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Brusterkrankungen

Hier finden Sie die Protokolle unserer Expertenchats zu typischen Frauenbeschwerden.

Brustkrebs - Welche Therapien können helfen?

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Brusterkrankungen an den Oberarzt Dr. Knut Radler von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Wetzlar. Der Chat fand am Donnerstag, 26. April 2018, statt.

Brustkrebs - Welche Therapien können helfen?

Frage: Meine Mutter ist an Brustkrebs erkrankt. Sie bekommt aktuell eine Chemotherapie und wurde vorher bereits operiert. Welche Maßnahmen kann sie unterstützend durchführen?

Dr. med. Knut Radler: Ihre Mutter soll sich während der Chemotherapie gesund ernähren: vitaminreich, Alkohol in größeren Mengen meiden und soweit der Zustand und das Befinden es zulassen, körperlich aktiv sein: z.B. Spaziergänge an der frischen Luft. Sie soll nur die Medikamente einnehmen, die von den behandelnden  Ärzten empfohlen und verordnet werden.

Frage: Welche Operationsmöglichkeiten bei Brustkrebs gibt es denn? Kann ein Tumor mittlerweile auch durch einen Schlüssellocheingriff entfernt werden?

Dr. med. Knut Radler: Ziel der OP ist es, das bösartige Gewebe mit einem Sicherheitsabstand zu entfernen. Reste des Krebsgewebes sollen nicht zurückbleiben. In vielen Fällen ist dies im Rahmen einer brusterhaltenden Operation möglich. Schlüssellocheingriffe im Bereich der Brust werden nicht durchgeführt. Früher gab es den Versuch, Lymphknoten aus der Achselhöhle durch Schlüssellochtechnik zu operieren - diese Technik hat sich nicht durchgesetzt.

Frage: Mein Arzt hat mir gesagt, dass es gut wäre, wenn ich mir die Brust entfernen lassen würde, da der Tumor schon in die Brust gestreut hat.

Dr. med. Knut Radler: Wenn in der Brust mehrere Brustkrebsherde vorliegen, sollte man in den meisten Fällen die Brust abnehmen - es sei denn, die Befunde liegen nahe beieinander. Dennoch wird das operative Vorgehen natürlich auch von der Brustgröße und der Größe der Brustkrebsherde bestimmt.

Frage: Wäre es sinnvoll, auch die andere Brust entfernen zu lassen? Angelina Jolie hat das ja machen lassen.

Dr. med. Knut Radler: Bei der amerikanischen Schauspielerin liegt eine nachgewiesene Brustkrebsgenanlage vor. D.h. sie hat ein bis zu 90-prozentiges Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Da macht die vorbeugende Operation nach eingehender Beratung Sinn. Die Gentestung führt man durch, wenn eine familiäre Häufung von Brustkrebs und Eierstockkrebs vorkommt. Die Brustkrebsgenanlage ist nur bei 5 Prozent aller Brustkrebspatientinnen vorhanden.

Frage: Kann man nach einer Brustentfernung die Brust einfach wieder rekonstruieren? Würde das meine Krankenkasse zahlen oder muss ich selbst dafür aufkommen?

Dr. med. Knut Radler: Bei Operationen wegen Bösartigkeit zahlen die Krankenkassen die Behandlung, auch Rekonstruktionen werden bezahlt - auch u.U. wiederholt notwendige Eingriffe. Sollte eine Abnahme der Brust nötig sein, wird immer über die Möglichkeiten der Rekonstruktion gesprochen. Bei Wunsch nach Rekonstruktion erfolgt die Grundlage dafür bei der Erstoperation, z.B. eine Einlage eines Implantates - häufig sind jedoch weitere Operationen nötig.

Frage: Bei mir (76 Jahre) wurde Brustkrebs diagnostiziert. Meine Tochter drängt mich nun, mich schnellstmöglich operieren zu lassen. Ich möchte mich aber in Ruhe informieren und mir die richtige Klinik aussuchen. Zwei Fragen habe ich: Muss ich mich schnellstmöglich operieren lassen und auf was muss ich achten, wenn ich mir eine Klinik aussuche?

Dr. med. Knut Radler: Sie sollten sich in einem zertifizierten Brustzentrum beraten und operieren lassen. Ich finde es gut, dass Sie sich Zeit nehmen. Sie sollten sich gut informiert fühlen und bereit zu der Operation sein. Wir vergeben OP-Termine in 7-14 Tagen nach der Diagnosestellung - also auch nicht sofort! Nach Diagnosestellung sollte aber in einem Zeitraum von 3-4 Wochen die OP durchgeführt werden - nicht später.

