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Ausscheidungsorgane

Hier finden Sie die Protokolle unserer Expertenchats rund um die Ausscheidungsorgane.

Urologe im Dialog: Kinderurologie

Hier finden Sie die Fragen und Antworten zum Thema Kinderurologie an Dr. Achim Elert, MHBA, und Dr. Enis Tanović, MBA.

Thema: Kinderurologie

Meine Tochter, jetzt 14 Jahre alt, ist seit der Geburt nur nachts inkontinent. Tabletten, Miktionsprotokolle, Klingelhose – wir haben alles ausprobiert, aber ohne Erfolg.

Dr. Achim Elert: Bei Ihrer Tochter liegt keine Inkontinenz, sondern vermutlich eine sogenannte Enuresis vor, also ein nächtliches Einnässen (Wasserlassen zur falschen Zeit am falschen Ort). Im ersten Schritt der Abklärung benötigt der Kinderurologe die Daten des Trink- und Miktionsprotokolls tags und nachts. Danach kann er das Problem eingrenzen. Die Erfolglosigkeit einer Klingelhose kann verschiedene Ursachen haben, z. B. dass eine andere Ursache vorliegt oder der Einsatz der Klingelhose nicht richtig durchgeführt wurde. In unserer kinderurologischen Sprechstunde können Sie Ihre Tochter gerne vorstellen und das Problem abklären lassen (Telefon 06441/79-2426).

 

Mein Kind hat einen Hodenhochstand auf der linken Seite, was ist zu beachten?

Dr. Enis Tanović: Normalerweise wandern die Hoden bereits im Mutterleib aus der Bauchhöhle hinab in den Hodensack. In einzelnen Fällen sind die Hoden zum Zeitpunkt der Geburt jedoch nicht dort angelangt. Manche Lageabweichungen korrigieren sich in den ersten Lebensmonaten von selbst. Ist einer oder beide Hoden bis zum Ende des 3. Lebensmonats noch nicht ständig in der richtigen Position, muss zunächst eine entsprechende medikamentöse Behandlung erfolgen. Ist diese nicht erfolgreich, so wird die Hodenlage durch eine kleine ambulante Operation korrigiert.

Die Therapie ist abhängig vom Zeitpunkt der Diagnose: Sie beginnt im 6. Lebensmonat und sollte mit dem Ende des 1. Lebensjahres abgeschlossen sein. Sie können Ihr Kind in unserer speziellen kinderurologischen Sprechstunde vorstellen, um die notwendige Diagnostik und Therapie rechtzeitig durchführen zu lassen.

 

Mein Sohn hat eine beginnende Vorhautverengung, muss diese unbedingt operiert werden?

Dr. Enis Tanović: Bei ca. 80 Prozent aller Neugeborenen kann die Vorhaut noch nicht hinter die Eichel gestreift werden. Es darf nicht gewaltsam versucht werden, die Vorhaut zurückzuziehen! In der Regel löst sich die Vorhaut im Laufe der Zeit von der Eichel und lässt sich dann problemlos zurückziehen. Ab dem ca. 3. Lebensjahr werden hochgradige bzw. narbige Vorhautengen durch eine ambulant durchgeführte Operation korrigiert (Beschneidung). Vorhautengen, die zu einer Entzündung führten (Balanitis), werden in jedem Alter operiert. Wir legen Wert darauf, zunächst einen konservativen Behandlungsversuch mit einer schwach kortisonhaltigen Salbe durchzuführen. Damit können die meisten Vorhautengen ohne Operation beseitigt werden. Spätestens bis zum Schuleintritt sollte jedes Vorhautproblem gelöst sein! Sie können Ihr Kind gerne in unserer kinderurologischen Sprechstunde vorstellen.

 

Mein Sohn ist 13 Jahre alt und hat Hodenschmerzen, hat er eine Hodenverdrehung?

