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Neue Therapie bei undichter Trikuspidalklappe

Schonende Herzklappenreparatur ohne Operation: Die Medizinische Klinik I des Klinikums Wetzlar bietet seit Kurzem eine neuartige Therapie bei einer Undichtigkeit der Herzklappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer, der so genannten Trikuspidalklappe, an. „Eine undichte Trikuspidalklappe die zu wiederkehrenden Wassereinlagerungen im ganzen Körper führt, muss damit nicht mehr zwingend operiert werden“, sagte Professor Dr. Martin Brück, Chefarzt der Abteilung.

Neue Technologien ermöglichen es nun, schwere Undichtigkeiten an der Trikuspidalklappe, die nicht mehr auf eine medikamentöse Therapie ansprechen, über einen Kathetereingriff zu behandeln. „Wir freuen uns sehr, dass wir den Bürgern im Lahn-Dill-Kreis dieses innovative Verfahren anbieten zu können“, erklärte Tobias Gottschalk, Geschäftsführer der Lahn-Dill-Kliniken. „Das Team um Professor Brück hat bereits reichlich Erfahrung in der minimalinvasiven Therapie von Mitralklappenerkrankungen und wir sind froh, nun ein ähnliches Verfahren für die Trikuspidalklappe anbieten zu können.“

Für Patienten mit Herzklappenerkrankungen war bislang oft nur eine Herzoperation möglich. Seit einigen Jahren können jedoch die beiden Ventile der linken Herzhauptkammer – die Mitral- und die Aortenklappe – insbesondere bei älteren Patienten über einen Leistenzugang mittels Katheter repariert werden. Auch im Klinikum Wetzlar ist seit fünf Jahren die schonende Reparatur der Mitralklappe mittels Herzkatheter möglich. So wurden bislang ca. 150 Patienten in den Lahn-Dill-Klinken mit dieser Methode erfolgreich behandelt. „Dies ist jetzt auch für die Trikuspidalklappe möglich“, erklärte Prof. Dr. Martin Brück, Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Klinikum Wetzlar.

Eine erkrankte Trikuspidalklappe konnte bislang nur mit Medikamenten therapiert werden. „In den meisten Fällen ist eine Therapie mit harntreibenden Medikamenten, so genannten Diuretika, die den Wasseransammlungen im Bauch und den Beinen entgegenwirken, dafür auch ausreichend“, erläuterte der Chefarzt. Bei einigen Menschen wirken jedoch auch hohe Dosierungen dieser Medikamente nicht mehr und es kommt zu ausgeprägten und immer wiederkehrenden Wassereinlagerungen im ganzen Körper. „Die operative Behandlung einer undichten Trikuspidalklappe ist lediglich bei jüngeren Patienten eine Behandlungsoption, bei älteren Menschen ist das Operationsrisiko zumeist inakzeptabel hoch. Die Trikuspidalklappe wurde daher auch oft als die „vergessene Herzklappe“ bezeichnet. 

Die schonende neuartige Behandlung durch den Kathetereingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa zwei Stunden. Im Klinikum Wetzlar stehen hierfür ein hochmodernes Herzkatheterlabor und ein Team aus Kardiologen, Narkoseärzten, Technikern und speziell geschultem Assistenzpersonal zur Verfügung. Der Einführung der Trikuspidalklappen-Reparatur im Herzkatheterlabor der Lahn-Dill-Kliniken ging eine fast einjährige Ausbildung in der Universitätsklinik Mainz voraus.

Professor Dr. Martin Brück und sein Oberarzt Patrick Schmidt erlernten dort die Kathetertechnik, um sie jetzt auch in Wetzlar einsetzen zu können. „Der Teamansatz dieses Verfahrens entspricht der heutigen medizinischen Behandlung von insbesondere älteren Patienten mit komplexen Krankheitsbildern. Mehrere Experten besprechen zusammen die für den Patienten am besten geeignete Behandlung“, so Patrick Schmidt. Das so genannte „Heart-Team“ setzt sich aus Kardiologen, Kardiochirurgen und Kardioanästhesisten zusammen. Dabei werden alle Patientenbefunde zunächst im Heart-Team besprochen. Anschließend visitiert das gesamte Team den Patienten persönlich, bespricht mit ihm die therapeutischen Möglichkeiten und legt zusammen mit dem Patienten die nach Abwägen aller Vor- und Nachteile am besten geeignete Behandlung fest. Dieser Beschluss wird schriftlich fixiert, erst danach ist der Kathetereingriff möglich.

Die Trikuspidalklappe weist drei Segel auf, die den Blutfluss zwischen den beiden Kammern auf der rechten Seite des Herzens (rechter Ventrikel und rechter Vorhof) kontrollieren. Wenn diese Segel nicht richtig schließen, kann das Blut zurückfließen. „Das nennt man Regurgitation. Das Herz muss dann mehr leisten“, erklärt der Chefarzt. Die Erkrankung betrifft in der Regel ältere Menschen, die an mehreren Begleiterkrankungen leiden, wodurch eine Operation am offenen Herzen zu einem risikoreichen Verfahren wird, sodass viele Menschen unbehandelt bleiben. „Die Trikuspidalregurgitation gilt als das am häufigsten unterbehandelte Klappenproblem“, so Professor Brück weiter.

Bei dem Kathetereingriff wird über die Leistenvene ein millimetergenau steuerbares Instrument bis ins Herz eingeführt. Mit kleinen, lenkbaren Clips werden die Segel der Trikuspidalklappe präzise so adaptiert, dass die Schließfunktion des Klappenventils wieder gewährleistet ist. Mit diesem minimalinvasiven Eingriff können insbesondere vorerkrankte Menschen sehr schonend behandelt werden, so dass bereits wenige Tage nach dem Eingriff eine Entlassung nach Hause möglich ist.