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Narkose, Intensiv- und Notfallmedizin

Hier finden Sie die Protokolle unserer Expertenchats zu den Themen Narkose, Schmerztherapie, Intensiv- und Notfallmedizin.

Notfallmedizin - wenn Sekunden entscheiden

Hier finden Sie die Fragen und Antworten zum Thema Notfallmedizin an Prof. Dr. Jörg Engel und Dr. Marc Hartmann.

Thema: Notfallmedizin

Vor kurzem ist meine Großmutter in der Küche umgefallen. Sie war bewusstlos, hat aber geatmet. Wir haben einen Notruf abgesetzt und sie in die stabile Seitenlage gebracht. Die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Wie kann ich mich in dieser Zeit verhalten bzw. was kann ich tun, um den Betroffenen zu helfen?

Dr. Marc Hartmann: Sie haben in der Situation alles richtig gemacht und Ihrer Großmutter geholfen. Der Rettungsdienst ist gesetzlich verpflichtet, innerhalb von 10 Minuten am Einsatzort zu sein. Diese Frist wird auch durch den Rettungswagen eingehalten. Dafür werden genügend Rettungswagen im Landkreis vorgehalten. Sie können in dieser Zeit bis zum Eintreffen der Hilfe nur weiterhin überprüfen, ob sich am Zustand Ihrer Großmutter etwas verschlechtert und müssen ggf. bis zum Eintreffen weitere Hilfe leisten. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist gut geeignet, um den Ablauf zu lernen und besser helfen zu können. Wenn sich der Zustand weiter verschlechtert, kann auch die 112 telefonisch weiterhelfen und Sie zu den richtigen Maßnahmen anleiten. Also bleiben Sie am Telefon oder rufen erneut den Notruf.

Bieten Sie im Klinikum Wetzlar Erste-Hilfe-Kurse an?

Dr. Marc Hartmann: Leider bieten wir zurzeit keine Kurse für die Öffentlichkeit an. Sie können sich aber an jeden Rettungsdienst im Landkreis wenden. Dort werden regelmäßig Kurse angeboten, z.B. beim Deutschen Roten Kreuz, Malteser Hilfsdienst etc.

Mein Erste-Hilfe-Kurs ist schon sehr lange her und ich bin nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand, was die Wiederbelebung angeht. Ich habe damals gelernt, dass man Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung abwechselnd machen soll. Inzwischen habe ich aber auch schon anderes gehört. Wie ist es denn nun richtig?

Prof. Dr. Jörg Engel: Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist aus emotionalen Gründen häufig ein Hindernis, eine Wiederbelebung zu beginnen. Da in Hessen davon auszugehen ist, dass spätestens nach 10 Minuten professionelle Hilfe vor Ort ist, ist die Beatmung nicht unbedingt notwendig. In der Lunge befindet sich für diese Zeit noch eine genügende Reserve. Aus diesem Grund ist die Herzdruck-Massage ausreichend. Diese sollte in der Zeit bis zum Eintreffen der Hilfskräfte dann auch mit voller Energie betrieben werden.

In welchem Fall rufe ich den Ärztlichen Bereitschaftsdienst und wann ist der Rettungsdienst zuständig?

Dr. Marc Hartmann: Wenn Ihr Hausarzt nach Dienstende in der Praxis nicht mehr erreichbar ist, ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Er behandelt alle nicht akut lebensbedrohlichen Notfälle und macht bei Ihnen gegebenenfalls einen Hausbesuch.

Der Rettungsdienst wird nur bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen durch die Rettungsstelle unter der 112 alarmiert. Bei solchen Erkrankungen ist direkte Hilfe ohne Zeitverzug notwendig. Daher ist der Rettungswagen und Notarztwagen immer mit Blaulicht unterwegs. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist ohne Blaulicht unterwegs und kommt bei Erkrankungen, die nicht sofort behandelt werden müssen, aber dennoch keinen Aufschub bis zum nächsten Tag erlauben.

Was heißt das konkret? Was mache ich zum Beispiel, wenn jemand plötzlich starke Bauchschmerzen bekommt?

