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Krebserkrankungen

Hier finden Sie die Protokolle unserer Expertenchats rund um das Thema Krebserkrankungen.

Schlüssellochchirurgie - schonende Therapie bei Darmkrebs

Hier finden Sie die Fragen und Antworten zum Thema "Schlüssellochchirurgie - schonende Therapie bei Darmkrebs" an Dr. med. Christian Charles Ondo Meva und Priv.-Doz. Dr. med. Frank Ulrich. Der Chat fand am Donnerstag, 30. März 2017, statt.

Thema: Schlüssellochchirurgie - schonende Therapie bei Darmkrebs

Wie sicher ist die Schlüssellochchirurgie bei Darmkrebs?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Mittlerweile haben wir genug Erfahrung gesammelt und erreichen zurzeit dieselben Ergebnisse wie in der offenen Chirurgie.

Welche Arten von Darmkrebs können mit Schlüssellochchirurgie therapiert werden?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Es können verschiedene Darmkrebsformen mittels Schlüssellochchirurgie operiert werden. Viel wichtiger sind aber die Lage und die Ausdehnung des Tumors im Darmbereich. Bei jeder Darmkrebserkrankung wird individuell entschieden, ob eine Operation mittels mininmalinvasiver Technik möglich ist.

Ich habe einen Tumor im Rektum (Mastdarm). Ist dort auch eine Operation mit Schlüssellochtechnik möglich?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Besonders Patienten mit Krebs im Rektumbereich profitieren von der Schlüssellochchirurgie. Durch die starke Vergrößerung der Bilder haben wir die Möglichkeit extrem präzise zu operieren.

Das hört sich gut an. Wie groß sind die Heilungschancen?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Diese sind von dem Stadium der Erkrankung abhängig. Es ist so, dass alle Patienten mit Darmkrebs in einem sogenannten Tumor-Board, unserer wöchentlichen Tumorkonferenz, vorgestellt werden. Hier wird zusammen mit anderen Spezialisten die bestmögliche Therapie für jeden einzelnen Patienten gewählt.

Muss ich in eine spezielle Klinik, um mit Hilfe der Schlüssellochtechnik operiert zu werden?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Die Klinik muss auf jeden Fall die Expertise hervorbringen in der minimalinvasiven Chirurgie. Dies ist an den Lahn-Dill-Kliniken der Fall, sowohl in Wetzlar als auch in Dillenburg.

Was ist das besondere an der Schlüssellochchirurgie?

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Ulrich: Das Besondere an der Schlüssellochchirurgie beim kolorektalen Karzinom, also bei Tumoren im Dickdarm und Mastdarm, ist die extrem gute Übersicht. Anders als vielleicht gedacht, ist die Operation bezüglich der Radikalität genauso effektiv wie eine offene Schnittoperation. Die onkologischen Langzeitdaten sind vergleichbar, der Patient mit einer minimalinvasiven Operation hat aber statistisch einen geringeren Blutverlust, weniger postoperative Schmerzen, kann früher mit der Nahrungsaufnahme beginnen und verlässt deutlich früher das Krankenhaus.

Ich hatte vor 5 Wochen eine  Darmkrebs-Operation und habe noch starke Schmerzen. Woran kann das liegen?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: 5 Wochen nach einer Darmoperation kann man noch mit einigen Schmerzen rechnen. Am besten gehen Sie einfach zu dem Operateur bzw. in das Krankenhaus, wo sie operiert wurden, und schildern Ihre Beschwerden. Sicherlich wird Ihnen dort weitergeholfen.

Wie lange muss ich nach einer Darmkrebsoperation im Krankenhaus bleiben?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: In der Regel rechnet man mit 5 bis 7 Tagen. Aber viel wichtiger ist das Befinden des Patienten nach der Operation.

Habe ich weniger Schmerzen, wenn ich mich mittels Schüssellochtechnik operieren lasse?

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Ulrich: Der Schmerz nach der Operation ist schon deutlich geringer bei minimal-invasiven Operationen. In Studien konnte belegt werden, dass die Dosis der verabreichten Schmerzmittel signifikant geringer ist. Während wir in der offenen Chirurgie von Darmkrebs meistens eine rückenmarksnahe Schmerztherapie verwenden, besteht eine zunehmende Tendenz, diese bei der Schlüssellochchirurgie als nicht zwingend notwendig zu bewerten.