Dr. Achim Elert: Hodenschmerzen bedürfen der besonderen Aufmerksamkeit und kinderurologischen Abklärung. Es ist sehr wichtig, eine plötzlich einsetzende Schmerzsymptomatik im Bereich des Hodensackes bzw. der Hoden rechtzeitig zu erkennen und sofort vom Kinderurologen abklären und behandeln zu lassen. Als Ursachen kommen eine Drehung des Samenstranges (Hodentorsion) oder von Hodenanhangsgebilden oder auch Entzündungen oder (eingeklemmte) Leistenbrüche in Frage. Bei plötzlich einsetzenden Schmerzen, rot-bläulicher Verfärbung und Schwellung des Hodensackes muss sofort der Kinderarzt oder Urologe aufgesucht werden, da eine Drehung des Samenstranges (Hodentorsion) zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr und damit zum Absterben des Hodens führt. Ohne sofortige Operation stirbt der Hoden innerhalb von 6 – 8 Stunden ab!

Urologe im Dialog: Was tun bei Harnsteinen?

Hier finden Sie die Fragen und Antworten zum Thema Harnsteinleiden an Dr. Achim Elert, MHBA, und Dr. Enis Tanović, MBA.

Thema: Harnsteinleiden

Mein Urologe hat bei mir einen Blasenstein festgestellt. Wie kann man diesen behandeln?

Dr. med. Achim Elert: Ein Stein in der Harnblase entwickelt sich meist, wenn es Probleme mit der Prostata gibt. Vergrößert sich die Prostata und drückt auf die Harnröhre, kann Resturin in der Blase verbleiben. So bildet sich dann im Laufe der Zeit ein Stein. Man muss also nicht nur den Stein, sondern auch die Ursache (die Prostata) behandeln. Dies geht z. B. mit einem minimal-invasiven Eingriff. Hierbei wird der Stein endoskopisch zerkleinert und aus der Blase entfernt und die Prostata in gleicher Sitzung verkleinert, so dass es nicht mehr zur Steinbildung kommt.

Ich habe immer wieder Harnsäuresteine in der Niere. Diese wurden mit Stoßwellen behandelt. Kann ich etwas tun, damit diese Steine nicht wieder kommen?

Dr. med. Achim Elert: Harnsäuresteine sind Steine, die durch Abbauprodukte im Eiweiß-Stoffwechsel entstehen. Es ist also sinnvoll, Speisen und Getränke zu meiden, die hierauf einen schlechten Einfluss haben. Trinken Sie viel Wasser und/oder ungesüßte Kräutertee. Verringern Sie den Konsum von Fleisch, Wurst, Käse und Schokolade. Trinken Sie nur wenig Rotwein.

Wie kommt es überhaupt zur Entstehung von Nierensteinen und wie hoch ist das Risiko für ein Steinleiden?

Dr. med. Enis Tanović: Zu Risikofaktoren von Nierensteinen bei Erwachsenen in unserer Gesellschaften gehören der Nahrungsüberfluss und eine reduzierte körperliche Bewegung. Dazu kommt noch eine starke genetische Prädisposition (familiäre Häufung bzw. ein bekanntes Steinleiden in der Familie etc.) dazu. Jedoch ist die Häufung der Steine für Kinder in unserer Gesellschaft reduziert, Kinder entwickeln gehäuft Harnsteine in Gebieten mit Nahrungsmittelmangel.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens zu erkranken, beträgt vier Prozent, das Risiko einer wiederholten Erkrankung bei unbehandelten Patienten dagegen um 50 bis 60 Prozent. Mehr als die Hälfte der Steinbildner hat nur ein Rezidiv, 10 bis 20 Prozent erleben drei und mehr Rezidive im Verlauf ihres Lebens. Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen.

Bei mir wurde festgestellt, dass die ganze rechte Niere mit einem großen Stein ausgefüllt ist und die Niere nicht mehr funktioniert. Was ist zu tun?

Dr. med. Achim Elert: Wenn es so weit gekommen ist, dass der Stein das ganze Nierenbecken ausfüllt und dadurch die Niere keine ausreichende Funktion zur Entgiftung des Körpers mehr hat, dann bleibt leider nur die operative Entfernung der Niere. Eine steintragende, funktionslose Niere ist ein hohes Risiko für die Entstehung von Bluthochdruck und immer wiederkehrende Infektionen.

Was sind mögliche Komplikationen einer Nierensteinerkrankung?

Dr. med. Enis Tanović: Ein behinderter Harnabfluss aus der Niere aufgrund eines Harnleitersteins verursacht starke akute Koliken und einen Harnstau. Unbehandelt kann es zu weiteren Komplikationen kommen.

Bei meiner Mutter wurde ein Harnleiterstein festgestellt. Dieser soll mit einem Endoskop entfernt werden. Ist der Eingriff gefährlich?

