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Bauchorgane

Hier finden Sie die Protokolle unserer Expertenchats rund um die Bauchorgane.

Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm

Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu unserem Expertenchat mit Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer (rechts) und Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich zu den Themen "Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm" vom 10. August 2015. 

Thema: Darm

Anfrage von Frau D.

Frau D.: Lieber Herr Dr. Lotterer, ich hatte vor 5 Jahren Brustkrebs mit rechtsseitiger Amputation, Chemotherapie, dazu Antibiotika und Bestrahlung. Seit 2013 immer wieder Sigmadivertikulitis, seither nehme ich Antibiotika, habe Probleme mit dem Appetit und 27 Kilogramm abgenommen. Es war das sekretorische IgA erniedrigt. Seit Februar 2014 nehme ich Symbioflor, seit 4 Tagen auch das Medikament Salofalk. Zeitweise war es etwas besser, aber zurzeit ist mein Darm wieder „hart“.  Ich habe den Verdacht, dass sich durch meine Erkrankungen ein Reizdarm entwickelt hat. Sollte  ich eventuell Enzyme einnehmen?

Dr. Erich Lotterer: Bei der von Ihnen geschilderten Problematik (immer wiederkehrende Divertikulitis, "harter Bauch", Gewichtsabnahme, etc.) ist zunächst einmal eine gründliche Untersuchung erforderlich (z.B. Blutentnahmen, Endoskopie, Schnittbildgebung mittels Computertomographie, usw.), um zu klären, was die wirklich Ursache Ihrer Beschwerden ist Da die Therapie mit Salofalk und Symbioflor bisher nichts gebracht hat, kann diese auch zunächst beendet werden. Die entsprechenden Untersuchungen können bei einem Facharzt oder in der Klinik durchgeführt werden.) Sie können gerne einen Termin zu einem Gespräch vereinbaren.

Frau D.: Vielen Dank ich werde dann einen Termin bei Ihnen ausmachen.

 

Anfrage von Frau B.

Frau B.: Seit vielen Jahren leide ich unter einer extremen Form von Histaminintoleranz. Ich bin 43 Jahre alt und weiblich. Erste Symptome habe ich seit meiner Kindheit (Unverträglichkeit von Narkosen, Migräne, Durchfall). Seit 5-6 Jahren sind die Beschwerden so extrem, dass eine normale Ernährung nicht mehr möglich ist und ich täglich auf Cetirizin und bei Bedarf auf Ranitidin angewiesen bin. Meine Diaminoxidase ist normal bzw. erhöht, im Blut habe ich aber einen Histamingehalt von 156 ng/ml trotz streng histaminarmer Ernährung. Auch eine Stuhluntersuchung weist erhöhte Histaminwerte aus. Leider konnte bis jetzt kein Grund für den Histaminanstieg gefunden werden. Allergien liegen keine vor. Für mich auffällig in letzter Zeit war, dass es in symptomarmeren Zeiten zu einer Farbveränderung des Stuhls kam. Kann es hier einen Zusammenhang zu Galle/Leber geben?

Dr. Erich Lotterer: Prinzipiell muss der Histaminspiegel bzw. der Diaminoxidase-Spiegel nicht mit Ihren Beschwerden korrelieren. Es wäre deshalb interessant zu wissen, wie Ihre Spiegel in den Zeitphasen der Beschwerden sind.  Sind bei Ihnen schon Untersuchungen zu den Histaminspiegeln im Urin gemacht worden? Die Therapie mit Cetirizin und Ranitidin ist die adäquate Therapie und sollte fortgesetzt werden. Die Entfärbung des Stuhls kann auf ein Problem im Bereich Leber/Galle hinweisen und sollte abgeklärt werden (Blutuntersuchungen, Sonographie und ggfs. MRT-Leber).

Frau B.: Eine 24-Stunden-Sammelurinuntersuchung wurde vor einigen Jahren durchgeführt. Auch hier waren die Werte erhöht. Die aktuellen Blut- und Stuhluntersuchungen wurden zu einem Zeitpunkt mit stärkeren Beschwerden durchgeführt.

Dr. Erich Lotterer: Bessern sich Ihre Beschwerden unter der o.g. Therapie mit Citirizin und Ranitidin?

Frau B.: Wenn akute Beschwerden eintreten (häufig abends zwischen 22 und 23 Uhr  oder nach Aufregung, Nahrungsmittel) tritt nach Einnahme von Cetirizin und Ranitidin innerhalb einer halben bis einer Stunde eine erhebliche Verbesserung ein. Aber leider ist auch mit Einnahme der Medikamente nicht an eine normale Ernährung zu denken.

Dr. Erich Lotterer: Bei der Ernährung ist es selbstverständlich wichtig, Nahrungsmittel, welche ein besonders ausgeprägtes Beschwerdebild hervorrufen (z.B. Tomaten, Sauerkraut oder Salami, bestimmte Sorten von Fisch, alkoholischen Getränken, Gemüse und Hefeprodukten) zu meiden. Ansonsten können Sie nur die Therapie mit den genannten Medikamenten fortsetzen. Ist bei Ihnen schon eine Untersuchung des Dünndarms (z.B. Kapselendoskopie oder reale Endoskopie) und die Abklärung für die Leber / Galle erfolgt?

