Zahlreiche Interessierte folgten der Einladung und nutzten die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren und Fragen zu stellen.

Aortenaneurysma – die stumme Gefahr

 „Ein Aneurysma ist eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader. Besonders gefährdet sind Männer ab 65 Jahre, Raucher sowie Menschen, bei denen bereits Familienmitglieder betroffen sind“, erklärte Dr. med. Peter Knez, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Wetzlar. Er schilderte die Gefahren eindringlich: „Die größte Bedrohung ist, dass das Aneurysma platzt und zu einer inneren Verblutung führt. Diese so genannte Ruptur ist ein akuter Notfall, der ohne sofortige Behandlung meist tödlich verläuft.“ Dabei machte er deutlich, dass eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader oft über Jahre hinweg keine Beschwerden verursacht und deshalb meist nur zufällig entdeckt wird.

Neben dieser Risikobetrachtung warf Dr. Knez auch einen Blick in die Geschichte der Aneurysma-Chirurgie – von den ersten offenen Eingriffen bis zu den heute etablierten, schonenderen endovaskulären Verfahren (Eingriffe über die Blutgefäße mithilfe von Kathetern). Dabei ging er auf die verschiedenen Therapiemöglichkeiten ein – von der konservativen Kontrolle kleiner Aneurysmen mittels Ultraschall über die offene Operation mit Gefäßersatz bis hin zur endovaskulären Versorgung durch das Einsetzen einer künstlichen Gefäßprothese (Stentgraft) über die Leistenarterie. Zusätzlich stellte er moderne, hochkomplexe Operationsverfahren vor, die heute auch für komplizierte anatomische Situationen zur Verfügung stehen. Mithilfe von maßgefertigten Gefäßprothesen mit sogenannten „Fenstern und Zweigen“ lassen sich mittlerweile auch Abgänge wichtiger Seitengefäße schonend über Katheterverfahren sichern. „Diese innovativen Techniken ermöglichen uns Eingriffe, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären,“ erklärte der Chefarzt.

Sein Fazit: „Ein Bauchaortenaneurysma sollte bei kritischer Größe unbedingt behandelt werden – und zwar bevor es platzt.“

Offene Operation oder endovaskuläre Ausschaltung?

Dr. med. Benjamin Weiß, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Wetzlar, widmete sich dem Vergleich zwischen klassischer offener Operation und endovaskulärer Therapie. Während die offene Operation seit Jahrzehnten als Standardverfahren gilt, bietet die minimal-invasive endovaskuläre Ausschaltung für viele Patienten entscheidende Vorteile. „Die endovaskuläre Therapie ist ein schonender Eingriff mit geringerer Belastung und kürzerer Erholungszeit und damit ideal für ältere oder vorerkrankte Patienten. Die offene Operation ist zwar aufwendiger, erfordert jedoch langfristig weniger Folgeeingriffe und ist deshalb oft die bessere Wahl für jüngere Patienten oder bei schwieriger Gefäßanatomie“, so der Oberarzt.

Allerdings betonte Dr. Weiß, dass es nicht die eine „beste“ Methode gebe: „Jeder Patient bringt andere Voraussetzungen mit – Alter, Begleiterkrankungen, die Anatomie des Aneurysmas. Unsere Aufgabe ist es, die individuell sicherste und langfristig erfolgversprechendste Lösung zu wählen.“

Vorsorge und Früherkennung im Fokus

Den präventiven Aspekt griff schließlich Babak Ashkan Far, Leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Wetzlar, auf. Er unterstrich die Bedeutung von Screening-Untersuchungen, die in vielen Fällen entscheidend sein können: „Ein einfacher Ultraschall reicht aus, um ein Aneurysma rechtzeitig zu erkennen. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, ist schmerzfrei und kann Leben retten.“ Hinzu käme, dass das Screening auf ein Bauchaortenaneurysma von den Krankenkassen übernommen wird.

Empfohlen wird ein Screening insbesondere für Männer ab 65 Jahren, da sie statistisch am stärksten gefährdet sind. Auch Menschen mit familiärer Vorbelastung oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Nikotinkonsum sollten besonders aufmerksam sein. „Ein gesunder Lebensstil mit Rauchverzicht, Blutdruckkontrolle und ausgewogener Ernährung kann das Risiko für Aneurysmen jedoch verringern“, so Ashkan Far abschließend. 

Viele Zuhörer nutzten am Anschluss des Vortragsprogramms die Gelegenheit, direkt mit den Experten ins Gespräch zu kommen. „Unser Ziel ist es, Ängste zu nehmen, Wissen zu vermitteln und Vertrauen in moderne Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen,“ so der Chefarzt abschließend.

V.l.n.r.: Dr. med. Benjamin Weiß, Geschäftsführender Oberarzt, Dr. med. Peter Knez, Chefarzt, und Babak Ashkan Far, Leitender Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Wetzlar freuten sich über die rege Teilnahme.