Dr. med. Achim Elert: Jede Operation birgt Risiken (über die Straße zu gehen allerdings auch). Jedoch ist diese minimal-invasive Methode sehr gut und in geübten Händen auch recht sicher. Schwerwiegende Verletzungen des Harnleiters durch diese Operation kommen in weit weniger als 1 Prozent der Fälle vor. In unserer Klinik liegt dieses Risiko bei ca. 2 Promille (statistisch also 2 Verletzungen pro 1000 Eingriffe).

Wie kann man der Steinentstehung vorbeugen?

Dr. med. Enis Tanović: Die allgemeine Vorbeugung besteht aus

1. Flüssigkeitszufuhr, d.h. Steigerung der Trinkmenge bis zu einer Harnmenge von über zwei Litern. Mit gleichmäßiger Verteilung der Trinkmenge über den Tag, d. h. Trinken auch in der Nacht. Geeignet sind harnneutrale Getränke wie Mineralwasser (kalzium- und kohlensäurearm), Leitungswasser, Früchte- und Kräutertee und Fruchtsäfte (z. B. Apfel, Traube). Ungeeignete Getränke sind zuckerhaltige Limonaden, zu viel Kaffee oder schwarzer Tee und alkoholhaltige Getränke.

2. Ernährung d. h. Reduzierung der tierischen Eiweißmenge in der Nahrung. Erhöhung des Anteils von Obst, Getreideprodukten und Gemüse.

3. Kontrolle des Körpergewichts, d.h. Adipositas und damit verbundene Ernährungsmuster sind ein Risikofaktor für wiederkehrende Harnsteine. Ziel ist eine sanfte, langfristig angelegte Reduktion des Körpergewichtes mit o.g. Umstellung der Ernährung, Erhöhung der Trinkmenge und die Kombination der Maßnahmen mit körperlicher Bewegung. Fasten und einseitige Diäten sollten vermieden werden.

 

Volkskrankheit Hämorrhoiden - Kein Grund zur Scham

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Hämorrhoiden an Dr. Barbara Peschka, Dr. Thomas Schindler und Christian Illig vom Zentrum für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie am Klinikum Wetzlar. Der Chat fand am Donnerstag, 16. Februar 2017, statt.

Thema: Hämorrhoiden

Frau F.: Ich habe manchmal Blut im Stuhl, können das Hämorrhoiden sein?

Dr. Barbara Peschka: Ja, dies kann theoretisch sein. Man sollte dies auf jeden Fall weiter abklären und ggf. auch eine Darmspiegelung machen. Wenn der Stuhlgang sehr hart ist, können auch kleine Risse im Analkanal auftreten.

Frau F.: Kann ich direkt zu Ihnen kommen oder brauche ich eine Überweisung vom Hausarzt?

Dr. Barbara Peschka: Sie können gerne einen Termin bei uns ausmachen und müssten eine Einweisung mitbringen.

 

Frau C.: Seit einiger Zeit habe ich Schmerzen und einen kleinen Knubbel am Po. Was kann das sein?

Dr. Thomas Schindler: Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Um dies sicher beurteilen zu können, müssten wir uns den Befund ansehen. So wie Sie Ihre Beschwerden schildern, kann es sich um eine Thrombose der analen Blutgefäße oder eine Thrombose einer Hämorrhoide handeln.

Frau C.: Was passiert genau bei der Untersuchung?

Dr. Thomas Schindler: Zunächst bitten wir Sie Ihre Beschwerden genauer zu schildern. Üblicherweise schließt sich eine Untersuchung an, bei der der After mit dem Finger ausgetastet wird. Dazu kommt noch eine Proktoskopie oder Rektoskopie, also eine Enddarmspiegelung.

 

Herr H.: Können die Ursachen für in unregelmäßigen Abständen wiederkehrendes hellrotes spritzendes Bluten aus dem After bei bereits mehrmals gekürzten Hämorrhoiden liegen?

Dr. Barbara Peschka: Theoretisch kann dies sein. Die Ursache liegt wahrscheinlich im Stuhlgangsverhalten oder an hartem Stuhlgang. Es sollte zur weiteren Abklärung auf jeden Fall eine Dickdarmspiegelung erfolgen und man müsste sich den Befund mal ansehen.