Dr. Marc Hartmann: Es ist egal, welche Notrufnummer man wählt: die 112 für die Rettungsstelle oder die bundeseinheitliche Nummer 116 117 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Es wird Ihnen immer geholfen werden. Die geschulten Mitarbeiter am Telefon werden Ihnen genaue Fragen stellen, um herauszufinden, ob eine akut lebensbedrohliche Situation vorliegt. Bleibt die Situation nach der Befragung weiterhin unklar, wird ein Rettungswagen geschickt. Die Rettungsstelle kann auch den Ärztlichen Bereitschaftsdienst verständigen.

Wie schnell ist der Rettungsdienst bei mir, wenn ein Notfall besteht? Und wie wird das gewährleistet?

Prof. Dr. Jörg Engel: Die Rettungsfrist in Hessen beträgt 10 Minuten. in der Regel sind wir als Notärzte schneller da.

Man liest ja immer wieder vom demografischen Wandel. Wie sieht das im Rettungsdienst aus? Muss ich mir Sorgen machen, dass es in 20 Jahren nicht mehr genug Mitarbeiter im Rettungsdienst gibt?

Prof. Dr. Jörg Engel: Wie überall kann man davon ausgehen, dass auch im Rettungsdienst in Zukunft nicht genügend Leute zu finden sein werden. Eine Chance, dieses Handicap zumindest teilweise zu umgehen, besteht in der Möglichkeit der Telemedizin. Schon heute unterstützen die Mitarbeiter auf der Leitstelle den Anrufenden durch telefonische Unterstützung.

Was kostet ein Rettungseinsatz?

Prof. Dr. Jörg Engel: Ein Rettungswagen-Einsatz kostet ca. 300 Euro, ein Notarzt-Einsatz ca. 1.000 Euro.

Intensivmedizin – zwischen Hightech und Menschlichkeit

Hier finden Sie die Fragen und Antworten zum Thema "Intensivmedizin – zwischen Hightech und Menschlichkeit" an Prof. Dr. Jörg Engel und Dr. Markus Meister.

Thema: Intensivmedizin

Frage: Muss man nach jeder OP auf Intensivstation?

Dr. Markus Meister: Die Indikation zur Aufnahme auf eine Intensivstation kann sich natürlich aus dem operativen Eingriff ergeben, genauso können aber auch Vor-bzw. Begleiterkrankungen eines Patienten Anlass geben, intensivmedizinisch überwacht und behandelt zu werden. Daher muss selbstverständlich nicht jeder Patient postoperativ auf einer Intensivstation behandelt werden. Allerdings bedürfen schwerstkranke Patienten zum Teil auch nach Bagatelleingriffen, oder ohne jede Operation einer Überwachung. Entscheidend ist also nicht nur der Umfang des operativen Eingriffs, sondern auch die Ausgangssituation des Patienten. Aus der Zusammenschau wird dann die Indikation gestellt werden.

Frage: Wie ist denn das Betreuungsverhältnis (Arzt - Patient) auf der Intensivstation?

Dr. Markus Meister: Auf der „Operativen Intensivstation" am Klinikum Wetzlar kümmern sich rund um die Uhr ein bis drei Ärzte um unsere Patienten. Es ist also jederzeit mindestens ein Arzt für die Betreuung der Intensivstation abgestellt. Sehr wichtig ist aber auch eine hohe Präsenz der Pflegekräfte.

Frage: Wie werden Patienten auf der Intensivstation überwacht? Welche Möglichkeiten gibt es mittlerweile?

Dr. Markus Meister: Die Patienten werden durch Monitoring der Herzfrequenz, des Herzrhythmus, der Sauerstoffversorgung des Blutes und des Kreislaufs überwacht. Dazu erfolgt eine klinische Beobachtung durch die Behandelnden. Hierbei ist neben den Kontrollen von Drainagen auch der klinische Eindruck des Patienten entscheidend.

Frage: Könnten Sie mir den genauen Vorgang einer Intubation erläutern?

