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Rückenschmerzen behandeln mit Sport und Physiotherapie

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema "Rückenschmerzen behandeln mit Sport und Physiotherapie" an Sporttherapeutin Carina Gerlach und Physiotherapeut Georg Klingmüller. Der Chat fand am Donnerstag, 16. März 2017, statt.

Thema: Rückenschmerzen behandeln mit Sport und Physiotherapie

Frau A.: Hallo. Ich habe Schmerzen im unteren Rücken, fast Gesäß, die bis ins Bein ziehen.

Carina Gerlach: Wie lange bestehen die Beschwerden bereits?

Frau A.: Sehr stark erst seit gestern Abend. Sitzen und langes Stehen sind fast nicht möglich.

Georg Klingmüller: Haben Sie gestern etwas körperlich Anstrengendes getan, z.B. sich verhoben?

Carina Gerlach: Bei so akuten, starken Schmerzen sollten Sie die Ursache ärztlich abklären lassen.

Frau A.: Ich habe nichts gemacht, was diese Beschwerden hervorgerufen haben könnte. Habe aber schon längere Zeit beim Aufstehen nach langem Sitzen Beschwerden im Bein und Knie. Werde morgen Vormittag auch zum Arzt gehen.

Carina Gerlach: Sind Sie denn im Alltag körperlich aktiv oder haben sie bspw. eine sitzende Tätigkeit? Ein sogenannter unspezifischer Rückenschmerz, d. h. ein Schmerz, der immer mal wieder auftreten kann, aber keine krankhafte Ursache hat, kann sehr gut mit körperlicher Aktivität behandelt werden.

Die Wirbelsäule kann man sich vorstellen wie das Segel eines Schiffes, das von vielen verschiedenen Tauen - also den Muskeln - gehalten wird. Entsteht durch monotone Haltungen wie das Sitzen ein muskuläres Ungleichgewicht, kann dies Schmerzen verursachen.

Frau A.: Ich habe einen Bürojob und sitze dementsprechend viel... mache aber Aqua Fitness 1x pro Woche. Sonst bewege ich mich nicht allzu viel.

Carina Gerlach: Sehr gut! Aqua Fitness gehört zu den empfohlenen Sportarten bei Rückenschmerzen. Allerdings müssen Sie bedenken, dass es schwierig ist, eine Bürotätigkeit mit 40 Wochenstunden mit 1 bis 2 Stunden Sport pro Woche zu kompensieren. Versuchen Sie, ihren Alltag etwas aktiver zu gestalten, z.B. abends einen zügigen Spaziergang zu machen.

Georg Klingmüller: Die Symptomatik abzuklären ist sicherlich der richtige Weg. Versuchen Sie für sich rauszufinden, welche Bewegungen machen den Schmerz schlimmer, was könnte den Schmerz reduzieren, um dem Arzt genaue Auskunft geben zu können. Viel Liegen und Schonen wird die Probleme tendenziell eher schlimmer machen.

Frau A.: Ich merke wenn ich mich bewege geht es besser... ich vermute das der Ischiasnerv eingeklemmt ist

Georg Klingmüller: Das ist möglich. Ich kann Ihnen empfehlen, beide Beine mal zu dehnen. Einfach ein Bein auf einen Stuhl stellen und den Oberkörper nach vorne beugen. Die Knie bleiben gestreckt. Wärme könnte auch hilfreich sein. Das Dehnen geht auch in Seitenlage. Was auch helfen sollte, bei der Arbeit zwischendurch mal aufstehen und laufen bzw. in die Hocke gehen, sodass der Körper nicht immer die gleiche Position beibehält.

Frau A.: Ja, das werde ich machen. Vielen Dank nochmals für die Tipps.

Carina Gerlach: Wir freuen uns, dass wir Ihnen helfen konnten. Der Arzt wird Ihnen vielleicht ein Rezept für Krankengymnastik ausstellen. Dies können Sie gerne bei uns im Rehazentrum kerngesund! wahrnehmen. Dann können wir Ihnen noch gezielt Übungen zur Kräftigung der Muskulatur vermitteln.

 

Herr A.: Hallo! Ich hatte im Jahr 2000 einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich. Einer OP konnte ich durch Rückenmuskelaufbau und ganz leichten Laufeinheiten aus dem Weg gehen. Nun habe ich beruflich bedingt durch langes Sitzen immer wieder mittelstarke Schmerzen sowie leichte Taubheit im linken Bein.

Carina Gerlach: Versuchen Sie zunächst, die Aktivität, die Ihnen bei Ihrem Bandscheibenvorfall geholfen hat, wieder aufzunehmen. In einer akuten Schmerzphase sollten Sie das Joggen auf Grund der Stoßbelastung eher meiden und dafür z.B. zügig gehen. Zusätzlich können kräftigende Übungen helfen, Ihre Muskulatur wieder zu stärken. Das erreichen Sie am besten mit einer Kombination aus Krankengymnastik und gerätegestützter Krankengymnastik. Eine Verordnung hierfür erhalten Sie bei Ihrem Hausarzt oder Orthopäden. Mit diesem können Sie dann zu uns ins Rehazentrum kerngesund! kommen. Wir behandeln die Schmerzen und erarbeiten mit Ihnen einen individuellen Trainingsplan.

Gerade in Zeiten, in denen Sie viel sitzen, sollten Sie sich regelmäßig als Ausgleich bewegen. Zusätzlich zu o.g. Spaziergängen sind natürlich auch Krafttraining und Wassergymnastik gute Sportarten.

Herr A.: Wie ist es mit Mountainbike fahren? Das tut mir trotz der Stoßbelastung gut.