Herr H.: Geht das auch in Wetzlar?

Dr. Barbara Peschka: Ja sehr gerne, Sie können über unser Sekretariat einen Termin vereinbaren. Die Telefonnummer ist die 06441 79 2276.

 

Herr K.: Ich vermute stark, dass ich Hämorrhoiden habe. Kann ich versuchen, die Beschwerden selbst in den Griff zu bekommen?

Christian Illig: Sie können versuchen, die Konsistenz Ihres Stuhlgangs zu regulieren. z.B. mit indischen Flohsamenschalen in Kombination ausreichend Flüssigkeitsaufnahme. Man sollte die Beschwerden aber unbedingt ärztlich abklären.

 

Frau A.: Guten Abend! Ich wollte fragen, ob man Hämorrhoiden auch selbst irgendwie weg bekommen kann. Ich befürchte, durch meine Schwangerschaft welche zu haben - bin aber noch relativ jung und trau mich damit nicht zum Arzt.

Dr. Barbara Peschka: Schönen guten Abend, gerade in der Schwangerschaft treten durch den erhöhten Druck auf den Beckenboden oft Hämorrhoiden auf. Sie können versuchen viel zu trinken, um den Stuhlgang weich zu halten. Außerdem können Sie Beckenbodengymnastik machen. Pressen sollte möglichst vermieden werden. Sie können sich aber auch sehr gerne einen Termin in unserer Sprechstunde vereinbaren, dann können wir dies genauer besprechen.

Frau A.: Kann ich mir aussuchen, bei wem ich den Termin möchte? Ich bin nicht schüchtern, finde dieses Thema hier aber sehr sensibel.

Dr. Barbara Peschka: Das kann ich gut verstehen. In der Regel mache ich die Sprechstunde. Wenn Sie einen Termin ausmachen, können Sie dies aber auch nochmal explizit sagen, dass Sie von einer Frau untersucht werden wollen. Dann wäre noch eine Schwester im Raum.

 

Frau A.: Ah super, das beruhigt mich total, dann werde ich mich Anfang nächster Woche telefonisch mal melden. Vielen lieben Dank und einen schönen Abend!

Dr. Barbara Peschka: Sehr gerne. Ihnen auch einen schönen Abend.

Wenn die Blase drückt - Harnverlust und Reizblase

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Harnverlust und Reizblase an Dr. med. Jörg Timmer und Tobias Mallock. Der Chat fand am Montag, 31. Oktober 2016, statt.

Thema: Harnverlust und Reizblase

Frage von Herrn W.

Herr W.: Sehr geehrte Herren, ich leide vorher an Urinverlust wenn ich zur Toilette muss. Meine Prostata ist altersgemäß vergrößert. Bis jetzt wurde mir Beckenbodentraining empfohlen.

Tobias Mallock: Guten Abend Herr W. Urinverlust auf dem Weg zur Toilette, wie Sie es beschreiben, klingt nach einer Form der Dranginkontinenz. Kennen Sie Ihre Prostatagröße, wenn Sie von altergemäßer Vergrößerung schreiben? Wie häufig kommt der Urinverlust bei Harndrang denn vor?

Herr W.: Vielen Dank für die schnelle Antwort. Bei meinen regelmäßigen Kontrollen wurde mir immer nur diese Auskunft gegeben. Der Urinverlust kann 2 oder 3x vor dem Wasserlassen auftreten.

Tobias Mallock: Sind sie bereits in urologischer Betreuung? Anders gefragt, ist der Urinverlust täglich, oder gibt es auch Phasen ohne Urinverlust? Wie ist der Harnstrahl beim Wasserlassen? Wie oft stehen Sie nachts zur Toilette auf?

Herr W.: Urinverlust kann täglich auftreten, muss aber nicht. Der Harnstrahl ist normal. Nach Einnahme von Prostagutt forte muss ich kaum noch nachts aufstehen. Bin in urologischer Betreuung.

Tobias Mallock: Führen Sie die urologische Vorsorge bitte unbedingt weiter, nur so kann der Punkt erkannt werden, an dem eine rein medikamentöse Therapie erschöpft ist. Wird dieser Punkt verpasst, könnten Sie unter Umständen Gefahr laufen, nicht nur die Muskulatur Ihrer Harnblase, sondern auch Ihre Nieren zu schädigen. Die medikamentöse Therapie kann häufig den Leidensdruck zwar vorübergehend senken, das eigentliche Problem dahinter jedoch nicht lösen.