Frau B.: Bieten Sie auch ambulante Termine  an?

Dr. Erich Lotterer: Ja, wir bieten solche Termine an.  

 

Anfrage von Frau G.

Frau G.: Wie kann man Krebs der inneren Organe, z. B. Magen, Leber usw. heute am besten behandeln?

Dr. Frank Ulrich: Die Behandlung der Tumoren dieser Organe ist heute häufig komplex und wird in der engen Zusammenarbeit zwischen Chirurgie und Innerer Medizin gesteuert. Mit modernen Operationsverfahren ist es vielfach möglich, auch ausgedehnte Tumoren erfolgreich zu entfernen.

Frau G.: Kommt es häufig vor, dass man mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auch an Krebs erkrankt?

Dr. Frank Ulrich: Dies ist insgesamt gesehen nicht sehr häufig. Aber speziell bei der Colitis ulcerosa kommt es bei längerem Krankheitsverlauf häufiger zur Entwicklung von Krebsvorstufen, die dann engmaschig überwacht und auch therapiert werden müssen. Eventuell ist dann sogar eine komplette Entfernung des Dickdarms erforderlich.

Frau G.: Was ist ein längerer Krankheitsverlauf, 5-10 Jahre oder mehr?

Dr. Frank Ulrich: In der Regel ist das Auftreten von Krebsvorstufen erst ab einer Krankheitsdauer von deutlich mehr als 10 Jahren zu erwarten.

 

Anfrage von Frau M.

Frau M.: Meine Tochter hat Morbus Whipple und bekommt seit 1 Jahr Cotrimoxal. Die Blutwerte sind jetzt wieder in Ordnung. Bei der Biopsie des Dünndarms wurden aber noch Bakterien der Krankheit gefunden. Kann man die Antibiotika absetzen, auch wenn noch Bakterien vorhanden sind? Es gibt viele Träger dieser Krankheit, die es gar nicht wissen. Würde man bei diesen Personen im Dünndarm auch die Bakterien finden?

Dr. Erich Lotterer: Wegen der guten Zugänglichkeit steht die Endoskopie mit Dünndarmbiopsie bei der Diagnostik an 1. Stelle, auch wenn keine Symptome des Gastrointestinaltrakts (z.B. Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Durchfälle, etc.) vorliegen. Beweisend ist der Genomnachweis des Erregers (Tropheryma whippelii) mittels PCR-Methode aus dem Gewebe. Ziel der Therapie ist die Eradikation des Erregers aus allen Geweben.  Wenn bei Ihrer Tochter also der Erreger noch nachweisbar ist und sie das Antibiotikum gut verträgt, würde ich zunächst noch weiter therapieren. Zum zweiten Teil Ihrer Frage ist zu sagen, dass bei entsprechender Untersuchung man auch bei Menschen ohne Symptome den Erreger im Dünndarm nachweisen kann.

Frau M.: Ich habe Angst wegen der Nebenwirkungen des Cotrimoxazols. Sie hat häufig entzündete Augen. Es kann also sein, dass bei einem Menschen, der die Krankheit in sich trägt, die Bakterien immer vorhanden sind?

Dr. Erich Lotterer: Wenn die Therapie erfolgreich ist, sind letztendlich irgendwann auch kein Erreger mehr nachweisbar (bei Ihrer Tochter). Teil 2: Wie gesagt, es gibt aber auch Menschen, die keine Beschwerden haben aber trotzdem den Erreger im Dünndarm haben. Man weiß es eben noch nicht, weil die entsprechende Diagnostik noch nicht durchgeführt worden ist.

Frau M.: Also sollte man das Cotrimoxazol erst absetzen, wenn keine Bakterien mehr im Dünndarm nachweisbar sind?

Dr. Erich Lotterer: Ja, ich würde eine Endoskopie mit Entnahme einer Gewebeprobe im Dünndarm (an mehreren Stellen) machen und bei positivem Nachweis die Therapie zunächst fortsetzen.

Frau M.: Letzte Frage: Kann ich meiner Tochter während der Therapie mit Cotrimoxazol "gute Bakterien" geben oder ist das kontraproduktiv? Ich möchte den Darm entlasten.

Dr. Erich Lotterer: Die Hauptmenge unserer Bakterien haben wir  physiologischerweise im Dickdarm. Hier kann durch die Gabe von z.B. Omniflora, Symbioflor, Mutaflor, Perenterol, etc. in Einzelfällen ein positiver Effekt auf die Bakterienkultur im Dickdarm erzielt werden. Für das Problem "M. Whipple" sind hier keine positiven Effekte in Studien nachgewiesen worden.

Frau M.: Danke für Ihre Antworten.

Thema: Bauchspeicheldrüse

Anfrage von Frau J.

Frau J.: Hallo, wie wird ein Bauchspeicheldrüsen-Karzinom diagnostiziert?