Ich wurde bestrahlt, um meinen Tumor zu verkleinern, ist es möglich, dann auch minimalinvasiv zu operieren?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Die Bestrahlung erfolgt immer im Rahmen eines therapeutischen Konzepts und hat eben das Ziel, den Tumor zu verkleinern, damit er besser operiert werden kann.

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Ulrich: Gerade bei der Strahlenvorbehandlung zur Verkleinerung von Mastdarmkarzinomen vor der Operation bringt die minmal-invasive Chirurgie im engen Becken eine deutlich verbesserte Übersicht.

Sind die Heilungschancen vergleichbar mit der „normalen" Operationsmethode?

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Ulrich: Wenn man die Studiendaten weltweit vergleicht, sind die Langzeitergebnisse bezüglich der Heilung der Krebserkrankung fast identisch bei einem besseren kosmetischen Ergebnis und einer deutlich schnelleren Genesung.

Wie hoch ist das Risiko an Narbenbrüchen? Gibt es da einen Unterschied?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Dadurch dass die Hautschnitte deutlich kleiner sind (ca. 6 cm), ist das Risiko für Nabenbrüche dementsprechend viel kleiner.

Ab welchem Alter sollte man zur Vorsorge gehen?

Dr. med. Christian Charles Ondo Meva: Wenn keine familiäre Belastung bekannt ist, empfiehlt man die Vorsorge ab 50 Jahren.

Chemotherapie – Welche unterstützenden Möglichkeiten gibt es?

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Chemotherapie an Dr. med. Wolfgang Gießler und Dipl.-Psychologin Julia Weinrebe. Der Chat fand am Montag, 19. September 2016, statt.

Thema: Unterstützende Maßnahmen bei Chemotherapie

Frage: Welche Zusatzmaßnahmen kann ich bei einer Chemotherapie durchführen? Ich habe Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Dr. med. Wolfgang Gießler: Grundsätzlich gibt es viele mögliche Maßnahmen während einer Chemotherapie, einerseits, um körperliche Beschwerden zu lindern, andererseits auch psychoonkologische Maßnahmen. Außerdem kommt es auch auf die Art der Chemotherapie an. Wichtig ist, dass Sie möglichst Ihr Gewicht halten. Sie dürfen essen, was Sie vertragen und was Ihnen schmeckt. Der Selenspiegel kann gemessen werden, ggf. sollten Sie es einnehmen. Körperlich sollten Sie möglichst aktiv bleiben. Darüber hinaus gibt es keine Medikamente oder Nahrungsergänzung, die sicher helfen.

Dipl.-Psychologin Julia Weinrebe: In einer solchen Situation kann es auch sehr hilfreich sein, sich einem belastbaren Psychologischen Begleiter anzuvertrauen. So können Sie die Sorgen, Gedanken und Ängste zum einen ausdrücken und somit gemeinsam einsortieren, normalisieren und relativieren und zum anderen einen zu Ihnen passenden Umgang entwickeln. Für all das steht Ihnen die Psychoonkologie zur Verfügung.

Frage: Könnte evtl. eine Hyperthermie-Behandlung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen?

Dr. med. Wolfgang Gießler: Es gibt mehrere Arten der Hyperthermie-Therapie. In Studien wurde ein Nutzen für Patienten mit Sarkom (einem Tumor des Skelettsystems) der Extremitäten nachgewiesen. Außerdem gibt es Daten zu Patienten, die während einer Operation eine Hyperthermie erhielten. Für die „alternativmedizinisch" angebotene Hyperthermie gibt es beim Pankreaskarzinom keinen Nachweis eines Nutzens.

Frage: Neben meinem Berufsleben war ich auch noch Fitness- und REHA-Trainer. Während der Chemotherapie bin ich zu schlapp, für sportliche Aktivitäten.

Dipl.-Psychologin Julia Weinrebe: Auch ein einfacher Spaziergang nutzt Ihrem Herz-Kreislaufsystem wohltuend. Legen Sie die "Messlatte" nicht bei Ihren alten Maßstäben an...