Oft ist nicht allein die Größe der Prostata ausschlaggebend, sondern das Ausmaß der Obstruktion, also der Einengung der Harnröhre durch die Prostata. Das kann relativ einfach und unkompliziert mit einer Harnstrahlmessung objektiviert werden.

Sollte sich eine Obstruktion durch die Prostata bestätigen, so sollte auch über die operative Therapie gesprochen werden. Gerne können Sie dieses Gespräch und falls notwendig ergänzende Untersuchungen in unserer Klinik vorstellen. Sprechen Sie sich kurz mit Ihrem Urologen ab, die Terminvereinbarung an unserem Haus ist relativ unkompliziert unter 06441-792426 möglich, berufen Sie sich dann einfach auf unsere Unterhaltung.

Herr W.: Vielen Dank für die Hinweise.

Tobias Mallock: Gerne Herr W. Vielen Dank für Ihre Frage - alles Gute!

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Guten Abend, ich bin 38 Jahre alt und habe seit der Geburt meines vierten Kindes Probleme mit Urinverlust. Ich mache bereits regelmäßig Beckenbodentraining, aber es hat bisher nichts gebracht. Was empfehlen Sie mir?

Dr. med. Jörg Timmer: Hallo Frau B., um helfen zu können muss man sicher mehr wissen, z.B. bei welchen Gelegenheiten der Urinverlust auftritt - eher beim Husten, Niesen, Lachen, Heben etc. oder in Zusammenhang mit Harndrang. Ferner sollte ein Gynäkologe untersuchen, ob eine begleitende Senkung der Blase/Harnröhre vorliegt. Sind Sie schon bezüglich der Beschwerden vom Arzt untersucht worden und was waren die Ergebnisse?

Frau B.: Der Urinverlust tritt vor allem beim Husten und beim Joggen auf. Ich war beim Frauenarzt, der konnte aber nichts Ungewöhnliches feststellen.

Dr. med. Jörg Timmer: Das klingt am ehesten nach einer sogenannten Belastungsinkontinenz, die gemäß Leitlinie zunächst durch Kräftigung des Beckenbodens behandelt wird. Um über den Tag zu kommen, gibt es diverse Hilfsmittel wie Inkontinenztampons - z.B. Contam - oder sogenannte Urethrapessare, die in die Scheide eingeführt werden und die Harnröhre so eindrücken, dass bei den von Ihnen genannten Gelegenheiten kein Urin verloren geht. Sie sollten Ihren Gynäkologen oder Ihre Gynäkologin aktiv auf den Harnverlust ansprechen. Sollte er nicht weiter wissen, kann er Sie gerne in unsere Kontinenzsprechstunde in der Frauenklinik Wetzlar überweisen – Tel. für Terminvereinbarung: 06441 792301.

Frau B.: Das werde ich machen, vielen Dank und noch einen schönen Abend!

 

Frage von Herrn A.

Herr A.: Hallo, unser Sohn ist 6 Jahre alt und schafft es nicht über den Tag trocken zu werden. Er hat am Tag so zwischen zwei und fünf nasse Hosen. Der Kinderarzt hatte letztes Jahr eine zu kleine Blase und Reizblase festgestellt. Mit Mictonetten über 3 Monate gab es keine Verbesserung. Außerdem ist unser Sohn so sehr in sein Spiel vertieft, dass er dem Toilettengang nur wenig Aufmerksamkeit schenkt.

Tobias Mallock: Guten Abend. War Ihr Sohn bereits einmal trocken?

Herr A.: Nein, bisher noch nicht.

Tobias Mallock: Zur Empfehlung einer weiteren Therapie wäre es wichtig, das Blasenvolumen zu kennen. Zusätzlich wäre ein Tagebuch über das Wasserlassen, wir sagen "Miktionstagebuch" dazu, wichtig.

Herr A.: Wir hatten neulich nochmal sporadisch gemessen, da musste er dringend, und es kamen weiterhin nur 30-50 ml aus der Blase. Letztes Jahr im Sommer war das Blasenvolumen etwa gleich.

