den zurückfließenden Urin kann ein Funktionsverlust entstehen. Betrifft der Funktionsverlust beide Nieren, so können diese die im Blut enthaltenen Giftstoffe nicht mehr filtern. Dies muss dann durch eine künstliche Blutwäsche, die sogenannte Dialyse erfolgen. Eine weitere Möglichkeit ist die Transplantation einer Spenderniere.

Um es nicht soweit kommen zu lassen, ist nach der Erkennung eines Refluxes eine schnelle Behandlung unbedingt erforderlich.

Wie entsteht ein Reflux und wie fällt er auf?

Normalerweise ist ein Reflux angeboren und macht sich in der Regel durch eine Infektion des Harntraktes mit oder ohne Fieber bemerkbar.

Die Neigung zum Reflux kann erblich sein, deshalb ist es empfehlenswert, die Geschwister auf einen Reflux untersuchen zu lassen, wenn ein Kind in der Familie davon betroffen ist.

Welche Untersuchungen sind zum Nachweis eines Refluxes und eines möglichen Nierenschadens notwendig?

Besteht der Verdacht auf einen Reflux, müssen einige Untersuchungen zur weiteren Abklärung erfolgen.

Bei der Ultraschalluntersuchung von Nieren und Blase werden ungefährliche Schallwellen in den Körper gesendet und die zurückgeworfenen Wellen in Bilder umgewandelt.

Beim Miktionszysturethrogramm (MCU), handelt es sich um eine Röntgen-Videoaufnahme der Harnblase. Hierbei wird ein Katheter (ein dünnes Kunststoffröhrchen) durch die Bauchdecke oder die Harnröhre in die Blase eingeführt und diese mit Kontrastmittel gefüllt. Anschließend werden beim Wasserlassen Röntgenaufnahmen gemacht.

Um die Funktion der Nieren und/oder eventuelle Narbenbildungen beurteilen zu können, wird die sogenannte DMSA-Szintigrafie durchgeführt. Hierbei wird ein sehr schwach radioaktives Medikament über eine Armvene in den Blutkreislauf gespritzt und dessen Ausscheidung über die Nieren mit einer speziellen Kamera aufgezeichnet.

Wie wird ein Reflux behandelt?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen Reflux zu behandeln. Die Wahl der Behandlungsmethode und des Behandlungszeitpunktes richtet sich hauptsächlich nach dem Schweregrad des Reflux, also danach, wie viel Urin in Harnleiter und/oder Niere zurückfließt, aber auch nach schon bestehenden Nierenschädigungen, dem Geschlecht und dem Alter des Kindes.

Dies werden wir ausführlich mit Ihnen besprechen!

Nicht-operative Behandlung

Hat Ihr Kind einen geringen Reflux, besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, dass sich der Reflux mit zunehmendem Alter auswächst und von allein verschwindet. Jedoch darf Ihr Kind bis es soweit ist, keine Infektionen der Niere bekommen. Dafür ist die tägliche Einnahme eines schwachen Antibiotikums für Monate bis Jahre notwendig und es müssen regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Alternativ kann in einem kurzen, endoskopischen ambulanten Eingriff der Harnleiter mit einem Kunststoffgemisch unterspritzt werden, um den Reflux zu beseitigen.

Operative Behandlung

Bei einem höhergradigen Reflux, wenn Infekte ständig wiederkehren oder wenn sich der Reflux trotz Zuwartens nicht von selbst verschwindet, sollte eine chirurgische Behandlung erfolgen. Hierbei wird durch eine sogenannte „Antirefluxplastik“ der Harnleiter durchtrennt und erneut in die Blase eingepflanzt, so dass der Ventilmechanismus wieder funktioniert. Bei solchen Operationen beträgt der  Krankenhausaufenthalt wenige Tage bis zu einer Woche. Für einige Zeit müssen noch Antibiotika eingenommen und Nachsorgeuntersuchungen durchgeführt werden.

Abbildung 1: Der normale Harntrakt.
Abbildung 2: Gesunde Harnleitereinmündung. Öffnung des Ventils, der Urin fließt aus dem Harnleiter in die Blase.
Abbildung 3: Gesunde Harnleitereinmündung. Unter Druck Verschluss des Ventils. Der Urin fließt nicht in den Harnleiter.
Abbildung 4: Harnleitereinmündung beim Reflux.

