Moderne Chirurgie: Maßgeschneiderte Lösungen statt „Katastrophe“

Oberarzt Torsten Cordes erläuterte, dass Leistenbrüche mit über 250.000 Operationen jährlich in Deutschland zu den häufigsten chirurgischen Krankheitsbildern gehören. In der Wetzlarer Klinik werden pro Jahr rund 400 Bruchoperationen durchgeführt. Torsten Cordes betonte, dass die moderne Medizin heute für jeden Patienten individuelle Wege bereitstellt: „Ein Bruch, oder auch Hernie, ist keine Katastrophe. Im Falle einer Operationsnotwendigkeit gibt es maßgeschneiderte Lösungen für jeden. Welches Verfahren das richtige ist, hängt nicht zuletzt von persönlichen Faktoren, aber auch von Art und Größe des Bruches ab.“ Neben klassischen offenen Verfahren kommen bei Leisten- und Bauchwandbrüchen vor allem schonende minimal-invasive Techniken (z. B. TAPP oder TEPP) zum Einsatz, die Patienten weniger Schmerzen und eine schnellere Erholung bieten. 

Die internistische Perspektive

Dass eine erfolgreiche Behandlung oft schon vor dem OP-Saal beginnt, machte Oberarzt Burkhard Kolb deutlich. Er legte dabei den Fokus auf Adipositas (Fettleibigkeit) und das Metabolische Syndrom (die Risikofaktoren starkes Bauchfett, Bluthochdruck, schlechte Blutfettwerte, Zuckerstoffwechselstörung). Adipositas und die Gewebeschwächen des Metabolischen Syndroms erhöhen dauerhaft den Druck im Bauchraum, wodurch das Risiko massiv steigt, dass die Bauchwand an ihren natürlichen Schwachstellen nachgibt und ein Bruch entsteht. Kolb appellierte eindringlich an die Eigenverantwortung der Betroffenen: „Die Therapie ist immer auch eine aktive Therapie, die eine lebenslange Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten erfordert. Es braucht die Einsicht: Ich habe ein Gewichtsproblem und will dieses Problem überwinden.“ Mit den drei Säulen der Basistherapie – Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltenstherapie – lässt sich das Gewicht effektiv reduzieren und so das Risiko für (erneute) Brüche senken. 

Wichtiges für Patienten: Wann zum Arzt?

Solange ein Bruch keine Symptome verursacht, kann unter Umständen abgewartet werden. Eine Ausnahme gilt für Frauen mit Leistenbrüchen, die aufgrund des Einklemmungsrisikos immer operiert werden sollten.  Ein echter Notfall liegt vor, wenn der Bruch feststeckt, sich nicht mehr zurückschieben lässt oder extreme Schmerzen sowie Übelkeit verursacht. In diesen seltenen Fällen ist eine sofortige Vorstellung in der Klinik lebensnotwendig.  Für Fragen und die individuelle Beratung bieten die Lahn-Dill-Kliniken wöchentliche Herniensprechstunden an. 

Torsten Cordes, Oberarzt der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie, und Burkhard Kolb, Oberarzt der Medizinischen Klinik II, beleuchteten das Thema Hernien aus chirurgischer und internistischer Sicht.