Tobias Mallock: Gerne können Sie sich mit Ihrem Sohn in unserer urologischen Kindersprechstunde vorstellen. Dort wird ein Ultraschall durchgeführt und auch ein Miktionsprotokoll ausgehändigt. Zur Terminvereinbarung könnten Sie sich telefonisch unter 06441-792426 an unser Sekretariat wenden. In Abhängigkeit von den Untersuchungsergebnissen kann dann ein individueller Therapieplan erstellt werden.

Herr A.: Ok, wird hierfür eine Überweisung vom Kinderarzt benötigt?

Tobias Mallock: Eine Überweisung ist hilfreich, fragen Sie bitte einfach bei der telefonischen Terminvereinbarung zur Sicherheit nochmal nach. Unsere urologische Kindersprechstunde findet dienstags statt.

Herr A.: Alles klar, vielen Dank!

Tobias Mallock: Gerne.

 

 

Frage von Frau R.

Frau R.: Hallo, ich habe das Gefühl, dass meine Blase nie richtig leer wird beim Wasserlassen. Das ist abends schlimmer als morgens. War noch nicht beim Arzt. Ich bin 67 Jahre alt.

Dr. med. Jörg Timmer: Hallo Frau R., es gibt sicher viele Gründe, warum eine Blase nicht leer wird. Der häufigste Grund ist sicher bei Frauen, dass eine Senkung der Blase oder der Gebärmutter vorliegt. Das kann der Gynäkologe leicht feststellen. Ergänzende Fragen: 1. Haben Sie schon Kinder geboren? 2. Haben Sie das Gefühl, dass etwas aus ihrer Scheide heraustritt oder im Bereich der Scheide drückt?

Frau R.: Ich habe ein Kind. Ja, da ist seit mehreren Monaten ein Druckgefühl. Es hat angefangen, als ich eine Erkältung mit starkem Husten hatte.

Dr. med. Jörg Timmer: In der Tat klingt das nach einer Senkung, die die Blasenentleerung behindert. Wichtig ist nun festzustellen, wie ausgeprägt die Senkung ist und welche Organe wirklich gesenkt sind und wieviel Urin in der Blase zurückbleibt und ob zusätzlich ein Harnwegsinfekt besteht. Die Behandlung der Senkung kann mit einer sogenannten Pessartherapie erfolgen, bei der eine angepasste Gummischale oder ein Würfel in die Scheide gelegt wird, womit die Harnröhre angehoben und damit die Blasenentleerung ermöglicht wird. Wenn das für Sie nicht tolerabel ist kann eine Senkung auch sehr erfolgreich operiert werden. Auf jeden Fall sollten sie den Zustand frauenärztlich abklären lassen, um Folgeschäden an Blase und Niere zu vermeiden. Auf Wunsch können Sie sich mit Überweisung durch den Frauenarzt oder die Frauenärztin auch in unserer urogynäkologischen Spezialsprechstunde (Tel. für Termine 06442-792301) vorstellen.

Frau R.: Vielen Dank.

 

Frage von Herrn S.

Herr S.: Immer wieder spontaner Harndrang mit oder sehr oft bei nicht voller Blase bei einer 90ml-Prostata und 3 Jahre nach einer PCA-Bestrahlungstherapie (Tomo- u. Protonen) in Heidelberg! Was tun?

Tobias Mallock: Guten Abend. Das von Ihnen beschriebene Problem ist nicht ungewöhnlich bei einer Prostata mit entsprechender Größe sowie nach Bestrahlung. Welche Therapieversuche haben Sie bereits unternommen? Haben Sie einen Urologen, der den Verlauf Ihrer Krebserkrankung beobachtet?

Herr S.: Habe wohl kompetenten Urologen, aber wenig Zeit für Dialog. PSA von 0,05 im Herbst 2013 und derzeit 0,27, d.h. hier 3 Jahre nach Bestrahlungstherapie, Spasmex 30 hat nichts gebracht. Zeitweise auch Brennen beim Wasserlassen.