Frage: Nach der zweiten Chemotherapie fängt das Kribbeln in den Fingern an. Vorrangig bei kalten Gegenständen. Es soll spezielle Handschuhe dafür geben?

Dr. med. Wolfgang Gießler: Falls Sie das Medikament Paclitaxel erhalten, ist der Kältehandschuh bei wenigen Patienten sinnvoll, bei Oxaliplatin bringt er leider nichts. Die Kälte-Missempfindung geht weg, wenn die Chemotherapie vorüber ist, das Kribbeln bleibt manchmal. Auch hier weiß man, dass körperliche Aktivität hilfreich ist.

Frage: Haben Sie schon etwas von der Nano-Knife Methode gehört? Diese Methode soll ein Pankreaskarzinom eindämmen.

Dr. med. Wolfgang Gießler: Das ist eine selten eingesetzte Therapie, insbesondere beim Prostatakarzinom. Daten über den Nutzen beim Pankreaskarzinom kenne ich nicht.

Frage: Wie kann man während einer Chemotherapie die angeschlagene Mundschleimhaut zusätzlich pflegen? Zurzeit verwenden wir Symbioflor 1 und Traumeel. Außerdem spülen wir mit Kamille und Salbei.

Dr. med. Wolfgang Gießler: Sie machen da schon sehr vieles richtig. Der Mund sollte nach dem Essen ausgespült werden, Wasser genügt. Kein zu scharfes Essen, kein Nikotin. Kein hochprozentiger Alkohol, auch nicht zum Ausspülen. Zähneputzen mit weicher Bürsten. Weitere „Medikamente" sind nicht hilfreicher als dass, was Sie schon machen!

Frage: Ich werde zurzeit mit einer Chemotherapie per Pumpe behandelt. Zwei Anwendungen habe ich nicht vertragen mit erheblichen Nebenwirkungen jeweils musste eine schnelle Einweisung per Notarzt erfolgen. Jetzt soll eine geänderte Chemotherapie verabreicht werden, die aber eine erhebliche Verstopfung haben soll. Im Vorfeld ist bei mir bereits ein Darmverschluss beseitigt worden. Ist das Risiko nicht zu groß?

Dr. med. Wolfgang Gießler: In der Regel passt man bei einer Therapie zunächst die Dosis an, bevor man wegen Nebenwirkungen wechselt. Hier würde ich noch einmal nachfragen. Wenn schon mal ein Darmverschluss vorlag, muss man das beachten, aber das ist in der Regel kein Problem.

Brusterkrankungen

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Brusterkrankungen an den Oberarzt Dr. Knut Radler und die Funktionsoberärztin Dr. Uta Ringsdorf von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Wetzlar. Der Chat fand am Montag, 18. Juli 2016, statt.

Thema: Brusterkrankungen

Frage von Frau W.

Frau W.: Hallo, ich bin 62 Jahre alt und nehme Arimidex seit 4/2012 ein. Ich hatte ein Mammakarzinom rechts. Der auffällige Befund wurde entfernt. Meine Frage an Sie, muss ich Arimidex 5 Jahre nehmen, das wäre bis 4/2017, oder soll ich sie weiternehmen um ein Rezidiv zu vermeiden.

Dr. med. Knut Radler: Guten Tag Frau W., Sie sollten auf eine Therapiedauer von 5 Jahren kommen. Also grundsätzlich bis 4/2017. Es sei denn, dass schwere oder sehr beeinträchtigende Nebenwirkungen auftreten. Für Arimidex gibt es keine wissenschaftlichen Daten, die eine längere Einnahme begründen.

Frau W.: Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, ich habe keine Nebenwirkungen unter Arimidex. Würde es gerne weiternehmen, um einen Rezidiv zu vermeiden. Aber wenn es noch keine Studie gibt, dann muss ich auf mein Bauchgefühl und auf meinen Gynäkologen hören. Dieser meinte, Arimidex weiternehmen.