Prof. Dr. Jörg Engel: Bei einer Intubation wird ein Beatmungsschlauch in die Luftröhre gelegt. Da man von außen den Eingang der Luftröhre nicht sieht, benötigt man eine Hilfe, ein Laryngoskop. Mit diesem Gerät kann man den Kehlkopfeingang bei dem Blick durch den Mund sichtbar machen. Dadurch ist es möglich, den Beatmungsschlauch gezielt und sicher in die Luftröhre zu schieben.

Frage: Könnten Sie mir noch den Unterschied zwischen einer Larynxmaske und einem Kombitubus erklären?

Prof. Dr. Jörg Engel: Beide Atemhilfen werden blind, d.h. ohne Benutzung eines Laryngoskops* geschoben. Die Larynxmaske legt sich auf den Kehlkopfeingang. Der Kombitubus wird in der Speiseröhre platziert, die Öffnung befindet sich aber in Höhe des Kehlkopfeingangs. Beide Hilfen müssen nach nicht gereinigt werden, sondern können als Einmalprodukt entsorgt werden.

Frage: Wie viele Betten hat die Intensivstation?

Prof. Dr. Jörg Engel: Insgesamt verfügt das Klinikum Wetzlar über 31 Betten, davon 18 auf der Operativen Intensivstation.

 

*Ein Laryngoskop ist ein medizinisches Hilfsinstrument zur Betrachtung des  Kehlkopfs, das vor allem in der Anästhesie, in der Rettungs- und Intensivmedizin, sowie in der HNO-Heilkundeeingesetzt wird.

Schmerztherapie nach der OP

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Schmerztherapie nach der OP an Dr. med. Jörg Engel und Dr. med. Monika Deutscher. Der Chat fand am Montag, 21. November 2016, statt.

Thema: Schmerztherapie nach der OP

Frage von Herrn S.

Herr S.: Nach meiner letzten OP am Bauch hatte ich sehr starke Schmerzen, aber kein Arzt schien zuständig, welcher Arzt ist auf die Station für mich da?

Dr. med. Monika Deutscher: Grundsätzlich ist der Stationsarzt für Sie zuständig, allerdings gibt es für alle Operationen Schmerzschemata. Ansprechpartner ist natürlich immer zuerst das Pflegepersonal.

 

Frage von Frau H.

Frau H.: Wie sieht die Schmerztherapie nach einer Hüft-OP aus? 

Prof. Dr. med. Jörg Engel: Eine Hüft-OP ist eine größere Operation. Für große Eingriffe gibt es feste Schmerzschemata, die jeweils an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.

Ein Schmerzschema ist eine Zusammensetzung verschiedener Schmerzmittel und stellt eine Basis-Therapie dar. Da der Schmerz im Laufe des Tages nicht immer gleich stark ist, kann man auf dieser Grundlage individuell die Schmerzspitzen gut angehen. Voraussetzung ist, dass die Schmerzstärke erfasst und dokumentiert wird. Schmerzschemata bedeuten, dass der Patient nicht in ein Schmerzloch fällt.

 

Frage von Herrn R.

Herr R.: Guten Abend, bei mir steht eine größere Darm-Operation an. Vor der OP habe ich eigentlich keine Angst, aber vor den Schmerzen danach. Was raten Sie mir?

Dr. med. Monika Deutscher: Solche Operationen werden in einer Kombination von Schmerzverfahren operiert. Einmal wird ein Schmerzkatheter gelegt. Außerdem werden dann nach einem Schmerzschema Medikamente verordnet.

Wichtig ist auch, dass der Patient sich im Vorfeld gut informiert, über unterschiedliche Narkoseverfahren und schmerztherapeutische Möglichkeiten Kenntnis hat und im vorbereitenden Narkoseaufklärungsgespräch seine Fragen stellen kann. Ein informierter Patient ist für uns sehr wichtig.