Carina Gerlach: Es kann sein, dass das MTB fahren auf Grund der leichten Bewegung und damit im Becken zu einer Besserung führt. Bandscheiben sind Gewebe, die nicht mit Blutgefäßen versorgt sind, sondern durch Bewegung "ernährt" werden. Deshalb sind eben eintönige "Zwangshaltungen" wie das permanente Sitzen eher problematisch.

Versuchen Sie, tagsüber öfter mal im Sitzen Ihre Position zu verändern. Dies führt zu Bewegung in der Lendenwirbelsäule und damit zu einer verbesserten Versorgung der Bandscheiben.

Eine weitere Maßnahme wäre, regelmäßig die sog. ischiocrurale Muskulatur - also die Oberschenkelrückseite - sowie die Gesäßmuskulatur zu dehnen.

Herr A.: Mein Arbeitgeber müsste für einen Steharbeitsplatz in meinem Arbeitsbereich sorgen. Das würde doch sicher auch helfen, oder?

Carina Gerlach: Ja auf jeden Fall! Damit kann man noch öfter die Position wechseln. Gerne können Sie auch bei uns im Rehazentrum vorbei kommen und wir informieren Sie persönlich über die Möglichkeiten, wie Sie ihre Schmerzen besser in den Griff bekommen. Dies kann über ein Rezept für Physiotherapie als auch über eine 10er Karte für die medizinische Trainingstherapie erfolgen.

 

Herr K.: Hallo, ich bin beruflich ausschließlich am Schreibtisch tätig und merke immer wieder, dass im Laufe eines Tages leichte Rückenschmerzen im unteren Rücken auftreten und ich mit der Zeit auf dem Stuhl "zusammensinke". Dem würde ich gerne aktiv entgegenwirken.

Georg Klingmüller: Wichtig ist bei der Arbeit, dass man variierende Positionen einnimmt. Das heißt: Den Oberkörper nach vorne beugen, evtl. wenn der Tisch verstellbar ist, dann auch mal höher bzw. tiefer einstellen. Was sich auch grundlegend lohnt, ist aufzustehen und mal ein paar Schritte zu laufen, die Beine anzuheben oder mal in die Hocke zu gehen.

Man könnte sich auch mal ein Kissen in den Lendenbereich reinlegen bzw. unter ein Bein, aber wie gesagt nicht den ganzen Tag.

Herr K.: Das hört sich auf jeden Fall umsetzbar an, zumal die Tische tatsächlich höhenverstellbar sind. Da ich wöchentlich im Fitnessstudio trainiere, bieten sich bestimmte Übungen an, um diesen Bereich zu stärken bzw. zu stabilisieren?

Georg Klingmüller: Vorwiegend sollte die Bein- und Bauchmuskulatur trainiert werden. Was die Rückenmuskulatur betrifft, sollte man vorsichtig sein und eine Übung auswählen, die nicht zu einer Schmerzverstärkung führt. Wichtig ist auch ausreichendes Dehnen von Rücken- und Beinmuskulatur, dabei die Dehnposition mindestens eine Minute lang halten.

 

Frau E.: Hallo, ich bin 66 Jahre alt und hatte eigentlich nie Rückenschmerzen. Aber seit ich unter Osteoporose leide, habe ich permanente Probleme über den gesamten Rücken. Was raten Sie mir?

Carina Gerlach: Guten Abend. Zunächst einmal die Frage: Liegen bei Ihnen bereits osteoporosebedingte Wirbelkörperfrakturen vor?

Frau E.: Bisher nicht, aber ich würde dem gerne vorbeugen.

Carina Gerlach: Die Therapie der Osteoporose stützt sich in der Regel auf eine ärztlich verordnete medikamentöse Therapie. Viel zu oft wird leider das Thema Bewegung - genauer gesagt ein gezieltes Krafttraining - zu wenig umgesetzt. Ein gezieltes Muskeltraining hilft, eine Verschlimmerung der Osteoporose zu verlangsamen und die Knochendichte zu erhöhen. Durch den Zug am Knochen, den der Muskel beim Anspannen ausübt, wird der Knochen zum Wachstum angeregt. Deshalb sollten Sie zusätzlich zu Ihren Medikamenten ein gezieltes Aufbautraining machen. Die ist einerseits durch Gerätetraining, als auch beispielsweise über Wassergymnastik möglich. Außerdem kann Physiotherapie die Rückenschmerzen durch gezielte Detonisierung der Muskulatur helfen, die Schmerzen zu reduzieren.

Georg Klingmüller: Was vorher eventuell noch abgeklärt werden sollte, ist, wie weit die Osteoporose vorangeschritten ist. Man sollte wissen, wie die Knochendichte ist, damit der Therapeut auch weiß, ob es Stellen gibt, die "brüchig" sind.

Frau E.: In Ordnung, das mache ich. Vielen Dank!

Volkskrankheit Hämorrhoiden - Kein Grund zur Scham

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Hämorrhoiden an Dr. Barbara Peschka, Dr. Thomas Schindler und Christian Illig vom Zentrum für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie am Klinikum Wetzlar. Der Chat fand am Donnerstag, 16. Februar 2017, statt.

Thema: Hämorrhoiden

Frau F.: Ich habe manchmal Blut im Stuhl, können das Hämorrhoiden sein?

Dr. Barbara Peschka: Ja, dies kann theoretisch sein. Man sollte dies auf jeden Fall weiter abklären und ggf. auch eine Darmspiegelung machen. Wenn der Stuhlgang sehr hart ist, können auch kleine Risse im Analkanal auftreten.

Frau F.: Kann ich direkt zu Ihnen kommen oder brauche ich eine Überweisung vom Hausarzt?

Dr. Barbara Peschka: Sie können gerne einen Termin bei uns ausmachen und müssten eine Einweisung mitbringen.