Dr. med. Knut Radler: Es gibt Daten für 10 Jahre Tamoxifen Behandlungsdauer oder 2-3 Jahre Tamoxifen und danach 5 Jahre Aromatasehemmer (Behandlungsdauer dann 7 bis 8 Jahre). Ihre Überlegungen sind also grundsätzlich richtig bezüglich einer verlängerten Therapie. Aber auch bei den zugelassenen Präparaten sind es individuelle Entscheidungsgrundlagen. Bei guter Verträglichkeit können Sie eigentlich nichts falsch machen - allerdings Calcium und Vitamin D einnehmen und auf die Knochendichte achten.

Frau W.: Danke, das war auch meine Überlegung. Calcium und Vitamin D nehme ich nicht ein. Laufe jeden Tag draußen. Meine Knochendichte kontrolliere ich jährlich, ist seitdem in Ordnung. Besten Dank und einen schönen Abend

Dr. med. Knut Radler: Das wünsche ich auch.

 

Frage von Frau C.

Frau C. : Hallo, schönen Guten Abend, nach den Leitlinien werden Tumormarker nicht mehr bei jeder vierteljährlichen Nachsorge bestimmt, kann ich es auf Wunsch, da mein Tumormarker sehr aussagefähig ist, trotzdem prüfen lassen? Danke.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Hallo Frau C., es ist korrekt, dass die Tumormarker nicht mehr routinemäßig bestimmt werden und aus den Leitlinien genommen wurden, da sie nicht bei jeder Patientin aussagekräftig sind. Auch ein erhöhter Tumormarker muss nicht unbedingt durch eine Tumorerkrankung bedingt sein. Er kann auch durch äußere Einflussfaktoren beeinflusst werden. Es liegt jedoch im individuellen Ermessen jedes Arztes, auch den Tumormarker zu bestimmen. Sollte er sich bei Ihnen als sehr sensitiv erweisen, so kann man ihn zur Verlaufsbeobachtung benutzen.

Frau C.: Danke Frau Dr. Ringsdorf, bei meinen Rezidiven ist mein Tumormarker vorher immer gestiegen, langsam aber stetig.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Dann hat er sich zur Verlaufsbeobachtung Ihrer Krankheit bewährt und ich würde ihn regelmäßig kontrollieren lassen.

Frau C.: Ja, das werde ich auch weiterhin tun, und es wird ja auch immer bei Ihnen in der Nachsorge auf meinen Wunsch gemacht.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Wunderbar.

 

Frage von Frau U.

Frau U.: Hallo Herr Dr. Radler, hallo Frau Dr. Ringsdorf, muss ein Knoten in der Brust zwangsläufig Krebs sein? Welche Erkrankung kann noch dahinter stecken?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Es gibt vielfältige Ursachen für Brustveränderungen, z.B. Zysten oder gutartige Veränderungen wie Fibroadenome. Es ist jedoch wichtig, einen Knoten in der Brust weiter abklären zu lassen, um eine bösartige Veränderung auszuschließen. Dazu wenden Sie sich am besten an Ihren Frauenarzt, der eine weitere Diagnostik wie Sonographie und Mammographie veranlassen kann.

Frau U.: Das werde ich machen, vielen Dank!

Dr. med. Uta Ringsdorf: Gerne.

 

Frage von Frau M.

Frau M.: Hallo, meine Mutter hatte Brustkrebs und die Ärzte sagen, sie sei nun krebsfrei. Kann man sicher sein, dass der Krebs nicht wieder kommt?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Es ist wichtig, dass Ihre Mutter regelmäßig zu den Nachsorgeuntersuchungen geht. Im den ersten 3 Jahren alle 3 Monate, später (Jahr 4 u. 5) alle halbe Jahre bei dem Frauenarzt ihres Vertrauens.

Frau M.: Danke, das werden wir beachten!

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Guten Abend! In meiner Familie sind bereits zwei Frauen an Brustkrebs erkrankt. Habe auch ich ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken?

Dr. med. Knut Radler: Der größte Risikofaktor für Brustkrebs ist das Alter, da Brustkrebs mit zunehmendem Alter immer häufiger wird. Das familiäre Risiko ist aber auch ein wichtiger Risikofaktor: Das eigene Risiko ist erhöht, wenn Mutter und/oder Schwestern Brustkrebs haben. Gehen Sie darum regelmäßig zum Frauenarzt Ihres Vertrauens zur Vorsorge. Außerdem ist zu klären, ob eine humangenetische Beratung erfolgen soll.

