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Premiere in der Kardiologie am Klinikum Wetzlar: Erstmals kabelloser Defibrillator implantiert

Erstmalig wurde in den Lahn-Dill-Kliniken ein kabelloser Defibrillator direkt unter die Haut implantiert. „Wir waren bereits seit langem auf einen solchen Eingriff vorbereitet“, sagte Professor Dr. med. Martin Brück, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Wetzlar.

V.l.: Florian Gilbert, Oberarzt der Medizinischen Klinik I,  Professor Dr. med. Martin Brück, Chefarzt der Medizinischen Klinik I

E Aber nicht jeder Patient kommt für diese Art der Behandlung in Frage. „Dieser Defibrillator kann nämlich nicht als Schrittmacher arbeiten. Die Patienten, die ihn erhalten, dürfen keine anderen Herzrhythmusstörungen aufweisen, die eine Schrittmacherstimulation benötigen“, erklärte der Chefarzt.

Der subkutane* Defibrillator (S-ICD) wurde einer 38-jährigen Patientin implantiert. Sie war zuhause vor den Augen ihres Ehemannes zusammengebrochen und blieb bewusstlos auf dem Boden liegen. Der alarmierte Notarzt war in wenigen Minuten vor Ort und konnte die junge Frau mit einem Elektroschock vor dem plötzlichen Herztod bewahren. „Es lag ein lebensbedrohliches Kammerflimmern vor. Die einzige Möglichkeit der Behandlung besteht in der Abgabe eines Elektroschocks zur Wiederherstellung des Herzrhythmus, damit das Herz wieder Blut durch den Körper pumpen kann. Dieser Vorgang wird Defibrillation bezeichnet“, erläuterte Professor Brück.

Die junge Frau wurde in das Herzzentrum des Klinikum Wetzlar eingeliefert und erholte sich dort ohne Spätfolgen. Nur 10 Prozent der außerhalb eines Krankenhauses wiederbelebten Patienten überleben einen Herz-Kreislauf-Stillstand ohne Folgeschäden. „Unsere junge Patientin hatte neben viel Glück ein vorbildlich funktionierendes Rettungsteam zur Seite“, lobte der Kardiologe die an der Rettung beteiligten Personen.

Die von den Spezialisten im Herzzentrum Wetzlar diagnostizierte Herzerkrankung ließ das Auftreten vergleichbarer Herzrhythmusstörungen auch in Zukunft vermuten. Der Patientin wurde daher die Implantation eines Defibrillators (ICD) vorgeschlagen. Hierzu wird ein elektronisches Gerät unter die Haut der Patientin eingesetzt, das im Falle eines erneuten Auftretens von Kammerflimmern die Herzrhythmusstörung mit einem Stromstoß beendet. Die Elektroden des ICD liegen in der Herzkammer und haben dadurch direkten Kontakt zum Herzmuskel.

Ein S-ICD ist eine Variante des ICD, der bei Kammerflimmern gleichfalls einen elektrischen Impuls abgeben kann und den gleichen Schutz vor dem plötzlichen Herztod bietet. „Anders als bei einem herkömmlichen ICD bleiben das Herz und die Blutgefäße beim S-ICD unberührt. Das S-ICD-System wird direkt unter der Haut, also subkutan eingesetzt, ohne dass Drähte im Herzen benötigt werden“, erklärt Florian Gilbert, Oberarzt der Medizinischen Klinik I, der den Eingriff durchgeführt hat. „So kann das Risiko von Komplikationen gesenkt werden, die mit der Platzierung eines elektrischen Drahtes im Herzen verbunden sein können.“

Der Eingriff, der in Vollnarkose durchgeführt wurde, dauerte eine Stunde. Die Patientin wurde nach zwei Tagen aus der stationären Behandlung entlassen. Nach drei Monaten erfolgt die ambulante Kontrolle des S-ICD im Klinikum Wetzlar.

* subkutan = unter die Haut