 

Frau C.: Seit einiger Zeit habe ich Schmerzen und einen kleinen Knubbel am Po. Was kann das sein?

Dr. Thomas Schindler: Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Um dies sicher beurteilen zu können, müssten wir uns den Befund ansehen. So wie Sie Ihre Beschwerden schildern, kann es sich um eine Thrombose der analen Blutgefäße oder eine Thrombose einer Hämorrhoide handeln.

Frau C.: Was passiert genau bei der Untersuchung?

Dr. Thomas Schindler: Zunächst bitten wir Sie Ihre Beschwerden genauer zu schildern. Üblicherweise schließt sich eine Untersuchung an, bei der der After mit dem Finger ausgetastet wird. Dazu kommt noch eine Proktoskopie oder Rektoskopie, also eine Enddarmspiegelung.

 

Herr H.: Können die Ursachen für in unregelmäßigen Abständen wiederkehrendes hellrotes spritzendes Bluten aus dem After bei bereits mehrmals gekürzten Hämorrhoiden liegen?

Dr. Barbara Peschka: Theoretisch kann dies sein. Die Ursache liegt wahrscheinlich im Stuhlgangsverhalten oder an hartem Stuhlgang. Es sollte zur weiteren Abklärung auf jeden Fall eine Dickdarmspiegelung erfolgen und man müsste sich den Befund mal ansehen.

Herr H.: Geht das auch in Wetzlar?

Dr. Barbara Peschka: Ja sehr gerne, Sie können über unser Sekretariat einen Termin vereinbaren. Die Telefonnummer ist die 06441 79 2276.

 

Herr K.: Ich vermute stark, dass ich Hämorrhoiden habe. Kann ich versuchen, die Beschwerden selbst in den Griff zu bekommen?

Christian Illig: Sie können versuchen, die Konsistenz Ihres Stuhlgangs zu regulieren. z.B. mit indischen Flohsamenschalen in Kombination ausreichend Flüssigkeitsaufnahme. Man sollte die Beschwerden aber unbedingt ärztlich abklären.

 

Frau A.: Guten Abend! Ich wollte fragen, ob man Hämorrhoiden auch selbst irgendwie weg bekommen kann. Ich befürchte, durch meine Schwangerschaft welche zu haben - bin aber noch relativ jung und trau mich damit nicht zum Arzt.

Dr. Barbara Peschka: Schönen guten Abend, gerade in der Schwangerschaft treten durch den erhöhten Druck auf den Beckenboden oft Hämorrhoiden auf. Sie können versuchen viel zu trinken, um den Stuhlgang weich zu halten. Außerdem können Sie Beckenbodengymnastik machen. Pressen sollte möglichst vermieden werden. Sie können sich aber auch sehr gerne einen Termin in unserer Sprechstunde vereinbaren, dann können wir dies genauer besprechen.

Frau A.: Kann ich mir aussuchen, bei wem ich den Termin möchte? Ich bin nicht schüchtern, finde dieses Thema hier aber sehr sensibel.

Dr. Barbara Peschka: Das kann ich gut verstehen. In der Regel mache ich die Sprechstunde. Wenn Sie einen Termin ausmachen, können Sie dies aber auch nochmal explizit sagen, dass Sie von einer Frau untersucht werden wollen. Dann wäre noch eine Schwester im Raum.

 

Frau A.: Ah super, das beruhigt mich total, dann werde ich mich Anfang nächster Woche telefonisch mal melden. Vielen lieben Dank und einen schönen Abend!

Dr. Barbara Peschka: Sehr gerne. Ihnen auch einen schönen Abend.

Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger/in

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger/in an Alexander Daniel und Sonja Müller. Der Chat fand am Donnerstag, 19. Januar 2017, statt.

Thema: Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger/in

Frage: Wie findest du die Ausbildung bis jetzt? Ich will die Ausbildung auch gerne anfangen.

Sonja Müller: Hallo, mir gefällt die Ausbildung bisher sehr gut, ich bin im 2. Lehrjahr und habe bisher vier praktische Einsätze absolviert. Die Ausbildung besteht aus abwechselnden Theorie- und Praxisblöcken. Hast du dich schon bei uns beworben?

Nein, ich bin noch unentschlossen, hast du schon mal etwas Negatives erlebt?

Sonja Müller: Natürlich gibt es manchmal belastende Situationen im Stationsalltag, aber die Freude des Berufs überwiegt definitiv. Schüler werden in ihren Praxiseinsätzen häufig sehr gut ins Team einer Station integriert und viele bereits examinierte Pflegekräfte sind bereit, einem neue Tätigkeiten beizubringen.

 

Frage: Hallo Herr Daniel, ich habe Interesse an einer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sollte ich vorher ein Praktikum machen?

Alexander Daniel: Hallo, um einen Einblick in die Gesundheits- und Krankenpflege zu bekommen, empfehlen wir allen Bewerbern ein 14-tägiges Praktikum im Pflegebereich eines Krankenhauses. Dieses Praktikum können Sie gerne in unserem Haus absolvieren. Bei Interesse setzen Sie sich bitte zur Terminabsprache mit unserer Pflegedirektion in Verbindung. Sie erreichen die Pflegedirektion am Standort Wetzlar unter 06441-79-2201 und am Standort Dillenburg unter 02771-396-4002.

 

Frage: Ich werde im Sommer 16 Jahre alt. Wann kann ich mit der Ausbildung beginnen? Ich möchte gerne an den Lahn-Dill-Klinken die Ausbildung machen.