Frau B.: O.K., das werde ich tun.

 

Frage von Frau Z.

Frau Z.: Ich gehe einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung zu meinem Frauenarzt. Dort lasse ich auch einen Ultraschall der Brust machen, den ich selbst bezahlen muss. Jetzt habe ich gehört, dass dies nicht notwendig ist und ein Abtasten der Brust ausreichend ist. Wie sehen Sie das?

Dr. med. Knut Radler: Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, eine Ultraschalluntersuchung der Brust durchführen zu lassen. Die Ultraschalluntersuchung schadet nicht- sie geht nicht mit einer Strahlenbelastung einher. Die Ultraschalluntersuchung ist ein ergänzendes Verfahren zur Brustkrebs-Früherkennung. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser die Heilungschancen. Sie sollten zusätzlich regelmäßig Ihre Brust abtasten.

Frau Z.: Wie oft sollte ich das tun?

Dr. med. Knut Radler: Wir empfehlen einmal monatlich die Brust selbst abzutasten. Dies ist wichtig, um schnell wachsende Karzinome frühzeitig zu entdecken. Der beste Zeitpunkt dafür ist kurz nachdem Sie Ihre Regelblutung hatten.

Frau Z.: Danke, das war mir so bisher nicht bewusst. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.  

Dr. med. Knut Radler: Das wünschen wir Ihnen auch.

 

Frage von Frau A.

Frau A.: Mein Frauenarzt sagt, dass ich sehr knotige Brüste habe. Wie groß ist das Risiko, dass sich Krebs entwickelt?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Viele Frauen haben knotige Brüste, besonders in jüngeren Jahren. Die Ursache ist Mastopathiegewebe, das heißt das Bindegewebe in der Brust ist vermehrt. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist meist dadurch nicht erhöht.

Frau A.: Außerdem habe ich auch sehr große Brüste, ist dadurch das Risiko erhöht, an Brustkrebs zu erkranken?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Biologisch gesehen nein, aber die Selbstuntersuchung und die ärztliche Tastuntersuchung ist bei großen Brüsten erschwert. So werden unter Umständen Tumoren später entdeckt. Es kann sinnvoll sein, bei den Vorsorgeuntersuchungen auch einen Ultraschall der Brust machen zu lassen.

Frau A.: Vielen Dank für die Antworten.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Gern geschehen. Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.

Vorsorge und Behandlung von Darmkrebs

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Vorsorge und Behandlung von Darmkrebs an die Experten des Mittelhessischen Darmzentrums. Der Chat fand anlässlich des Darmkrebsmonats März am Montag, 7. März 2016, statt.

Thema: Darmkrebsvorsorge

Frage von Frau B.

Frau B.: Ich bin 36 Jahre alt habe Diabetes Typ 2, in meiner Familie gibt es bereits zwei an Darmkrebs erkrankte Familienmitglieder. Welche Vorsorgeuntersuchungen würden Sie mir anraten und zu welchem Zeitpunkt? Ich bin gesetzlich krankenversichert, welche Vorsorgeuntersuchungen übernimmt meine Krankenkasse?

Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer: Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt im Regelfall eine Darmspiegelung im Rahmen der Vorsorge ab dem 55. Lebensjahr und Untersuchungen auf "verstecktes Blut" im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr. Sollten die Darmkrebserkrankungen bei Familienmitgliedern vor deren 40. oder 50. Lebensjahr aufgetreten sein, werden entsprechende Kosten im Rahmen der Vorsorge von der Krankenkasse auch jetzt schon übernommen.

Frage von Herrn G.

