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Gefäßerkrankungen

Hier finden Sie die Protokolle unserer Expertenchats zu Gefäßerkrankungen.

Aortenaneurysma - Gefahr ohne Symptom

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Aortenaneurysma an Dr. med. Jörg Bindewald und Dr. med. Claudia Ellert. Der Chat fand am Donnerstag, 13. Oktober 2016, statt.

Thema: Aortenaneurysma

Frage von Herrn R.

Herr R.: Guten Tag, ich habe seit mehreren Jahren eine Erweiterung der Hauptschlagader am Herzen. Die Größe beträgt derzeit etwa 5 cm. Ich bin in Behandlung und werde regelmäßig mit Ultraschall überwacht (alle 6 bis 12 Monate). Auf meine Frage, ob eine Operation erforderlich ist, wurde mir von meinem Arzt zunächst abgeraten. Man würde erst bei einer Ausweitung ab 5,5 cm operieren. Was ist Ihre Aussage dazu?

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend Herr R., ab 5,0 cm bis 5,5 cm Durchmesser besteht durchaus eine Indikation, das Aneurysma auszuschalten. Es hängt viel vom Aussehen des Aneurysmas ab. Ist es beispielsweise ein spindelförmiges Aneurysma oder ein sackförmiges Aneurysma? Das lässt sich im Ultraschall etwas abschätzen, sehr gut ist es im CT zu sehen. Wenn Sie mögen: Eine unverbindliche Untersuchung einschließlich Ultraschall bieten wir in unserer Gefäßsprechstunde (Tel. 06441-79-2491) an.

Herr R.: Die Frage des Aussehens kann ich Ihnen derzeit nicht beantworten. Ich habe ab auch schon mehrere CTs gemacht, die ich bei meinen Unterlagen habe.

Dr. med. Jörg Bindewald: Ach so, es gibt schon CTs. Wenn gewünscht: Die CT-Bilder schauen wir uns gerne an. Egal ob als CD oder Printbild. Einschließlich unverbindliche Beratung bzw. gemeinsames Betrachten der Bilder.

Herr R.: Vielen Dank. Ich melde mich mal in Ihrer Sprechstunde.

Dr. med. Jörg Bindewald: Ja, gerne, schönen Abend noch.

 

Frage von Herrn B.

Herr B.: Seit ca. 2,5 Jahren ist bei mir durch einen Zufall ein Aortenaneurysma am oberen Herzbogen entdeckt worden. Dies wird nun im Turnus regelmäßig mittels MRT und Ultraschall im Wechsel untersucht und beobachtet. Nun meine Frage: Da eine Herzklappe leicht beeinflusst wird, könnte es sein, dass mein unregelmäßiger Herzschlag davon beeinflusst wird. Das Aneurysma würde diese "Verformung" teilweise hervorrufen. Wie ist Ihre Meinung dazu? Ich bin 61 Jahre alt und möchte im hohen Alter keine Herzoperation mehr durchführen lassen. Deswegen würde ich einen frühzeitigen Eingriff bevorzugen.

Dr. med. Claudia Ellert: Guten Abend Herr B., prinzipiell wird die Entscheidung zur Operation eines Aortenaneurysmas in Abhängigkeit von der Aneurysmagröße gestellt. Eine Aneurysmaoperation stellt ja doch einen Eingriff mit einem hohen Risiko für Komplikationen im Rahmen der Narkose wie auch der Operation dar. Daher operiert man "hier" nicht verfrüht. Prinzipiell würde das Aneurysma ja wegen der Gefahr der Ruptur (also des Platzens) operiert werden. Diese wird erst ab einer gewissen Größe relevant. Daher wird hier in Abhängigkeit von der Aneurysmagröße und damit des Rupturrisikos operiert.

Herr B.: Danke für Ihre Stellungnahme, welche auch die Meinung meiner behandelnden Ärzte widerspiegelt. Die Aneurysmagröße ist seit der ersten Feststellung unverändert. Mich hat nur die Verformung und teilweise Durchlässigkeit der Herzklappe etwas beunruhigt.

Dr. med. Claudia Ellert: Die Funktion ihrer Herzklappe ist natürlich für uns jetzt schwer einzuschätzen. Da müssten Sie sich tatsächlich auf die Einschätzung Ihrer behandelnden Herzspezialisten verlassen. Sollte die Funktionstüchtigkeit der Herzklappe stark eingeschränkt sein, könnte dies sicherlich unabhängig von der Aneurysmagröße ein Grund für eine Operation sein.

Herr B.: Vielen Dank für Ihre Ausführungen. Ich werde dann bei meiner nächsten Untersuchung diesen speziellen Punkt zu der Herzklappe den Arzt direkt darauf ansprechen. Vielen Dank und noch einen schönen Abend.

Dr. med. Claudia Ellert: Ebenfalls einen schönen Abend.

 

Frage von Herrn S.

Herr S.: Guten Abend, habe ein seit 2007 bekanntes Aortenaneurysma, an der Aorta ascendens, was bei Ersatz der Aortenklappe reduziert wurde auf 47 mm. Mittlerweile ist dieses Aneurysma wieder auf 52 mm gewachsen, was mich sehr beunruhigt.

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, da verstehe ich Ihre Sorge. Bei der von Ihnen beschriebenen Größe dürfte sich aber derzeit noch keine Notwendigkeit zur erneuten OP ergeben. Es sei denn, eine umschriebene sackförmige Ausstülpung liegt vor. Ihre vor-operierende Klinik weiß von Ihrem Befund?