Sonja Müller: Hallo. Ja, man kann mit 16 Jahren eine Ausbildung in unserem Haus beginnen, man arbeitet bis zu seinem 18. Geburtstag allerdings unter den Bedingungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Beendest du dieses Jahr die Schule und möchtest dich bei uns bewerben?

Im Sommer mache ich den Realschulabschluss. Meine Noten sind so zwischen 3 und 3,5.

Sonja Müller: Hast du schon mal ein Praktikum im pflegerischen Bereich absolviert?

Ein Praktikum habe ich noch nicht gemacht, würde es aber gerne tun.

Sonja Müller: Dann bewirb dich doch für ein 14-tägiges Praktikum im Pflegebereich eines Krankenhauses. Dieses Praktikum kannst du auch bei uns machen. Hier kommen die Kontaktdaten: Standort Wetzlar: Tel. 06441-79-2201, Standort Dillenburg: Tel. 02771-396-4002.

 

Frage: Wie sieht es mit Tattoos und Piercings aus? Kann ich die bei der Arbeit tragen?

Alexander Daniel: Hallo, vielen Dank für Ihre Frage, die immer wieder kommt. Tattoos sind hygienisch überhaupt kein Problem und Piercings an den meisten Stellen des Körpers auch. Schwierig sind Piercings, die einen Einfluss auf die Hygiene haben.

 

Frage: Was könnte mich überzeugen eine Ausbildung in der Krankenpflege zu beginnen?

Alexander Daniel: Es gibt viele Argumente, um diesen wunderbaren Beruf zu erlernen: Es ist ein zukunftssicherer Beruf mit vielen Möglichkeiten und auch Karriereperspektiven.

Sonja Müller: Und ich ergänze mal: Was mich in dieser Ausbildung immer wieder fasziniert, ist der Kontakt mit so vielen Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Arbeit auf einer Station im Krankenhaus bringt viel Freude mit sich und man gewinnt im Ausbildungskurs viele neue Freunde, die die gleiche Gesinnung haben.

Wer würde mich durch die Ausbildung begleiten?

Alexander Daniel: In der Ausbildung werden Sie zum einen im Kurs durch eine Kursleitung über die gesamten drei Jahre begleitet. Im praktischen Einsatz bekommen Sie außerdem eine pädagogisch weitergebildete Praxisanleiterin an die Seite, die Sie in der praktischen Ausbildung unterstützt. Dazu kommen zahlreiche Lernangebote wie die Ausbildungsstation, wo Sie durch die Ausbildungskoordinatorin begleitet werden.

Das hört sich gut an! Kann ich mich schon während meiner Ausbildung um eine "Karriereplanung“ kümmern bzw. mich orientieren, was nach meiner Ausbildung kommen könnte? Wie sieht es mit Studium aus?

Alexander Daniel: Da sind Sie bei den Lahn-Dill-Kliniken genau richtig: Wenn Sie eine Hochschulzugangsberechtigung mitbringen, können Sie sich schon während der Ausbildung um einen dualen Studienplatz bewerben. So können Sie die Pflegeausbildung und das Studium dual absolvieren.

Da ich weiß, dass Dienste auch mal herausfordernd sind, würde ich gerne wissen, ob auch ein körperlicher oder geistiger Ausgleich, z.B. Betriebssport o.ä. angeboten wird?

Alexander Daniel: Sie können im  Rehazentrum "kerngesund!" auf dem Klinikgelände trainieren, außerdem erhalten Sie auch Vergünstigungen bei anderen Fitnessstudios.

In welchen Bereichen setzen Sie Auszubildende ein? Gibt es Wahlmöglichkeiten? Wie genau sehen Unterrichtszeiten aus?

Alexander Daniel: Die Einsätze sind neben der Chirurgie, der Inneren Abteilung, der Gynäkologie und der Kinderheilkunde auch der ambulante Dienst und die Notaufnahme. Bei Interesse erhalten Sie einen Einblick ins Case Management, die Intensivstationen, den OP oder die Anästhesie. Auch Spezialbereiche wie die Dialyse oder die Operative Tagesklinik sind möglich. Die Einsätze werden grundsätzlich immer in Absprache mit den Schülern durch die Schul- und Kursleitungen geplant.

 

Frage: Ich mache im Sommer mein Abitur, wollte eigentlich gerne studieren (habe auch gute Noten). Wichtiger wäre mir aber eine fundierte Ausbildung. Ich habe schon ein Praktikum im Krankenhaus gemacht und würde gerne die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin machen. Welche Studienmöglichkeiten habe ich mit dieser Ausbildung?

Alexander Daniel: Das Schöne an den Lahn-Dill-Kliniken ist, dass Sie auch schon parallel zur Ausbildung studieren können. So vereinen Sie beides gut miteinander.

Das klingt gut. Habe ich auch Chancen, anschließend im Unternehmen einen Arbeitsplatz zu bekommen?

Alexander Daniel: In den letzten Jahren konnten wir allen Auszubildenden, die in der regulären Ausbildungszeit die Ausbildung beendet haben, ein Angebot zur Übernahme machen. Und ich gehe fest davon aus, dass der Bedarf an Pflegekräften in den kommenden Jahren weiter anhalten wird.

Gibt es noch Ausbildungsplätze im Herbst? Könnte mir auch vorstellen, erst mal für ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen, kann ich auch nächstes Jahr im Frühjahr anfangen?

Alexander Daniel: Ja, im Herbst sind noch Ausbildungsplätze zu besetzen. Grundsätzlich kann man sagen: Je früher Sie sich bewerben, umso größer sind Ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Dankeschön, schicke die Bewerbung dann mal los.

 

Frage: Sind alle Arten von Abschlüssen für die Bewerbung zugelassen? Also von Hauptschule bis Abitur oder gibt es Grenzen?

