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Dank Knochenbank konnte Ameer geholfen werden

Erneut Junge aus dem Jemen erfolgreich behandelt

Freuen sich, dass es Ameer (Mitte) wieder besser geht: Tanja Fabel, Krankenschwester, Marc-Henrik Echterhoff, Funktionsoberarzt, Regine Binz vom Kinderschutzbund und Professor Dr. Harald Knaepler, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. (v.l.n.r)

Wetzlar – Stark hinkend und mit stechenden Schmerzen wurde der kleine Ameer aus dem Jemen im Januar ins Klinikum Wetzlar eingeliefert. Die Hilfsorganisation Hammer Forum e.V. hatte den knapp neunjährigen Jungen im Januar in die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie gebracht. Schnell konnten die Experten dort die Diagnose stellen: Es hatte sich ein gutartiger Knochentumor im rechten Schenkelhals gebildet. „Der Tumor hat den ganzen Schenkelhals ausgefüllt, er war etwa so groß wie ein Tischtennisball. Kein Wunder, dass Ameer starke Schmerzen hatte“, erklärte Professor Dr. Harald Knaepler, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Knaepler weiter: „Dank unserer hauseigenen Knochenbank konnten wir aber rasch und unkompliziert helfen“.

In einer rund 50-Minütigen Operation wurde dem Jungen der Tumor zuerst komplett entfernt und anschließend mit Knochen aus der Knochenbank ausgefüllt. Dabei handelte es sich um Spenderknochen von Patienten, die eine neue Hüfte bekommen haben. „Ohne die Knochenbank wäre eine Versorgung nicht möglich gewesen“, verdeutlichte der Chefarzt, der das Verfahren entwickelt hat.

Die Operation verlief völlig komplikationslos. Mithilfe regelmäßiger und intensiver Physiotherapie konnte Ameer innerhalb kurzer Zeit wieder ohne Hilfsmittel laufen. Für Chefarzt Professor Dr. Knaepler ist es bereits das 16. Kind aus einem Krisengebiet, das er mit seinem Team in Kooperation mit dem Hammer Forum medizinisch versorgt. Bereits mehrmals konnte er mit Hilfe der Knochenbank Kindern aus Krisengebieten helfen.

In allen Fällen kümmern sich die Mitarbeiter der Kinderstation des Klinikums Wetzlar und der Kinderschutzbund engagiert um die Kinder. „Eine einfühlsame Versorgung unterstützt natürlich den Heilungsprozess“, so Knaepler. Ihm ist es ein Anliegen den Kleinen zu helfen: „Gerade in Krisengebieten ist die medizinische Versorgung oft sehr schlecht und wir freuen uns, dass wir wieder einem Kind in Not helfen konnten“.

Unterstützung hat Professor Dr. Knaepler auch von der Geschäftsführung der Lahn-Dill-Kliniken erhalten: „Ein solches Engagement unterstützen wir natürlich gerne und so haben wir sofort der kostenlosen Behandlung des Kleinen zugestimmt“, erklärte Richard Kreutzer, Geschäftsführer der Lahn-Dill-Kliniken.

Knochentransplantation

Die Indikation der allogenen Knochentransplantation (einem Patienten werden Knochen von einem anderen Menschen eingesetzt) ist immer dann gegeben, wenn größere Knochendefekte, entweder nach Brüchen oder bei Tumoren, bestehen. Die Spenderknochen werden dabei mit Hilfe eines speziell dafür entwickelten Thermodesinfektionsapparat desinfiziert. Dazu werden Oberschenkelköpfe auf 80°C erhitzt und anschließend bei minus 72 Grad gelagert. Bei dieser Temperatur können die Knochen bis zu maximal zwei Jahren aufbewahrt und verarbeitet werden. Das Verfahren wurde von Professor Dr. Harald Knaepler in den neunziger Jahren entwickelt.

Über das Hammer Forum e.V.

Qualifizierte medizinische Teams des Hammer Forums fliegen in die Krisengebiete und behandeln dort vor Ort. Des Weiteren kümmern sich die Teams in den Kliniken der Einsatzländer um die Aus-und Fortbildung einheimischer Ärzte und Pfleger. Kinder, die in ihrer Heimat nicht von den Spezialisten des Hammer Forums operiert werden können, werden im Ausnahmefall zur Behandlung nach Deutschland oder Österreich ausgeflogen. Durch die Ärzte vor Ort wird gewährleistet, dass ausschließlich die Kinder nach Deutschland transferiert werden, die tatsächlich nicht in ihrer Heimat versorgt werden können. Nach einer Genesungsphase in Gastfamilien werden alle Kinder in ihr Heimatland zurückgebracht. Ziel der Auslandsprojekte ist der Aufbau einer geeigneten medizinischen Infrastruktur für Kinder, angepasst an die jeweiligen Verhältnisse vor Ort.