Nierenbeckenabgangsenge

Durch eine Enge am Übergang des Nierenbeckens zum Harnleiter kommt es zur Druckerhöhung im Nierenbecken und damit zur Aufweitung desselben. Diese Enge kann angeboren oder durch kreuzende Nierenblutgefäße verursacht sein. Meist fällt eine solche Enge zufällig beim Ultraschall durch die Erweiterung des Nierenbeckens auf. Selten bestehen beim älteren Kind Schmerzen oder es findet sich Blut im Urin.

Ist die Enge ausgeprägt und besteht die Druckerhöhung im Nierenbecken längere Zeit, kommt es zum Untergang der Niere.

Zur Abklärung einer im Ultraschall festgestellten Erweiterung des Nierenbeckens wird eine nuklearmedizinische Untersuchung, die so genannte MAG3-Nierenfunktions-szintigraphie durchgeführt. Hierbei wird ein schwach radioaktiv markiertes Medikament über die Vene gespritzt und anschließend über die Nieren ausgeschieden. Diesen Vorgang beobachtet man unter einer speziellen Kamera. Die radioaktive Strahlung ist gering und ungefährlich.

Ist eine Operation angezeigt, wird die Enge ausgeschnitten und der Harnleiter durch eine Naht wieder mit dem Nierenbecken verbunden.

Ultraschall (Sonographie)

Bei dieser Untersuchungsmethode werden nichthörbare (Ultra-) Schallwellen in den Körper gesendet. Diese Wellen werden unterschiedlich stark von den Organen im Körper reflektiert. Diese reflektierten Signale werden aufgefangen und durch einen Computer in Bilder umgewandelt. Diese Untersuchung ist ungefährlich und bereitet keine Schmerzen. Sie wird bei nahezu allen Fragestellungen in der Kinderurologie angewendet.

Uroflow-Elektromyographie (Flow-EMG)

Bei diesem Untersuchungsverfahren werden Klebeelektroden auf die Haut des Bauch- und Dammbereiches aufgebracht. Dann setzt sich das Kind auf einen speziellen Toilettenstuhl und lässt seinen Harn in einen Trichter, der unter dem Toilettenstuhl steht. Parallel werden über eine Messeinrichtung der Harnfluss und die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur gemessen und von einem Computer ausgewertet.

Hierdurch können wir beurteilen, ob die Muskeln der Harnblase und der Harnröhre, die für eine normale Blasenentleerung verantwortlich sind, richtig zusammenarbeiten.

Normales Flow-EMG: Die Harnstrahlmessung zeigt einen glockenförmigen Verlauf. Während des Wasserlassens entspannt sich der Beckenboden (der Ausschlag der Kurve lässt nach).
Flow-EMG bei Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination: Die Harnstrahlmessung zeigt mehrere zackenförmige Ausschläge. Während des Wasserlassens spannt sich der Beckenboden immer wieder an (der Ausschlag der Kurve nimmt zu).

Miktionscysturethrographie – MCU (Röntgenaufnahme der Harnblase)

Bei dieser Röntgenuntersuchung wird über einen dünnen Katheter, der über die Harnröhre eingeführt wird, alternativ über eine dünne Nadel, die in örtlicher Betäubung durch die Bauchdecke in die Harnblase gestochen wird, Röntgenkontrastmittel in die Harnblase gefüllt. Dann wird unter Röntgendurchleuchtung geschaut, ob dieses Kontrastmittel in Ruhe und während des Wasserlassens nur in der Blase bzw. Harnröhre sichtbar ist oder ob es auch in den oder die Harnleiter geschwemmt wird, was einen vesikoureterorenalen Reflux beweisen würde.

Bei sehr kleinen Kindern, die unruhig sind, wird diese Untersuchung ambulant in Narkose durchgeführt. Diese Untersuchung wird von uns sehr schonend durchgeführt. Durch unsere moderne digitale Röntgenanlage und die Maßnahmen zum Strahlenschutz kann die Strahlenbelastung sehr gering gehalten werden.

Durchführung der Miktionscysturethrographie
Röntgenologischer Nachweis eines Refluxes in den linken Harnleiter und die linke Niere