Alexander Daniel: Formal geht alles oberhalb des qualifizierten Hauptschulabschlusses. Gut wäre allerdings ein Realschulabschluss.

 

Frage: Hallo meine Damen und Herren, ich wollte mal fragen, welche die genauen Aufgaben eines Gesundheits- und Krankenpflegers sind und wie ich mir so den genauen Alltag vorstellen kann? Gibt es eine Art roten Faden in der Pflege?

Alexander Daniel: Kurz gesagt: Sie lernen alles, um eine gute Pflege durchführen zu können. Dazu zählt zum Beispiel das Betreuen und Beobachten von Patienten in stationären Einrichtungen oder im ambulanten Bereich. Ihre Aufgaben liegen in der eigenständigen Grund- und Behandlungspflege. Das bedeutet, dass Sie Patienten z.B. waschen und betten, ihnen Verbände wechseln oder ihnen nach ärztlicher Anordnung Medikamente verabreichen. Weiter: Sie sind Assistenten bei ärztlichen Untersuchungen und operativen Eingriffen, sie bedienen und überwachen medizinische Apparate und begleiten den Arzt oder die Ärztin auf Visiten. Gesundheits- und Krankenpfleger/innen sind auch mit der Erstellung von Pflegeplänen, deren Auswertung sowie der Pflegedokumentation betraut. Schließlich beraten sie Patienten und helfen, deren Selbstständigkeit zu fördern. All dies lernen Sie in der Ausbildung.

 

Frage: Ich bin 17 Jahre alt und männlich, muss ich auch Frauen pflegen?

Sonja Müller: Tendenziell ja. Hast du schon mal ein Praktikum im Krankenhaus gemacht, um herauszufinden, ob dir eine solche pflegerische Tätigkeit etwas ausmachen würde?

Nein, mache meinen Realschulabschluss im Sommer und will in den Osterferien ein Praktikum in der Pflege machen. Ich hatte bisher Schulpraktika als Elektriker und in der Metallverarbeitung. Beides war nicht so mein Ding. Das Sozialpraktikum in der betreuten Nachmittagsschule war anstrengend, hat aber mehr Spaß gemacht. Kann ich im Krankenhaus ein Praktikum machen und wo muss ich mich melden?

Sonja Müller: Ja das geht. Das Praktikum dauert 14 Tage und du kannst es auch bei uns machen. Hier kommen die Kontaktdaten: Standort Wetzlar: Tel.06441-79-2201, Standort Dillenburg: Tel. 02771-396-4002.

 

Frage: Man weiß ja, dass jede Frau auch mal eine Familie gründen möchte. Kann sie dann später auch mal sagen, dass sie keine Nachtschicht machen möchte? Könnte man das dann so einrichten, dass sie vielleicht nur noch Früh- und Spätschichten macht?

Alexander Daniel: Das Schöne an der Ausbildung ist, dass ich danach in viele unterschiedliche Bereiche gehen kann. Und da es auch Bereiche gibt, in denen kein Nachtdienst notwendig ist (z.B. Dialyse) kann man sich später auch auf einen solchen Bereich bewerben.

 

Frage: Hallo, meine Frage zu der Ausbildung: Wie ist der theoretische Teil der Ausbildung aufgebaut?

Sonja Müller: Hallo. Die Ausbildung ist so strukturiert, dass wir wechselnd Theorie- und Praxiseinsätze (jeweils ca. 6 Wochen lang) absolvieren. Der erste Theorieblock ist 12 Wochen lang, man hat keine typischen Schulfächer mehr, sondern die Untergliederung erfolgt nach Themenbereichen, die sowohl medizinisch-naturwissenschaftliches sowie sozialwissenschaftliches und rechtliches Wissen vermittelt wird. Im ersten theoretischen Block schreibt man 10 Klausuren zu den in diesem Zeitraum behandelnden Themen. Im weiteren Verlauf der Ausbildung schreibt man weiterhin Klausuren, aber es kommen auch Fallbeispiele, auf die man das erlernte Wissen anwendet.

Ok danke. Wie sind die Lehrer so?

Sonja Müller: Unsere Lehrer sind nett und auch sehr offen. Jeder Lehrer hat seine eigenen Unterrichtsfelder und ist bemüht, uns deren Inhalt verständlich zu vermitteln.

Was wird bei der Bewerbung nicht gerne gesehen? Also z.B. Tattoos und Piercings?

Sonja Müller: Also Tattoos sind gar kein Problem. Für Piercings gilt dies ebenso, sie müssen nur im praktischen Ausbildungsteil abgelegt werden, wenn sie die Hygiene "behindern".

Was genau heißt Hygiene behindern? Also was darf man nicht haben?

Sonja Müller: Also z.B. müssten Piercings im Gesicht abgelegt werden, da Patienten sich beispielsweise in einer Paniksituation an Ihnen festhalten und dich somit verletzten könnten. Bezüglich der Hygiene ist gemeint, dass die Haut desinfizierbar sein muss, deswegen darf man z.B. auch keinen Schmuck tragen.

 

Frage: Hi, wie viel verdient man in der Ausbildung?

Alexander Daniel:

◦1. Ausbildungsjahr 1.040,69 €
◦2. Ausbildungsjahr 1.102,07 €
◦3. Ausbildungsjahr 1.203,38 €

 

Frage: Im Praktikum im Krankenhaus habe ich mich über die Ausbildung schon informiert. Ich bin erst 17 und habe noch keinen Führerschein. Es müssen aber wohl auch Außeneinsätze absolviert werden. Kann ich mich trotzdem bewerben?

Alexander Daniel: Auf jeden Fall. Wir können Ihnen ein Wohnheimplatz anbieten. Der Außeneinsatz wird bei Ihnen dann in Laufnähe sein. Wir freuen uns daher auf Ihre Bewerbung.