Herr G.: Sehr geehrte Damen und Herren, 2006 hat man mir die Schilddrüse entfernt. 2007 dann einen Tumor im Enddarm. Seitdem leide ich unter Inkontinenz und sehr häufigen unkontrollierbaren Durchfällen (mind. 15 Toilettengänge täglich). Um Nachsorgeuntersuchungen wie eine Darmspiegelung durchführen zu können wurde bei mir bereits eine Analdehnung gemacht. Eine Darmspiegelung konnte aber nicht durchgeführt werden. Aufgrund der Probleme bei einer herkömmlichen Darmspiegelung würde ich gerne wissen, ob es zuverlässige Alternativmethoden gibt. Außerdem würde ich gerne wissen, ob Sie noch Möglichkeiten sehen, wie ich meine Durchfälle reduzieren kann oder im besten Falle ganz abschaffe, um wieder ein einigermaßen "normales" Leben führen zu können. Besten Dank für Ihre Bemühungen.

Professor Dr. Klaus Rauber: Sehr geehrter Herr G., als Alternativmethode für die Darstellung des gesamten Dickdarmes kämme eine CT-Colonographie in Frage. Die „klassische" Darstellung des Dickdarmes als Doppelkontrastuntersuchung wird heute zwar kaum noch durchgeführt, käme aber ebenfalls in Frage. Um Ihre zweite Frage zu beantworten, bedarf es einiger näherer Informationen, wie: Wie lang ist der verbliebene Darm überhaupt noch? Gibt es histologische Befunde aus vorausgegangen Koloskopien oder Rektoskopien, die die Ursache der Durchfälle näher eingrenzen helfen? Wovon hängt die Frequenz der Durchfälle ab? Bestehen Hinweise auf eine Stoffwechselstörung? Diesbezüglich würde ich die Vorstellung zu einer persönlichen Beratung und ggf. Untersuchung in unserer Medizinischen Klinik II (PD Dr. Erich Lotterer) empfehlen, da das den Rahmen des Chats sprengen dürfte.

Herr G.: Vielen Dank Herr Professor Rauber, ich werde ihren Rat in die Tat umsetzen. Sie haben mir sehr geholfen.

Frage von Herrn Z.

Herr Z.: Mein Vater und mein Großvater sind an Darmkrebs gestorben. Ich bin 45 Jahre alt. Habe auch ich ein erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken?

Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich: Sie sollten regelmäßig zur Darmspiegelung gehen. Denn: Etwa 20 Prozent der an Darmkrebs-Erkrankten haben eine positive Familienanamnese, das bedeutet, in der engeren Verwandtschaft sind bereits Darmkrebsfälle aufgetreten. Bei diesem so genannten familiären Darmkrebs verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko für Verwandte ersten Grades (Geschwister, Kinder, Eltern) auf bis zu zehn Prozent. 

Ungefähr fünf Prozent aller Betroffenen haben eine erbliche Form des Darmkrebses, das autosomal dominant vererbte "hereditäre nicht-polypöse kolorektale Karzinom" (HNPCC). Bei diesen Patienten steigt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, auf 80 Prozent. Während Darmkrebs im Allgemeinen eine Krankheit alter Menschen ist, erkranken diese Patienten oft schon in jungen Jahren. Das Durchschnittsalter liegt um die 40 Jahre.

Herr Z.: Danke für die Informationen. Zur Darmspiegelung habe ich noch eine Frage: Wie wird diese durchgeführt? Ich stelle mir das ziemlich unangenehm vor.

Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer:  Der Darm muss sorgfältig gespült werden, damit keine Polypen oder Karzinome übersehen werden können. Daher nehmen Sie insgesamt zwei Liter Spüllösung ein. Das ist für die meisten Patienten das Unangenehmste an der Darmspiegelung. In der Regel wird die Untersuchung unter einer leichten Narkose gemacht, so dass Sie davon nichts merken. 

Thema: Strahlentherapie und Chemotherapie

Frage von Frau C.

Frau C.: Mein Onkologe hat mir geraten, im Anschluss an die Darmkrebsoperation eine Strahlentherapie durchführen zu lassen, was ich seit drei Wochen mache. Jetzt ist mir häufig übel und ich habe Durchfall, ist das normal?

Dr. Wolfram Wannack: Übelkeit und Durchfälle gehören bei Bestrahlungen im Bauchbereich zu den Nebenwirkungen. Diese Akutreaktionen bilden sich in der Regel innerhalb von vier bis sechs Wochen nach Abschluss der Bestrahlung folgenlos zurück und die Beschwerden können meist durch den Einsatz von Medikamenten gelindert werden. 