Prof. Dr. med. Jörg Engel: Auf unserer Homepage bieten wir Ihnen Informationen zum Download an: "Keine Angst vor Schmerzen" und "Schmerz - nein danke". In diesen Flyern sind wesentliche Fragen beantwortet. Diese ersetzen aber das persönliche Gespräch mit dem Anästhesisten nicht. Nur in diesem Gespräch kann ein maßgeschneidertes Vorgehen festgelegt werden.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Ich bin vor wenigen Tagen operiert worden und bin derzeit noch im Krankenhaus. Ich erhalte mehrmals täglich Schmerzmittel, möchte das aber eigentlich nicht, da ich generell so wenig Medikamente nehme wie möglich.

Dr. med. Monika Deutscher: Es ist ganz wichtig, dass die Schmerzmittel gerade in den ersten Tagen postoperativ regelmäßig eingenommen werden, um immer einen ausreichenden Medikamentenspiegel zu haben. Erst im weiteren postoperativen Verlauf kann man dann die Medikation reduzieren bzw. nach Bedarf anordnen.

Um sich nach einer Operation zu erholen, ist Schmerzfreiheit wichtig. Schmerzen machen Stress, führen zu Schlafstörungen und können auch andere Komplikationen hervorrufen. Ein schmerzfreier Patient hat weniger Komplikationen, kommt schneller auf die Beine, kann sich besser bewegen und der Erfolg der Operation ist besser gewährleistet.

Narkose und Schmerztherapie

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Narkose und Schmerztherapie an Professor Dr. med. Jörg Engel und Oberarzt Dr. med. Tobias Löhr von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin. Der Chat fand am Montag, 29. Februar 2016, statt.

Thema: Narkose

Frage von Herrn P.

Herr P.: Ich hatte letzte Woche Donnerstag eine OP, keine große Sache, ca. 15 Minuten. Allerdings mit Vollnarkose. Ich erinnere mich noch an einen wunderschönen Traum (Insel, Strand, Sonne, Wärme...) und wurde dann im Aufwachraum „zurückgerufen“. Es ist mir schwer gefallen. Seitdem kann ich nur noch schlecht schlafen, habe jede Nacht Alpträume; bin tagsüber niedergeschlagen; kraftlos und in depressiver Stimmung. Kann das mit der Narkose zusammenhängen? Gibt es Unverträglichkeiten? Danke für Ihre Zeit!

Dr. Tobias Löhr: Unverträglichkeiten im Rahmen der Narkose gibt es immer wieder mal, auch wenn das im Zusammenhang mit den heute gebräuchlichen Narkotika sehr selten auftritt. Die Beschreibung eines schönen Traumes im Rahmen der Narkose wird von Patienten immer wieder geschildert. Schlaflosigkeit und Depression im Zusammenhang mit Alpträumen nach Operationen, wie von Ihnen geschildert, ist uns so noch nicht geschildert worden.

Herr P.: Danke für die Antwort, dann hat das also wahrscheinlich andere Ursachen. Ist eine Narkose eine große Belastung für den Körper? Wann ist alles wieder "abgebaut"?

Dr. Tobias Löhr: Eine Narkose ist heutzutage keine große Belastung mehr für den Körper – natürlich ist das auch immer abhängig von der Größe des Eingriffs und der Dauer der Narkose. Wir betreuen heutzutage viele Patienten, die innerhalb kürzester Zeit viele Narkosen über sich ergehen lassen müssen und diese sehr gut vertragen. Aufgrund der modernen Überwachungsmethoden ist Narkose heutzutage sehr sicher.

Herr P.: Ich hatte vor ca. 25 Jahren eine Allergie beim Einsatz von Novalgin (der Hals schwoll an, ich bekam keine Luft mehr.) Kann man davon ausgehen, dass die Allergie immer noch vorhanden ist? Gibt es gute Alternativen?

Dr. Tobias Löhr: Allergien auf Novalgin werden nicht selten beschrieben. Da Sie, wenn auch vor sehr langer Zeit, eine sehr ausgeprägte allergische Reaktion auf diese Substanz gezeigt haben, sollten Sie zukünftig Novalgin unbedingt vermeiden und dies auch bei Ihren behandelnden Ärzten angeben. 