Tobias Mallock: Es gibt theoretisch viele Ursachen für Ihre geschilderten Symptome: Ein Harnwegsinfekt könnte Ihre beschriebenen Beschwerden hervorrufen, das kann recht einfach untersucht werden, ggf. ergänzend mit einer Urinkultur. Eine Bestrahlung kann ebenfalls unter Umständen ähnliche Effekte hervorrufen, auch wenn das Bestrahlungsfeld sicherlich genau und so klein wie möglich angepasst wurde. Diese Symptome äußern sich dann oft erst Jahre später. Vor allem aber kann eine Prostatavergrößerung (an dieser Stelle egal ob durch ein Karzinom oder eine Gutartige Vergrößerung) die genannten Symptome mit sich führen. Man spricht von einer Dranginkontinenz. Spasmex oder andere Tabletten sind da unter Umständen wenig hilfreich.

Herr S.: Tabletten hatte ich auch abgesetzt; irritierend ist für mich, dass dieser spontane Harndrang plötzlich entsteht, wenn ich aus dem Auto aussteige, mich am Wasserhahn oder an der Spüle betätige und vorrangig auch in gefühlten Stresssituationen.

Tobias Mallock: Dieses "ohne Vorankündigung", wie Sie es häufig erleben, ist ein typisches Symptom der Dranginkontinenz. Ursächlich ist hierfür häufig ein Ungleichgewicht zwischen der Muskulatur der Harnblase und dem Schließmuskel. Hierfür ist eine Untersuchung notwendig, neben Ultraschall wird auch eine Harnstrahlmessung zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen. Wenn Sie wünschen, können Sie gern in Rücksprache mit Ihrem Urologen einen Termin in unserer Klinik zum Gespräch vereinbaren.

 

Frage von Frau E.

Frau E.: Guten Abend Herr Dr. Timmer, ich leide unter ständigem Harndrang und muss teilweise jede Stunde zur Toilette. Das schränkt mich im Alltag sehr ein. Ich bin 45 und habe keine Kinder.

Dr. med. Jörg Timmer: Was Sie schildern, klingt zunächst mal nach einer Reizblase, was natürlich noch keine Diagnose ist, sondern eine genaue Ursachensuche erfordert. Folgende Fragen wären wichtig zu beantworten:

- Wird die Blase wirklich leer, d.h. es muss erst mal bestimmt werden ob Urin in der Blase zurückbleibt und wieviel.
- Sind Erkrankungen der Nerven bekannt (z.B. durch Wirbelsäulenerkrankungen mit Einengung des Wirbelkanals, neurologische Allgemeinerkrankungen wie MS, Diabetes mit Schäden der Nerven durch die Zuckererkrankung)?

Frau E.: Ich bin Diabetikerin und leide auch oft unter Rückenschmerzen. Ob die Nerven schon geschädigt sind, weiß ich nicht. Es wurde noch nichts festgestellt

Dr. med. Jörg Timmer: Was sollten sie also tun? Es sind hier sicher mehrere Fachabteilungen gefragt, die z.B. in unserem Beckenbodenzentrum vertreten sind.

Urologischerseits könnte die Blase untersucht werden und der Vorgang des Wasserlassens. Das geschieht durch eine sogenannte Urodynamik mit Messung des Drucks in der Harnröhre und der Blase und Überprüfung Ihres Harnstrahls. Selbstverständlich wird hierbei auch die zuvor genannte Restharnmenge bestimmt und ob Bakterien im Urin sind. Je nach Ergebnis der Untersuchung sollte ergänzend eine neurologische Untersuchung zum Ausschluss von Nervenschäden durch den Diabetes oder Rückenmarksschäden erfolgen. Ggf. ist auch eine Röntgen oder MRT Schnittbilduntersuchung der Wirbelsäule erforderlich. Wenden Sie sich gerne für die Veranlassung der genannten Untersuchung an die Urologische Sprechstunde unseres Beckenbodenzentrums (mit Überweisung durch den Hausarzt und Terminvereinbarung über Tel: 06441792426). Wenn hier festgestellt wird, dass auch eine Genitalsenkung vorliegt, stellen sie die dortigen Kollegen auch in der Frauenklinik vor.

Frau E.: Danke. Bekomme ich dort auch den Termin für die Untersuchung der Wirbelsäule?

Dr. med. Jörg Timmer: Zunächst sollte mal grundlegend festgestellt werden, ob eine solche Untersuchung zwingend erforderlich ist oder eher andere Gründe als die Wirbelsäule für Ihre Beschwerden verantwortlich sind. In Zusammenarbeit mit dem einweisenden Arzt, der sie betreut, kann dann die weitere Diagnostik veranlasst werden.

Frau E.: Ok. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.