Dr.  Frank Ulrich: Die Diagnose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erfolgt leider häufig erst bei Symptomen der betroffenen Patienten und wird bei normalen Vorsorgeuntersuchungen leider nur ungenügend erfasst. Durch einen Verschluss des Gallengangs stellen sich viele Patienten mit einer Gelbsucht vor, die weitere Diagnostik erfolgt dann in der Regel mittels CT oder Kernspintomographie sowie einer Ultraschalluntersuchung "von innen", das heißt über den Magen und den Zwölffingerdarm. Hierbei kann auch eine Gewebeprobe zur weiteren Diagnostik entnommen werden.

 

Anfrage von Frau S.

Frau S.: Herr Dr. Lotterer, was kann ich tun um Bauchspeicheldrüsenkrebs abzuklären?

Dr. Erich Lotterer: 1) körperliche Untersuchung, 2) Ultraschalluntersuchung des Bauchraums von außen und von innen über eine Magenspiegelung, ggf.. mit Entnahme von Gewebeproben, 3) spezielle Schnittbildverfahren (z.B. Computertomographie, Kernspintomographie), 4) Blutuntersuchungen

Frau S.: Wer kann das machen? Muss ich dazu stationär aufgenommen werden, oder kann das auch ein niedergelassener Arzt machen?

Dr. Erich Lotterer: Nein, ein niedergelassener Arzt kann das alles so komplett nicht machen. Dazu benötigt es spezielle Instrumente und eine spezielle Erfahrung. Häufig ist es besser und schneller, diese Untersuchungen im Rahmen eines stationären Aufenthaltes durchzuführen.

Frau S.: Wie lange dauert so ein stationärer Aufenthalt?

Dr. Erich Lotterer: ca. 1 Woche

Frau S.: In welchem Krankenhaus kann ich die Untersuchungen durchführen lassen?

Dr. Erich Lotterer: Hier am Klinikum Wetzlar ist dies beispielsweise möglich und hier können die genannten Untersuchungen alle durchgeführt werden. 

Thema: Leber

Anfrage von Frau A.

Frau A.: Was kann ich denn für die Gesundheit meiner Leber tun?

Dr. Erich Lotterer: Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol, kein Nikotinkonsum, also kurz gefasst eine gesunde Lebensweise.

Frau A. Das setze ich alles bereits um... Trotzdem hat mein Hausarzt immer wieder schlechte Leberwerte festgestellt, woran kann das liegen?

Dr. Erich Lotterer: Dafür kann es vielfältige Ursachen geben. Wichtig ist hier eine gute Anamnese, z.B. hinsichtlich Medikamente,  Nahrungsergänzungsmittel, Auslandsaufenthalte, Bluttransfusionen, Zahnbehandlungen, Tattoos, Piercing, etc.. Auch müssen dann bestimmte Lebererkrankungen (Viren, Stoffwechselerkrankungen, Immunerkrankungen) sowie auch ein Diabetes bzw. eine Fettstoffwechselstörung durch eine gezielte Diagnostik nachgewiesen oder ausgeschlossen werden.

 

 

Thema: Galle

Anfrage von Herrn S.

Herr S.: Mein Vater hatte vor 5 Jahren ein Gallengangskarzinom, muss ich oder meine beiden Söhne befürchten, dass wir ein erhöhtes erbliches Risiko haben?

Dr. Frank Ulrich: In der Regel gibt es für das Gallengangskarzinom keinen gesicherten Erbgang, der das Risiko für Sie oder Ihre Söhne prinzipiell erhöht. Allerdings gibt es bei einer Häufung von  bösartigen Erkrankungen  innerhalb der nahen Verwandtschaft eine gewisse Erhöhung der Empfindlichkeit für solche Erkrankungen. Zum konkreten Fall müssen Sie allerdings keine weiteren Untersuchungen durchführen lassen, die nicht sowieso in der regulären Krebsvorsorge enthalten wären.

Herr S.: Vielen Dank, da ich an der Krebsvorsoge teilnehme bin ich auf der sicheren Seite.

 

Anfrage von Herrn R.

Herr R.: Nach einer vollständigen Entfernung der Bauchspeicheldrüse wegen eines Gallangangskarzinoms wurde zur Vermeidung eines Anastomosegeschwürs ein Protonenpumpenhemmer verordnet. Wie lange würden Sie die Einnahme von z. B. Pantoprazol oder Sanoprazol empfehlen? Wie häufig kommt so ein Anastomosenulkus vor? Auf beide Präparate habe ich mit einer Anämie, Thrombozythämie, Leukopenie reagiert. Sehen Sie Alternativen zu den Protonenpumpenhemmer?

Dr. Frank Ulrich: Ich halte es nicht für notwendig, die medikamentöse Säureblockade längerfristig bei Ihnen einzusetzen, wenn nicht bereits Magenentzündungen oder Geschwüre (Ulcera) diagnostiziert worden sind. Abhängig von der chirurgischen Magenrekonstruktion nach Ihrer Operation ist das Risiko eines Ulcus eher gering einzustufen.