Dankeschön, da bin ich beruhigt und werde eine Bewerbung schicken.

 

Frage: Guten Abend. Kann ich auch als Kleinwüchsiger bei Ihnen anfangen? In anderen Kliniken wurde ich schon abgelehnt.

Sonja Müller: Hallo Kevin. Ja das geht, warum nicht?

Und wie sieht es mit fehlenden Extremitäten aus?

Alexander Daniel: Das entscheidet der Betriebsarzt bei der Einstellungsuntersuchung.

 

Frage: Wie ist die Theorie- und Praxiszeit aufgeteilt?

Sonja Müller: Hallo. Wir haben im Wechsel Theorie- und Praxisblöcke (jeweils ca. 6 Wochen lang, abgesehen vom ersten Einsatz).

 

Frage: Welche Voraussetzungen gibt es, um diesen Beruf erlernen zu können?

Alexander Daniel: Formal: Schulabschluss (mindestens qualifizierter Hauptschulabschluss, besser Mittlere Reife), gesundheitliche Eignung, keine Einträge im Führungszeugnis und wenn Sie noch ein Praktikum gemacht haben, umso besser.

Das klingt gut. Dann werde ich mich demnächst bei Ihnen bewerben.

Alexander Daniel: Ich freue mich auf Ihre Bewerbung.

 

Frage: Guten Abend, Welche Studiengänge nach der Ausbildung sind möglich?

Alexander Daniel: Schon heute können Sie an den Lahn-Dill-Kliniken dual zur Ausbildung studieren.

Ansonsten können Sie nach der Ausbildung

-Pflegepädagogik

- Pflegemanagement

- Pflegewissenschaft

oder auch Klinische Pflege (Psychiatrische Pflege, Wundmanagement, etc.) studieren.

Ginge auch Psychologie? Und kann man diese Studiengänge auch ohne Fachabitur bzw. Abitur machen?

Alexander Daniel: Duale Studiengänge gehen mit Fachabitur. Psychologie geht nur mit allgemeiner Hochschulreife.

Vielen Dank! Bezahlt das Klinikum Studiengänge?

Alexander Daniel: Ja, jedes Jahr werden Stipendien vergeben.

Wie viele Urlaubstage stehen einem im Jahr zu und kann man als Schüler mitentscheiden wann?

Alexander Daniel: 29 Tage. Die meisten sind (wie an fast allen Krankenpflegeschulen) fest vorgeplant. Ein Teil der Tage kann aber frei gewählt werden.

Was bedeutet ein Teil? Haben die Azubis denn oft Probleme auf Station oder werden sie gut behandelt?

Alexander Daniel: Auf jeder Station sind speziell weitergebildete Praxisanleiter, die Sie in der praktischen Ausbildung unterstützen. Und wenn es mal knirscht, vermittelt die Krankenpflegeschule gerne. Der Urlaub ist zum überwiegenden Teil vorgeplant. Wenn jedoch begründet davon abgewichen werden muss (z.B. bei Müttern mit Kindern), dann machen wir auch mehr möglich.

Das klingt sehr gut, da ich ein Kind habe. Wie qualifiziert ist das Lehrerpersonal?

Alexander Daniel: Dann schlage ich vor, Sie bewerben sich und wir besprechen das Ganze. Das gesamte Lehrpersonal ist durch das Regierungspräsidium als Lehrkraft an Krankenpflegeschulen zugelassen. Sie profitieren von unterschiedlichen Qualifikationen und Fachweiterbildungen der Lehrkräfte.

Sehr gut...habe Angst, dass es etwas wie in der normalen Schule ist und ich schon etwas älter bin.

Alexander Daniel: Der Vorteil in den Aprilkursen ist, dass Sie dort mehrere Azubis mit Kindern haben. Und auch der Altersdurchschnitt ist in den Aprilkursen etwas höher.

 

Frage: Hallo, ich würde gerne wissen, wie lange die Ausbildung dauert und ob man sich noch nach Möglichkeit weiterbilden kann.

Sonja Müller: Hallo. Die Ausbildung dauert insgesamt 3 Jahre. Im Wechsel haben wir Praxis- und Theorieblöcke (jeweils ca. 6 Wochen, außer dem ersten Einsatz).

Es gibt verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten:

Aufstiegsweiterbildungen kannst du in ganz vielen verschiedenen Bereichen oder für unterschiedliche Abteilungen absolvieren. So gibt es beispielsweise die Fachweiterbildungen für Intensiv- und Anästhesiepflege, für Gerontopsychiatrie, für Onkologische Pflege oder auch den Operationsdienst. Genauso gut kannst du dich auch zum Praxisanleiter oder zur Praxisanleiterin ausbilden lassen.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, einen komplett neuen Berufstitel zu erwerben und beispielsweise eine Weiterbildung zur Hygienefachkraft, zur Fachkraft zur Leitung einer Funktionseinheit, zum Qualitätsmanager, zum Auditor, zum Case Manager, zum Wundmanager oder zum Fachwirt in der Alten- und Krankenpflege, im Sozialwesen oder für Notfallmedizin zu machen.

Hochschulstudium
Hast du neben deinem Ausbildungsabschluss auch (Fach-)Hochschulreife, kannst du ein weiterführendes Studium anhängen – beispielsweise in den Studiengängen Pflegewissenschaften, Pflegemanagement, Pflegepädagogik oder Gesundheitsmanagement.

Ab wann könnte man sich denn für wann bewerben? Ich kenne viele Leute aus den Kliniken und habe schon viel Positives gehört.

