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„Entscheidungen für ein Zurück ins Leben“

Tag der Intensivmedizin am 20. Juni

Das ärztliche und pflegerische Personal der Intensivstationen ist während der Corona-Pandemie besonders gefordert.

Unzählige Kabel, Räume voller medizinischer Geräte, eine unterkühlte Atmosphäre – daran denken viele Menschen, wenn sie an eine Intensivstation denken. Nach den Ereignissen der vergangenen Monate haben viele Menschen auch die Bilder aus den Kliniken in Oberitalien vor Augen, wenn es um die Intensivmedizin geht. „Intensivmedizin verunsichert viele Menschen. Dies hängt auch mit einer abstrakten Vorstellung von der Gerätemedizin und der Abgabe der eigenen Kontrolle zusammen. Dabei steht diese Medizin nicht für Tod und kalte Apparatur. Vielmehr ist das Motto durch den Einsatz von hoch qualifizierten Pflegekräften und Ärzten zusammen mit den technischen Möglichkeiten ‚Zurück ins Leben‘“, sagt Professor Jörg Engel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Wetzlar.

Was Intensivmedizin bedeutet und was sie erreichen kann, ist Thema des Tages der Intensivmedizin am 20. Juni. Dieser wurde von der Kampagne „Zurück ins Leben“ des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V. sowie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. ausgerufen. Ziele der Kampagne sind Aufklärung, Motivation und Würdigung der Intensivmedizin. 

Eine intensivmedizinische Behandlung wird immer dann notwendig, wenn für den Patienten Lebensgefahr besteht. Der Einsatz von Personal und Geräten ist nirgendwo höher im Krankenhaus. Am Klinikum Wetzlar arbeiten täglich über 15 Ärzte und über 35 Gesundheits- und Krankenpfleger auf den beiden Intensivstationen. „Dieser Aufwand stellt den Menschen in den Mittelpunkt sämtlicher Aktivitäten. Das Ziel ist die Wiederherstellung des körperlichen und psychischen Befindens. Dieses Ziel wird meistens erreicht: Mehr als 90 Prozent der Patienten können die Intensivstation lebend verlassen“, so Professor Engel.

In der Coronakrise stehen die Intensivstationen besonders im Fokus. Kliniken in Deutschland wurden im März aufgefordert, die Intensivkapazitäten hochzufahren und zusätzliche Beatmungsmöglichkeiten für schwer erkrankte Patienten mit Lungenversagen bereitzustellen. Am Klinikum Wetzlar wurden zur Umsetzung dieser Vorgaben die beiden Intensiveinheiten in eine „Corona-Intensivstation“ und in eine „Nicht-Corona-Intensivstation“ räumlich und personell getrennt. Zusätzliches Personal wurde aus anderen Bereichen neu rekrutiert.

Abläufe für die „Corona-Intensivstation“ mussten neu eingeübt werden: Farblich markierte Schutzzonen wurde eingerichtet, die den „heißen Bereich“, der nur mit voller Schutzkleidung betreten werden durfte, von den anderen Bereichen, in denen sich die nachgehaltenen Materialien und der Sozialraum befand, voneinander trennte. Fragen, die geklärt werden mussten, waren, wie isoliert man diese Patienten zum Schutz vor anderen Pateinten und zum Schutz des Personals? Wie geht man sicher mit der Schutzbekleidung um?

Gleichzeitig mussten auf der Nicht-Corona-Intensivstation Patienten weiterhin behandelt werden – etwa wegen einer akuten Erkrankung, eines schweren Unfalls oder einer großen Operation. „Die Schwierigkeit in dieser Zeit war den Spagat so hinzubekommen, dass diese Patienten unter den vorgegebenen Reglementierungen und Einschränkungen ausreichend versorgt werden konnten“, erläutert Professor Engel.

Dabei sind die Angehörigen Mittler zwischen Patient und Arzt sowie Pflegenden – auch wenn Besuche in der Coronakrise nur in Ausnahmefällen möglich sind. Wenn der Patient nicht in der Lage ist, direkt mit dem Personal der Klinik zu sprechen, werden die medizinischen Maßnahmen, die zum Heilungsverlauf und dem Weg zur möglichst vollständigen Wiederherstellung notwendig sind, den Angehörigen erklärt und abgestimmt.

„Ob in Zeiten mit oder ohne Corona – menschliche Zuwendung und die Individualität der Patienten stehen immer im Vordergrund der Intensivmedizin. Nur so kann die Intensivmedizin Entscheidungen für die Zukunft des Patienten treffen. Entscheidungen für ein Zurück ins Leben“, so Professor Engel.