Twitter Facebook YouTube Xing Chat

Zertifizierte Zentren

Weitere Zentren


Aktionstag „Roboterassistierte Chirurgie“. Neues da Vinci-System beeindruckt Besucher

Anfang September fand die erste Patientenveranstaltung an den Lahn-Dill-Kliniken seit Beginn der Corona-Pandemie statt. Eingeladen zum Aktionstag „Roboterassistierte Chirurgie“ hatten Dr. Victor Teodor Garlonta, Chefarzt der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Urologische Onkologie und Privatdozent Dr. Frank Ulrich, Chefarzt der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie. Zahlreiche Interessierte nutzen die Gelegenheit, um einen Einblick in das hochmoderne da Vinci-System bekommen. Aufgrund der Hygienemaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus war die Teilnehmerzahl auf 60 Personen, die sich im Vorfeld zur Veranstaltung angemeldet hatten, begrenzt.

Dr. Victor Teodor Garlonta, Chefarzt der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Urologische Onkologie (links) und Privatdozent Dr. Frank Ulrich, Chefarzt der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie (rechts) mit Besuchern (Mitte)

Privatdozent Dr. Frank Ulrich gab in seinem Vortrag einem kurzen Überblick zur Entwicklung Roboterassistierter Chirurgie mit beeindruckenden Zahlen. So wurden im Jahr 2020 weltweit 1,2 Millionen roboterassistierte Eingriffe mit rund 6.000 da Vinci-Systemen durchgeführt. Seit der Installation des roboterassistierten Systems an den Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar im Oktober 2020 konnten mit dem da Vinci-Systems fast 100 Patienten innerhalb der Viszeralchirurgie und fast 90 Patienten im Bereich der Urologie erfolgreich operiert werden.

Sowohl Dr. Garlonta als auch Dr. Ulrich gingen in ihren Präsentation auf die Vorteile des innovativen OP-Systems ein. „Zu nennen sind hier beispielsweise das sehr schonende und präzise Arbeiten, der geringere postoperative Schmerzmittelbedarf, die schnellere Mobilisation und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt“, erklärte Chefarzt Dr. Ulrich. Zusätzlich würden die gewohnte körperliche Belastung sowie die Rückkehr in den Alltag früher möglich. „Ein besseres kosmetisches Ergebnis und im längeren Verlauf ein signifikant geringeres Auftreten von Narbenbrüchen sprechen zusätzlich für die roboterassistierte Eingriffe“, so Ulrich weiter. Beispielhaft stellte der Chefarzt der Allgemeinchirurgie eine Metaanalyse von Studien mit insgesamt 170.000 Patienten vor, die einen Vergleich zog zwischen einem robotisch operierten und einem klassisch minimalinvasiv operierten Enddarmkrebs. „Dabei erzielte die so genannte Robotik ein signifikant besseres Ergebnis“, erklärte Dr. Ulrich. Hervorzuheben sei dabei unter anderem die geringere Sterblichkeit, der geringere Blutverlust und die geringere Zahl an Wundinfektionen.

Auch die klassischen Anwendungsgebiete in ihren Fachbereichen wurden von den Chefärzten beleuchtet. In der Allgemeinchirurgie zählen unter anderem Dick- und Enddarmkrebs, Eingriffe an Magen und Speiseröhre bei Karzinomen oder Zwerchfellbruch mit Refluxkrankheit, aber auch die Adipositaschirurgie mit Schlauchmagenbildung und Magenbypass zu den Behandlungsfeldern
 

„In der Urologie ist das Prostatakarzinom mit über 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste Krebserkrankung des Mannes und wird mittlerweile, wenn die Möglichkeit besteht, robotisch-assistiert operiert“, erläuterte Dr. Garlonta. Zudem würde die Robotik auch bei Nierenkrebs und Nebennierenkrebs sowie gutartigen Prostatavergrößerungen angewendet. Aber auch rekonstruktive Eingriffe bei angeborener Harnleiter-Verengung (Nierenbeckenabgangsenge) oder nach einer chirurgischen Therapie seien optimal mit der da Vinci-Methode durchführbar. „Ich bin froh, dass die Lahn-Dill-Kliniken 1,2 Millionen Euro für den da Vinci investiert haben, denn Eingriffe mit diesem System können mit einer unvergleichbaren Präzession durchgeführt werden. Davon profitieren unsere Patienten“, sagte Dr. Garlonta.

Besonders beeindruckt waren die Besucher von Video-Sequenzen bereits durchgeführter da Vinci-Operationen am Klinikum Wetzlar und den dazugehörigen Erklärungen und Erläuterungen der beiden Chefärzte, die die moderne Technik besonders anschaulich machte. Im Anschluss erhielten alle Anwesenden die Möglichkeit, selbst mit praktischen Übungen das eigene Geschick an einem da Vinci-Simulator unter Beweis zu stellen. Dabei erhielten Sie Unterstützung von einem Ärzteteam, das den „Hobby-Operateuren“ mit Rat und Tat zur Seite stand.

Zusätzlich beantworteten die beiden Gastgeber viele Fragen der zahlreichen Besucher. „Die rege Teilnahme zeigt uns, wie groß das Interesse unserer Patienten an der roboterassistierten Chirurgie ist“, so Privatdozent Dr. Frank Ulrich. „Besonders gefreut haben wir uns darüber, dass auch ehemalige Patienten die Gelegenheit genutzt haben, sich noch intensiver mit dem da Vinci-System zu befassen und sich sogar selbst an die Steuerkonsole gesetzt haben“, so Dr. Victor Teodor Garlonta weiter.

Hintergrund da Vinci-Operationssystem:

Mit dem neuen High-Tech-Gerät können Patienten noch schonender operiert werden. Aktuell wird das System von den Ärzten der Allgemeinen, Viszeralen und Onkologischen Chirurgie sowie der Urologie genutzt. Bei der Operation mit dem da Vinci-System sitzt der Chirurg an einer Steuerkonsole, abseits des Operationstisches. Über Bedienelemente für die Hände und mehrere Fußpedale steuert er die Roboterarme, an deren Enden sich frei bewegliche Instrumente befinden und die zuvor über kleinste Schnitte in den Körper eingebracht wurden. Neben einer hervorragenden dreidimensionalen Sicht über die Kamera des Systems haben die Instrumente dabei einen größeren Bewegungsumfang als die menschliche Hand und erlauben dadurch auch in engen Körperhöhlen komplexe Operationsschritte. Bei den Eingriffen überträgt das System alle Bewegungen des Operateurs eins zu eins und dient dabei als hochpräziser verlängerter Arm des Chirurgen.