Frage: Ich habe gesehen, dass Sie im Brustzentrum an zahlreichen Studien teilnehmen, wie kann ich - als Brustkrebspatientin - an einer solchen Studie teilnehmen?

Dr. med. Knut Radler: Sie können nur an einer Studie teilnehmen, wenn geeignete Kriterien seitens der Tumorerkrankung vorliegen. Für jede Studie ist dies streng definiert. Wir prüfen bei jeder Patientin, ob eine Studienteilnahme möglich ist, und bieten die Teilnahme dann an.

Frage: Letztes Jahr wurde bei mir ein Fibroadenom, 0,6 mm, in der linken Brust festgestellt. Muss es operiert werden? Ich bin 61 Jahre alt.

Dr. med. Knut Radler: Grundsätzlich müssen Fibroadenome nicht entfernt werden - diese Aussage kann man aber nur treffen, wenn der Befund möglichst histologisch gesichert ist. Sonst vermutet man anhand der Bildgebung, dass ein Fibroadenom vorliegt. Der Befund ist mit 6 mm sehr klein und sollte nicht größer werden. Daher ist eine Kontrolle im Verlauf sinnvoll.

 

 

Brusterkrankungen

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Brusterkrankungen an den Oberarzt Dr. Knut Radler und die Funktionsoberärztin Dr. Uta Ringsdorf von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Wetzlar. Der Chat fand am Montag, 18. Juli 2016, statt.

Thema: Brusterkrankungen

Frage von Frau W.

Frau W.: Hallo, ich bin 62 Jahre alt und nehme Arimidex seit 4/2012 ein. Ich hatte ein Mammakarzinom rechts. Der auffällige Befund wurde entfernt. Meine Frage an Sie, muss ich Arimidex 5 Jahre nehmen, das wäre bis 4/2017, oder soll ich sie weiternehmen um ein Rezidiv zu vermeiden.

Dr. med. Knut Radler: Guten Tag Frau W., Sie sollten auf eine Therapiedauer von 5 Jahren kommen. Also grundsätzlich bis 4/2017. Es sei denn, dass schwere oder sehr beeinträchtigende Nebenwirkungen auftreten. Für Arimidex gibt es keine wissenschaftlichen Daten, die eine längere Einnahme begründen.

Frau W.: Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, ich habe keine Nebenwirkungen unter Arimidex. Würde es gerne weiternehmen, um einen Rezidiv zu vermeiden. Aber wenn es noch keine Studie gibt, dann muss ich auf mein Bauchgefühl und auf meinen Gynäkologen hören. Dieser meinte, Arimidex weiternehmen.

Dr. med. Knut Radler: Es gibt Daten für 10 Jahre Tamoxifen Behandlungsdauer oder 2-3 Jahre Tamoxifen und danach 5 Jahre Aromatasehemmer (Behandlungsdauer dann 7 bis 8 Jahre). Ihre Überlegungen sind also grundsätzlich richtig bezüglich einer verlängerten Therapie. Aber auch bei den zugelassenen Präparaten sind es individuelle Entscheidungsgrundlagen. Bei guter Verträglichkeit können Sie eigentlich nichts falsch machen - allerdings Calcium und Vitamin D einnehmen und auf die Knochendichte achten.

Frau W.: Danke, das war auch meine Überlegung. Calcium und Vitamin D nehme ich nicht ein. Laufe jeden Tag draußen. Meine Knochendichte kontrolliere ich jährlich, ist seitdem in Ordnung. Besten Dank und einen schönen Abend

Dr. med. Knut Radler: Das wünsche ich auch.

 

Frage von Frau C.

Frau C. : Hallo, schönen Guten Abend, nach den Leitlinien werden Tumormarker nicht mehr bei jeder vierteljährlichen Nachsorge bestimmt, kann ich es auf Wunsch, da mein Tumormarker sehr aussagefähig ist, trotzdem prüfen lassen? Danke.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Hallo Frau C., es ist korrekt, dass die Tumormarker nicht mehr routinemäßig bestimmt werden und aus den Leitlinien genommen wurden, da sie nicht bei jeder Patientin aussagekräftig sind. Auch ein erhöhter Tumormarker muss nicht unbedingt durch eine Tumorerkrankung bedingt sein. Er kann auch durch äußere Einflussfaktoren beeinflusst werden. Es liegt jedoch im individuellen Ermessen jedes Arztes, auch den Tumormarker zu bestimmen. Sollte er sich bei Ihnen als sehr sensitiv erweisen, so kann man ihn zur Verlaufsbeobachtung benutzen.

Frau C.: Danke Frau Dr. Ringsdorf, bei meinen Rezidiven ist mein Tumormarker vorher immer gestiegen, langsam aber stetig.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Dann hat er sich zur Verlaufsbeobachtung Ihrer Krankheit bewährt und ich würde ihn regelmäßig kontrollieren lassen.