Herr P.: Vielen Dank und alles Gute!

Dr. Tobias Löhr: Sehr gerne geschehen!

 

Frage von Herrn Z.:

Herr Z.: Kann es sein, dass ich während einer Operation rede und gegebenenfalls Geheimnisse preisgebe?

Dr. Tobias Löhr: Entgegen verbreiteter Vorstellung kommt es nicht vor, dass Patienten während einer Narkose reden. Dagegen kann es sein, dass Patienten während der Aufwachphase träumen und dann auch sprechen. Selbst wenn dabei Vertrauliches preisgegeben werden sollte, unterliegen Pflegekräfte und Ärzte der Schweigepflicht.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Nach Ostern wird bei mir ein kleiner Eingriff jedoch unter Vollnarkose durchgeführt. Ich darf kurz nach der Operation wieder nach Hause. Muss ich etwas beachten? 

Dr. Tobias Löhr: Bei ambulanten Eingriffen ist zu beachten, dass Sie 24 Stunden nach einer Narkose oder örtlichen Betäubung nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen und wegen eventueller Beeinträchtigung des Urteilsvermögens nur eingeschränkte Geschäftsfähigkeit besteht. Sie sollten auf dem Heimweg begleitet und für die nächsten 24 Stunden von jemandem umsorgt werden.

 

Frage von Frau K.

Frau K.: Ich wüsste gerne, ob der Kostendruck in Ihrer Klinik auch so hoch ist, dass mitunter Verletzungen, die vielleicht in Kurznarkose gerichtet werden könnten, nur in lokaler Anästhesie oder ohne lokale gerichtet werden.

Professor Dr. Jörg Engel: Nein, der Kostendruck ist nicht so, dass wir medizinisch Unsinniges machen. Wenn eine Narkose notwendig ist, wird sie durchgeführt.

Frau K.: Danke, dass beruhigt mich.

 

Frage von Frau L.

Frau L.: Seit einer Narkose im Oktober 2015 habe ich keine normale Stimme mehr.

Dr. Tobias Löhr: Im Rahmen einer Intubationsnarkose kann es zu einer Beeinträchtigung Ihrer Stimme kommen. In der Regel normalisiert sich die Stimme innerhalb eines kurzen Zeitraumes wieder. Da die Narkose bei Ihnen schon länger zurückliegt, empfehlen wir ihnen eine Abklärung über einen HNO-Arzt.

Frau L.: Was bedeutet es, wenn die Narkose mit einem Glidescope durchgeführt wurde?

Dr. Tobias Löhr: Das bedeutet, dass bei Ihnen die Platzierung des Beatmungsschlauches (Tubus) aufgrund der bei Ihnen beschriebenen anatomischen Verhältnisse erschwert war und mit Hilfe eines so genannten Glidescopes (dort ist eine Kamera integriert) erfolgte. Sie haben wahrscheinlich einen Anästhesieausweis erhalten, damit Kollegen im Rahmen der nächsten Narkose bereits auf diesen Umstand hingewiesen werden und entsprechend vorbereitet sind. Es kann folglich bei Ihnen zu einer Verletzung der Stimmbänder gekommen sein, die Sie durch den HNO-Arzt abklären lassen sollten.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Kann ich während einer Operation aufwachen?

Professor Dr. Jörg Engel: Nachdem der Patient eingeschlafen ist, überprüft der Anästhesist neben den lebenswichtigen Organfunktionen auch ständig die Narkosetiefe. Mit Hilfe der heute verfügbaren Medikamente kann der Anästhesiearzt die Narkosetiefe zuverlässig und rasch regulieren und dafür sorgen, dass der Patient nicht während des Eingriffs wach ist.

 

Frage von Herrn G.

Herr G.: Ich werde nächste Woche an der Hüfte operiert, wie muss ich mich vor der Narkose verhalten?