Sonja Müller: Je schneller du dich bewirbst, desto besser. Wir bieten zweimal im Jahr (April und Oktober) neue Ausbildungskurse an.

Schmerztherapie nach der OP

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Schmerztherapie nach der OP an Dr. med. Jörg Engel und Dr. med. Monika Deutscher. Der Chat fand am Montag, 21. November 2016, statt.

Thema: Schmerztherapie nach der OP

Frage von Herrn S.

Herr S.: Nach meiner letzten OP am Bauch hatte ich sehr starke Schmerzen, aber kein Arzt schien zuständig, welcher Arzt ist auf die Station für mich da?

Dr. med. Monika Deutscher: Grundsätzlich ist der Stationsarzt für Sie zuständig, allerdings gibt es für alle Operationen Schmerzschemata. Ansprechpartner ist natürlich immer zuerst das Pflegepersonal.

 

Frage von Frau H.

Frau H.: Wie sieht die Schmerztherapie nach einer Hüft-OP aus? 

Prof. Dr. med. Jörg Engel: Eine Hüft-OP ist eine größere Operation. Für große Eingriffe gibt es feste Schmerzschemata, die jeweils an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.

Ein Schmerzschema ist eine Zusammensetzung verschiedener Schmerzmittel und stellt eine Basis-Therapie dar. Da der Schmerz im Laufe des Tages nicht immer gleich stark ist, kann man auf dieser Grundlage individuell die Schmerzspitzen gut angehen. Voraussetzung ist, dass die Schmerzstärke erfasst und dokumentiert wird. Schmerzschemata bedeuten, dass der Patient nicht in ein Schmerzloch fällt.

 

Frage von Herrn R.

Herr R.: Guten Abend, bei mir steht eine größere Darm-Operation an. Vor der OP habe ich eigentlich keine Angst, aber vor den Schmerzen danach. Was raten Sie mir?

Dr. med. Monika Deutscher: Solche Operationen werden in einer Kombination von Schmerzverfahren operiert. Einmal wird ein Schmerzkatheter gelegt. Außerdem werden dann nach einem Schmerzschema Medikamente verordnet.

Wichtig ist auch, dass der Patient sich im Vorfeld gut informiert, über unterschiedliche Narkoseverfahren und schmerztherapeutische Möglichkeiten Kenntnis hat und im vorbereitenden Narkoseaufklärungsgespräch seine Fragen stellen kann. Ein informierter Patient ist für uns sehr wichtig.

Prof. Dr. med. Jörg Engel: Auf unserer Homepage bieten wir Ihnen Informationen zum Download an: "Keine Angst vor Schmerzen" und "Schmerz - nein danke". In diesen Flyern sind wesentliche Fragen beantwortet. Diese ersetzen aber das persönliche Gespräch mit dem Anästhesisten nicht. Nur in diesem Gespräch kann ein maßgeschneidertes Vorgehen festgelegt werden.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Ich bin vor wenigen Tagen operiert worden und bin derzeit noch im Krankenhaus. Ich erhalte mehrmals täglich Schmerzmittel, möchte das aber eigentlich nicht, da ich generell so wenig Medikamente nehme wie möglich.

Dr. med. Monika Deutscher: Es ist ganz wichtig, dass die Schmerzmittel gerade in den ersten Tagen postoperativ regelmäßig eingenommen werden, um immer einen ausreichenden Medikamentenspiegel zu haben. Erst im weiteren postoperativen Verlauf kann man dann die Medikation reduzieren bzw. nach Bedarf anordnen.

Um sich nach einer Operation zu erholen, ist Schmerzfreiheit wichtig. Schmerzen machen Stress, führen zu Schlafstörungen und können auch andere Komplikationen hervorrufen. Ein schmerzfreier Patient hat weniger Komplikationen, kommt schneller auf die Beine, kann sich besser bewegen und der Erfolg der Operation ist besser gewährleistet.

Wenn die Blase drückt - Harnverlust und Reizblase

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Harnverlust und Reizblase an Dr. med. Jörg Timmer und Tobias Mallock. Der Chat fand am Montag, 31. Oktober 2016, statt.

Thema: Harnverlust und Reizblase

Frage von Herrn W.

Herr W.: Sehr geehrte Herren, ich leide vorher an Urinverlust wenn ich zur Toilette muss. Meine Prostata ist altersgemäß vergrößert. Bis jetzt wurde mir Beckenbodentraining empfohlen.

Tobias Mallock: Guten Abend Herr W. Urinverlust auf dem Weg zur Toilette, wie Sie es beschreiben, klingt nach einer Form der Dranginkontinenz. Kennen Sie Ihre Prostatagröße, wenn Sie von altergemäßer Vergrößerung schreiben? Wie häufig kommt der Urinverlust bei Harndrang denn vor?

Herr W.: Vielen Dank für die schnelle Antwort. Bei meinen regelmäßigen Kontrollen wurde mir immer nur diese Auskunft gegeben. Der Urinverlust kann 2 oder 3x vor dem Wasserlassen auftreten.

Tobias Mallock: Sind sie bereits in urologischer Betreuung? Anders gefragt, ist der Urinverlust täglich, oder gibt es auch Phasen ohne Urinverlust? Wie ist der Harnstrahl beim Wasserlassen? Wie oft stehen Sie nachts zur Toilette auf?

Herr W.: Urinverlust kann täglich auftreten, muss aber nicht. Der Harnstrahl ist normal. Nach Einnahme von Prostagutt forte muss ich kaum noch nachts aufstehen. Bin in urologischer Betreuung.