Frau C.: Ja, das werde ich auch weiterhin tun, und es wird ja auch immer bei Ihnen in der Nachsorge auf meinen Wunsch gemacht.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Wunderbar.

 

Frage von Frau U.

Frau U.: Hallo Herr Dr. Radler, hallo Frau Dr. Ringsdorf, muss ein Knoten in der Brust zwangsläufig Krebs sein? Welche Erkrankung kann noch dahinter stecken?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Es gibt vielfältige Ursachen für Brustveränderungen, z.B. Zysten oder gutartige Veränderungen wie Fibroadenome. Es ist jedoch wichtig, einen Knoten in der Brust weiter abklären zu lassen, um eine bösartige Veränderung auszuschließen. Dazu wenden Sie sich am besten an Ihren Frauenarzt, der eine weitere Diagnostik wie Sonographie und Mammographie veranlassen kann.

Frau U.: Das werde ich machen, vielen Dank!

Dr. med. Uta Ringsdorf: Gerne.

 

Frage von Frau M.

Frau M.: Hallo, meine Mutter hatte Brustkrebs und die Ärzte sagen, sie sei nun krebsfrei. Kann man sicher sein, dass der Krebs nicht wieder kommt?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Es ist wichtig, dass Ihre Mutter regelmäßig zu den Nachsorgeuntersuchungen geht. Im den ersten 3 Jahren alle 3 Monate, später (Jahr 4 u. 5) alle halbe Jahre bei dem Frauenarzt ihres Vertrauens.

Frau M.: Danke, das werden wir beachten!

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Guten Abend! In meiner Familie sind bereits zwei Frauen an Brustkrebs erkrankt. Habe auch ich ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken?

Dr. med. Knut Radler: Der größte Risikofaktor für Brustkrebs ist das Alter, da Brustkrebs mit zunehmendem Alter immer häufiger wird. Das familiäre Risiko ist aber auch ein wichtiger Risikofaktor: Das eigene Risiko ist erhöht, wenn Mutter und/oder Schwestern Brustkrebs haben. Gehen Sie darum regelmäßig zum Frauenarzt Ihres Vertrauens zur Vorsorge. Außerdem ist zu klären, ob eine humangenetische Beratung erfolgen soll.

Frau B.: O.K., das werde ich tun.

 

Frage von Frau Z.

Frau Z.: Ich gehe einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung zu meinem Frauenarzt. Dort lasse ich auch einen Ultraschall der Brust machen, den ich selbst bezahlen muss. Jetzt habe ich gehört, dass dies nicht notwendig ist und ein Abtasten der Brust ausreichend ist. Wie sehen Sie das?

Dr. med. Knut Radler: Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, eine Ultraschalluntersuchung der Brust durchführen zu lassen. Die Ultraschalluntersuchung schadet nicht- sie geht nicht mit einer Strahlenbelastung einher. Die Ultraschalluntersuchung ist ein ergänzendes Verfahren zur Brustkrebs-Früherkennung. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser die Heilungschancen. Sie sollten zusätzlich regelmäßig Ihre Brust abtasten.

Frau Z.: Wie oft sollte ich das tun?

Dr. med. Knut Radler: Wir empfehlen einmal monatlich die Brust selbst abzutasten. Dies ist wichtig, um schnell wachsende Karzinome frühzeitig zu entdecken. Der beste Zeitpunkt dafür ist kurz nachdem Sie Ihre Regelblutung hatten.

Frau Z.: Danke, das war mir so bisher nicht bewusst. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.  

Dr. med. Knut Radler: Das wünschen wir Ihnen auch.

 

Frage von Frau A.

Frau A.: Mein Frauenarzt sagt, dass ich sehr knotige Brüste habe. Wie groß ist das Risiko, dass sich Krebs entwickelt?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Viele Frauen haben knotige Brüste, besonders in jüngeren Jahren. Die Ursache ist Mastopathiegewebe, das heißt das Bindegewebe in der Brust ist vermehrt. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist meist dadurch nicht erhöht.

Frau A.: Außerdem habe ich auch sehr große Brüste, ist dadurch das Risiko erhöht, an Brustkrebs zu erkranken?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Biologisch gesehen nein, aber die Selbstuntersuchung und die ärztliche Tastuntersuchung ist bei großen Brüsten erschwert. So werden unter Umständen Tumoren später entdeckt. Es kann sinnvoll sein, bei den Vorsorgeuntersuchungen auch einen Ultraschall der Brust machen zu lassen.

Frau A.: Vielen Dank für die Antworten.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Gern geschehen. Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.