Herr S.: Ja, bis 2012 wurde die Aorta in Bad Nauheim jährlich im MRT untersucht und seit 2013 wird diese Untersuchung in Ihrer Klinik in Wetzlar kontrolliert.

Dr. med. Jörg Bindewald: Ach so. Werden diese Kontrollen ambulant in unserem MRT vorgenommen? Oder waren Sie (stationär?) in unserer Kardiologie?

Herr S.: Nein, stationär nicht, die Kontrolle wird einmal jährlich im MRT der Radiologischen Praxis Wetzlar durchgeführt. Vielen Dank für Ihre Antwort! In der Kardiologie war ich im Juni 2014 zu einer großen Herzkatheteruntersuchung.

Dr. med. Jörg Bindewald: Wenn Sie wünschen, kann ich in unserem Klinikcomputer einmal Ihre Unterlagen und MRT-Bilder durchsehen.

Herr S.: Das wäre sehr nett von Ihnen, darüber würde ich mich sehr freuen!

Dr. med. Jörg Bindewald: Ja, gern, mach ich die Tage, dann könnten wir telefonieren.

Herr S.: Sehr gerne, vielen Dank und noch einen angenehmen Abend.

 

Frage von Frau E.

Frau E.: Guten Abend! Mein Vater hatte vor 3 Jahren (mit 85 Jahren) eine BAA-OP. Ist eine genetische Disposition möglich und macht es Sinn, sich diesbezüglich einmal durchchecken zu lassen? (Bin 53 Jahre alt.) Danke für Ihre Antwort!

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, eine genetische Disposition ist möglich. Eine Ultraschalluntersuchung mit unverbindlicher Beratung könnte Fragen klären.

Frau E.: Herzlichen Dank und schönen Abend!

 

Frage von Herrn W.

Herr W.: Ich bin 82 Jahre alt und bei mir soll eine endovaskuläre Aneurysmaausschaltung durchgeführt werden, nachdem das in 2002 festgestellte Aneurysma ab Okt. 2015 auf 5,5 cm gewachsen ist. Viele gut gemeinte Ratschläge können irritieren, z. B. du bist schon über 80 und willst so etwas noch machen lassen. Daher meine Frage an die Experten mit einer für mich guten Antwort. Wie gefährlich ist diese OP und ist sie schmerzhaft?

Dr. med. Claudia Ellert: Ihre Frage ist durchaus berechtigt und gut nachvollziehbar. In Ihrem Alter ist die Entscheidung zu einem operativen Eingriff natürlich immer eine Einzelfallentscheidung. So ist diese davon abhängig zu machen, an welchen Begleiterkrankungen Sie zum Beispiel leiden, um das Risiko für die Operation wie auch die Narkose genauer einschätzen zu können. Prinzipiell ist es aber so, dass Sie von einer Operation sicherlich profitieren können. Die Operation an sich wird bei uns in Vollnarkose vorgenommen. Es gibt, um Zugang zu den Leistenarterien zu bekommen, in beiden Leisten einen ca. 10cm langen Schnitt. Dieser bereitet nach der Operation in aller Regel keine Probleme. So könnten Sie ab dem 2. Tag nach der Operation wieder aufstehen und ca. eine Woche nach dem Eingriff bei normalem Verlauf entlassen werden.

Die von Ihnen genannten Begleiterkrankungen sind natürlich relevant. Mit dem endovasculären Vorgehen steht uns aber heutzutage erfreulicherweise eine OP-Methode zur Verfügung, die es ermöglicht, eben gerade Patienten mit entsprechenden Begleiterkrankungen die Aneurysmaausschaltung anzubieten. Eine offene Operation mit großem Bauchschnitt, wie sie früher notwendig war, käme für Sie nicht in Frage.

Wir können Ihnen gern auch ein persönliches Gespräch im Rahmen unserer Sprechstunde anbieten, um offene Fragen zu klären.

 

Frage von Frau S.

Frau S.: Mein Vater ist an einem Aortenaneurysma verstorben. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für mich und meine Kinder ein solches Aneurysma zu haben? Ab welchem Alter sollte man eine Vorsorge machen?

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, hier kann eine Ultraschalluntersuchung mit Beratung sinnvoll sein. Meist ist die Aneurysma-Ursache die Arteriosklerose, eine genetische Disposition ist aber möglich. Wenn Sie möchten: Ultraschall der Bauchaorta wäre in unserer Gefäßsprechstunde möglich.

Herr S.: Vielen Dank.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Ist Aneurysma eine genetische Erbkrankheit?

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, eine sog. genetische Disposition gibt es. Meist ist aber die Grundkrankheit "Arteriosklerose" der Auslöser.

Frau B.: Mein Schwiegervater hatte das, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Kinder das auch bekommen? Meine Tochter (11 Jahre) leidet ziemlich oft an Kopfschmerzen, könnte das ein Zeichen dafür sein?

Dr. med. Jörg Bindewald: Nein, Kopfschmerzen sind kein Anzeichen für ein Aortenaneurysma. Bei Kindern sind Aortenaneurysmen auch sehr selten. Ultraschall der Bauchschlagader dauert nur wenige Minuten und kann Klarheit schaffen.

Frau B.: Und wenn das Aneurysma im Kopf ist, kann man das auch per Ultraschall abklären? Wenn das der Fall ist, dass das Aneurysma bestätigt wird, wie stehen da die Chancen durch OP?

Dr. med. Jörg Bindewald: Dazu ist diagnostisch meist ein MRT angebracht. Hier werden Sie von einem Neurologen besser beraten.