Twitter Facebook YouTube Xing Chat

Zertifizierte Zentren

Weitere Zentren


Den Kardiologen über die Schulter geschaut

Premiere am Klinikum Wetzlar: Erstmals konnten Besucher bei einer Veranstaltung der Medizinischen Klinik I am Klinikum Wetzlar eine Herzkatheteruntersuchung live mitverfolgen. Die Untersuchung wurde auf zwei großen Leinwänden übertragen.

Das Herzkatheterlabor wird zum Filmstudio. Drei Kameras wurden platziert, damit die Zuschauer die Untersuchung live mitverfolgen konnten.

Professor Dr. Martin Brück erklärt den Besuchern die einzelnen Schritte der Herzkatheteruntersuchung.

150 Besucher verfolgten interessiert die Live-Übertragung der Herzkatheteruntersuchung.

Die Übertragung erfolgte gestern direkt aus dem Katheterlabor in die Räume der Cafeteria im Klinikum Wetzlar, wo die Untersuchung auf zwei großen Leinwänden für alle Besucher zu sehen war. Die Herzkatheteruntersuchung ist heute eine unverzichtbare Methode, um Krankheiten des Herzens zu diagnostizieren und zu behandeln.„Viele Patienten haben große Angst vor einer Herzkatheteruntersuchung“, sagte Professor Dr. Martin Brück, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Wetzlar. „Häufig fühlen sich die Patienten sicherer, wenn sie gesehen haben, wie eine solche Untersuchung abläuft“.Am Klinikum Wetzlar werden jährlich über 3.000 Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt. Eine davon wurde nun in die Cafeteria des Klinikums Wetzlar übertragen. Die über 150 Besucher konnten dabei live mitverfolgen, wie Oberarzt Dr. Daniel Rohloff einen dünnen, biegsamen Kunststoffschlauch über die Schlagader bis zu den Herzkranzgefäßen führte. Der Patient, der sich gerne für die Liveübertragung der Herzkatheteruntersuchung zur Verfügung stellte, hatte das Klinikum Wetzlar zuvor wegen Kurzatmigkeit und Brustenge bei körperlicher Belastung aufgesucht. Während des Eingriffs war er wach und konnte die Untersuchung mitverfolgen. Erforderlich war ausschließlich eine lokale Betäubung dort, wo der Katheter eingeführt wurde.„Im Falle einer Engstelle der Herzkranzarterien ist es möglich, diese in der gleichen Sitzung mit einer Ballonaufdehnung und einer Gefäßstütze, einem sogenannten Stent, zu beseitigen“, erklärte Professor Brück. „Die Herzkatheteruntersuchung verläuft schmerzfrei und dauert im Durchschnitt zirka 20 Minuten.“ Sollte eine Aufdehnung notwendig sein, würde sich die Untersuchungszeit jedoch verdoppeln.Nach etwa 30 Minuten verkündete Dr. Rohloff: „Wir sind fertig.“ Die Besucher des Herzseminars würdigten die Leistung mit großem Beifall. Sichtlich überrascht, aber auch erfreut sagte er: „Beifall sind wir eigentlich nicht gewohnt.“Im Herzkatheterlabor werden außerdem Herzschrittmacher implantiert sowie sogenannte elektrophysiologische Untersuchungen und Therapien durchgeführt. „Das heißt, dass Herzrhythmusstörungen durch die Untersuchung elektrischer Ströme am Herzen diagnostiziert und lokalisiert werden“, erläuterte Professor Brück. Außerdem ermöglicht eine spezielle Verödungsbehandlung, die Katheterablation – bereits während des Eingriffs – Herzrhythmusstörungen zu therapieren.Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland immer noch die führende Todesursache, jedoch zeigt sich in den letzten Jahrzehnten ein Rückgang. „Die Sterblichkeit infolge eines akuten Herzinfarktes in Deutschland hat sich in den Jahren 1980 bis 2011 von 118 auf 64 Menschen pro 100.000 Einwohner reduziert“, erklärte Georg Braig, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I während seines Vortrags. Die Hauptgründe für die rückläufige Zahl der Todesfälle an Herz-Kreislauferkrankungen seien insbesondere eine bessere Vorbeugung, Diagnostik und Therapie der koronaren Herzkrankheit. Trotzdem seien Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer noch die Todesursache Nummer eins in Deutschland. Darum solle man auf einen gesunden Lebensstil achten: „Wer nicht raucht, sich viel bewegt, gesund isst und Stress vermeidet, hat ein deutlich niedrigeres Risiko zu erkranken“, verdeutlichte Braig.