Frage von Frau M.

Frau M.: Ich soll eine Chemotherapie wegen Darmkrebs mit Metastasen bekommen. Ich habe gehört, dass es zu extremen Nebenwirkungen kommen kann. Stimmt das? Außerdem habe ich Angst vor dem Haarausfall.

Dr. Birgitta Killing: Welche Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie auftreten, hängt vor allem von den einzelnen Chemotherapie-Medikamenten ab, die gegeben werden. Außerdem ist die Verträglichkeit von Mensch zu Mensch unterschiedlich.  Ihr Onkologe wird die Therapie mit Ihnen vorher genau durchsprechen, auch die Nebenwirkungen, die zu erwarten sind. Sollten Sie während der Chemotherapie Beschwerden haben: Informieren Sie ihren behandelnden Arzt, um zu besprechen, was man dagegen tun kann.

Bei einer Vielzahl von Chemotherapien kommt es heute nicht mehr zu einem Haarausfall. Trotzdem gibt es einige Medikamente, von denen wir wissen, dass die Haare mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausfallen werden. Wir empfehlen in diesen Fällen die Anfertigung einer Perücke, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse.

Grundsätzlich wichtig bei einer Chemotherapie ist der enge Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt. Scheuen Sie sich nicht, die Dinge anzusprechen, die Ihnen Sorgen bereiten. 

Thema: Divertikulitis

Frage von Herrn S.

Herr S.: Sehr geehrte Damen und Herren, unsere Familie hat eine entsprechende Vorgeschichte. Der Vater starb 1996 mit 76 Jahren an Darmkrebs, seitdem gehen wir, seine vier Kinder im heutigen Alter von 57-67 Jahren regelmäßig zur Darmspiegelung, bei der auch fast immer bei uns allen vier Geschwistern Polypen entfernt wurden. Ich habe momentan, zum wiederholten Mal, eine Divertikulitis mit Entzündungswerten. Meine Frage: Was kann ich tun um mich zukünftig vor solchen Krankheitsfällen wie Divertikulitis zu schützen? Besten Dank für eine Antwort.

Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich: Bezüglich der Darmkrebsvorsorge befinden Sie sich sicher auf einem guten Weg. Auch bei familiärer Vorbelastung sind die durchgeführten Vorsorgekoloskopien mit Polypenentfernung ein adäquates Vorgehen. Die häufiger auftretenden Entzündungen des Dickdarms im Sinne einer Divertikulitis können über ballaststoffreiche diätetische Maßnahmen, körperliche Aktivität und eine ausreichende Trinkmenge positiv beeinflusst werden. Sollte es trotzdem zu häufigen Entzündungsschüben kommen, kann auch eine vorzugsweise minimal-invasive Entfernung des S-Darms(Im linken Unterbauch macht der Dickdarm eine leichte S-Kurve. Dieser Abschnitt heißt S-Darm) in Schlüssellochtechnik sinnvoll sein. Dies ist auch notwendig, wenn es entzündungsbedingt zu Durchbrüchen der Darmwand oder hochgradigen Engstellen kommt.

Herr S.: Besten Dank für die Informationen Herr Dr. Ulrich, ich werde es zunächst mit ersterem probieren!

Thema: Bauchfelltumor

Frage von Herrn A.

Herr A.: Wird in Wetzlar bei einem Tumor des Bauchfells auch das HIPEC-Verfahren angeboten?

Professor Dr. Klaus Rauber: Bei Tumorbefall des Bauchfells steht das noch relativ junge HIPEC-Verfahren zur Verfügung, das die chirurgische Entfernung des mit einer Spülung der Bauchhöhle mit einer erwärmten Chemotherapie-Lösung (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie = HIPEC) kombiniert. Diese chirurgisch-medikamentöse Kombinationstherapie wird in Deutschland nur an wenigen spezialisierten chirurgischen Zentren angeboten. Patienten für die für das Verfahren in Frage kommen, werden von uns im HIPEC-Zentrum in Regensburg (Prof. Dr. Pompiliu Piso)vorgestellt.

Herr A.: Danke!