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Musik hilft Lebensrettern

Dr. Tobias Löhr (2. von links), Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, erläutert den Teilnehmern die Herzmassage anhand einer Übungspuppe.

Schnell und kräftig drücken: Chefarzt Professor Dr. Jörg Engel (Mitte) und Oberarzt Dr. Tobias Löhr (rechts) zeigen einer Teilnehmerin, worauf es bei der Reanimation ankommt.

Wetzlar, 20. September 2013 – „Prüfen, rufen, drücken“ kann Leben retten – das haben gestern die Teilnehmer eines Patientenseminars am Wetzlarer Klinikum erfahren. Die Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin hatte zur bundesweiten „Woche der Wiederbelebung“ vom 16. bis zum 22. September einen Aktionstag veranstaltet. Unter dem Motto „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ lernten die Teilnehmer, worauf es bei der Wiederbelebung ankommt. Den Ernstfall trainierten sie mit Hilfe von Übungspuppen – und mit musikalischer Unterstützung.„Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland“, so Professor Dr. Jörg Engel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin. Doch die Helferquote beim Herzstillstand sei im internationalen Vergleich sehr gering: Etwa 60 Prozent der Herzstillstände würden beobachtet, aber nur 17 Prozent würden reanimiert. „Dabei kann ein plötzlicher Herzstillstand jeden treffen – deshalb sollte auch jeder in der Lage sein, im Notfall einfache und lebensrettende Sofortmaßnahmen zu ergreifen“, erklärte Professor Engel. In seinem Vortrag informierte er die Teilnehmer über das richtige Verhalten im Notfall. „Die Devise lautet: prüfen, rufen, drücken“, so der Chefarzt. Zunächst müsse man prüfen, ob die Person noch atmet. Unter der Notrufnummer 112, die europaweit gültig ist, ruft man den Rettungsdienst. Das Drücken, also die Herzmassage, soll kräftig und schnell erfolgen – mindestens 100-mal pro Minute. „Das kann die Überlebenschance verdoppeln bis verdreifachen“, erläuterte Professor Engel. Nach der Präsentation mit einem Video, Fakten und Hintergrundinformationen zur Reanimation begann der praktische Teil der Schulung an den Trainingspuppen. Professor Engel und Ärzte der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin standen den Teilnehmern zur Seite und zeigten ihnen, was bei der Wiederbelebung zu beachten ist. Wichtigster Grundsatz: Man kann kaum etwas falsch machen. „Entscheidend ist, dass man überhaupt etwas unternimmt. Das könnte lebensrettend sein“, so Professor Engel. Drücken müsse man in der Mitte des Brustkorbs und zwar so lange, bis Hilfe eintrifft. „Das kann körperlich sehr anstrengend werden, aber halten Sie durch!“, appellierte der Mediziner an die Teilnehmer. Hilfreich sei es, die Kraft nicht aus den Armen zu holen, sondern das Gewicht des Oberkörpers zu nutzen. Zur Unterstützung hatte der Mediziner Musik mitgebracht – für den richtigen Rhythmus bei der Wiederbelebung. „Bei der Herzmassage sollte man mindestens 100 mal pro Minute drücken“, so Professor Engel. Der Song „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees entspreche mit 100 Beats pro Minute genau diesem Rhythmus und könne daher bei der Herzmassage helfen, erläuterte der Chefarzt. Auch zahlreiche Fragen der Teilnehmer konnten geklärt werden – etwa nach der Mund-zu-Mund-Beatmung. „Wenn Sie die Mund-zu-Mund-Beatmung beherrschen, ist das natürlich gut, aber kein Muss“ so Professor Engel. Mit einer Herzmassage würden Gehirn und Organe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ausreichend mit Sauerstoff versorgt.