Professor Dr. Jörg Engel: Es gibt einige Verhaltensregeln, die aus Gründen der Sicherheit unbedingt beachtet werden müssen:

  1. Ab 24:00 Uhr des Vortages darf nichts mehr gegessen und getrunken werden (auch keine Bonbons oder Kaugummi). Sollten Sie zu dieser Zeit wach werden und Durst haben, können Sie klare Flüssigkeiten ohne Alkohol oder Zusätze und Zucker (Tee, Wasser) bis etwa 5:00 Uhr morgens trinken. 
  2. Sie dürfen nicht rauchen. Rauchen regt die Magensaftsekretion an.
  3. Es dürfen keine Schmuckstücke (inkl. Piercings), Sehhilfen und Prothesen mit in den OP gebracht werden.
  4. Medikamente sollten Sie morgens vor der Operation nach Absprache mit dem Anästhesie-Arzt einnehmen (zum Hinunterschlucken dieser Medikamente darf ein kleiner Schluck Wasser getrunken werden).
  5. Wenn Ihre Erkrankung es zulässt, sollten Sie vor Einnahme der Beruhigungstablette noch duschen; gleiches gilt für Rasur, Zähne putzen usw. Damit wird die auf der Körperoberfläche haftende Menge an Krankheitserregern und Schmutzpartikeln erheblich reduziert.

Für Frauen gilt außerdem: Es soll keine Schminke aufgelegt werden, beziehungsweise solche vorher entfernt werden (Make-up, Nagellack etc.).

Thema: Schmerztherapie

Frage von Frau S.

Frau S.: Ich habe eine stark ausgeprägte Polyneuropathie und habe schon viele Mittel ausprobiert, zum Beispiel ein Medikament mit dem Wirkstoff Pregabalin in verschiedenen Stärken. Auch homöopathische Arzneimittel habe ich ausprobiert. Alles hilft nur eine gewisse Zeit. Diese Krankheit bestimmt mein ganzes Leben. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir weiterhelfen könnten. Vielen Dank im Voraus.

Professor Dr. Jörg Engel: Eine ausgeprägte Polyneuropathie kann zu einem chronischen Schmerzsyndrom führen. Um herauszufinden, welche Therapie in welcher Dosierung für Sie geeignet ist, ist ein ausführliches Erstgespräch notwendig. Wir haben am Klinikum Wetzlar im Medizinischen Versorgungszentrum (Praxisklinik Mittelhessen) eine Ärztin, die sich auf Schmerztherapie spezialisiert hat und sich um ambulante Schmerzpatienten kümmert. Ich rate Ihnen, sich bei Frau Dr. Diehlmann einen Termin geben zu lassen (Tel. 06441 67154 – 600).

 

Frage von Herrn M.

Herr M.: Warum bin ich nach einer (Spinal-)Anästhesie und Darmoperation plötzlich über viele Tage hinweg ungewöhnlich schmerzempfindlich, so dass mir eine Schmerztherapie verordnet wurde?

Professor Dr. Jörg Engel: Hatten Sie eine Spinalanästhesie oder hatten Sie eine Kombinationsanästhesie mit einem Periduralkatheter?

Herr M.: Eine Spinalanästhesie!

Professor Dr. Jörg Engel: Die Spinalanästhesie wirkt nur für einige Stunden. Danach lässt die Wirkung nach. Je nach Größe der Darm-OP kann es durchaus sein, dass Sie im Anschluss starke Schmerzen hatten. In diesem Fall ist es durchaus sinnvoll, wenn Sie eine Schmerztherapie verordnet bekamen.

Herr. M.: Die starken Schmerzen gingen über eine ganze Woche.

Professor Dr. Jörg Engel: Das ist eine relativ lange Zeit. War die Wundheilung normal?

Herr M.: Die OP verlief unter ASS und war gut gelaufen. Die Wunde ist heute, ca. 3,5 Wochen später, noch nicht voll ausgeheilt.

Professor Dr. Jörg Engel: Solange die Wundheilung nicht abgeschlossen ist, kann es sein, dass Sie Wundschmerzen haben. Wenn das so lange dauert, ist es nachvollziehbar, wenn Sie die erste Woche starke Schmerzen hatten.

Herr M.: Danke