Tobias Mallock: Führen Sie die urologische Vorsorge bitte unbedingt weiter, nur so kann der Punkt erkannt werden, an dem eine rein medikamentöse Therapie erschöpft ist. Wird dieser Punkt verpasst, könnten Sie unter Umständen Gefahr laufen, nicht nur die Muskulatur Ihrer Harnblase, sondern auch Ihre Nieren zu schädigen. Die medikamentöse Therapie kann häufig den Leidensdruck zwar vorübergehend senken, das eigentliche Problem dahinter jedoch nicht lösen.

Oft ist nicht allein die Größe der Prostata ausschlaggebend, sondern das Ausmaß der Obstruktion, also der Einengung der Harnröhre durch die Prostata. Das kann relativ einfach und unkompliziert mit einer Harnstrahlmessung objektiviert werden.

Sollte sich eine Obstruktion durch die Prostata bestätigen, so sollte auch über die operative Therapie gesprochen werden. Gerne können Sie dieses Gespräch und falls notwendig ergänzende Untersuchungen in unserer Klinik vorstellen. Sprechen Sie sich kurz mit Ihrem Urologen ab, die Terminvereinbarung an unserem Haus ist relativ unkompliziert unter 06441-792426 möglich, berufen Sie sich dann einfach auf unsere Unterhaltung.

Herr W.: Vielen Dank für die Hinweise.

Tobias Mallock: Gerne Herr W. Vielen Dank für Ihre Frage - alles Gute!

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Guten Abend, ich bin 38 Jahre alt und habe seit der Geburt meines vierten Kindes Probleme mit Urinverlust. Ich mache bereits regelmäßig Beckenbodentraining, aber es hat bisher nichts gebracht. Was empfehlen Sie mir?

Dr. med. Jörg Timmer: Hallo Frau B., um helfen zu können muss man sicher mehr wissen, z.B. bei welchen Gelegenheiten der Urinverlust auftritt - eher beim Husten, Niesen, Lachen, Heben etc. oder in Zusammenhang mit Harndrang. Ferner sollte ein Gynäkologe untersuchen, ob eine begleitende Senkung der Blase/Harnröhre vorliegt. Sind Sie schon bezüglich der Beschwerden vom Arzt untersucht worden und was waren die Ergebnisse?

Frau B.: Der Urinverlust tritt vor allem beim Husten und beim Joggen auf. Ich war beim Frauenarzt, der konnte aber nichts Ungewöhnliches feststellen.

Dr. med. Jörg Timmer: Das klingt am ehesten nach einer sogenannten Belastungsinkontinenz, die gemäß Leitlinie zunächst durch Kräftigung des Beckenbodens behandelt wird. Um über den Tag zu kommen, gibt es diverse Hilfsmittel wie Inkontinenztampons - z.B. Contam - oder sogenannte Urethrapessare, die in die Scheide eingeführt werden und die Harnröhre so eindrücken, dass bei den von Ihnen genannten Gelegenheiten kein Urin verloren geht. Sie sollten Ihren Gynäkologen oder Ihre Gynäkologin aktiv auf den Harnverlust ansprechen. Sollte er nicht weiter wissen, kann er Sie gerne in unsere Kontinenzsprechstunde in der Frauenklinik Wetzlar überweisen – Tel. für Terminvereinbarung: 06441 792301.

Frau B.: Das werde ich machen, vielen Dank und noch einen schönen Abend!

 

Frage von Herrn A.

Herr A.: Hallo, unser Sohn ist 6 Jahre alt und schafft es nicht über den Tag trocken zu werden. Er hat am Tag so zwischen zwei und fünf nasse Hosen. Der Kinderarzt hatte letztes Jahr eine zu kleine Blase und Reizblase festgestellt. Mit Mictonetten über 3 Monate gab es keine Verbesserung. Außerdem ist unser Sohn so sehr in sein Spiel vertieft, dass er dem Toilettengang nur wenig Aufmerksamkeit schenkt.

Tobias Mallock: Guten Abend. War Ihr Sohn bereits einmal trocken?

Herr A.: Nein, bisher noch nicht.

Tobias Mallock: Zur Empfehlung einer weiteren Therapie wäre es wichtig, das Blasenvolumen zu kennen. Zusätzlich wäre ein Tagebuch über das Wasserlassen, wir sagen "Miktionstagebuch" dazu, wichtig.

Herr A.: Wir hatten neulich nochmal sporadisch gemessen, da musste er dringend, und es kamen weiterhin nur 30-50 ml aus der Blase. Letztes Jahr im Sommer war das Blasenvolumen etwa gleich.

Tobias Mallock: Gerne können Sie sich mit Ihrem Sohn in unserer urologischen Kindersprechstunde vorstellen. Dort wird ein Ultraschall durchgeführt und auch ein Miktionsprotokoll ausgehändigt. Zur Terminvereinbarung könnten Sie sich telefonisch unter 06441-792426 an unser Sekretariat wenden. In Abhängigkeit von den Untersuchungsergebnissen kann dann ein individueller Therapieplan erstellt werden.

Herr A.: Ok, wird hierfür eine Überweisung vom Kinderarzt benötigt?

Tobias Mallock: Eine Überweisung ist hilfreich, fragen Sie bitte einfach bei der telefonischen Terminvereinbarung zur Sicherheit nochmal nach. Unsere urologische Kindersprechstunde findet dienstags statt.

Herr A.: Alles klar, vielen Dank!

Tobias Mallock: Gerne.

 

 

Frage von Frau R.

Frau R.: Hallo, ich habe das Gefühl, dass meine Blase nie richtig leer wird beim Wasserlassen. Das ist abends schlimmer als morgens. War noch nicht beim Arzt. Ich bin 67 Jahre alt.

Dr. med. Jörg Timmer: Hallo Frau R., es gibt sicher viele Gründe, warum eine Blase nicht leer wird. Der häufigste Grund ist sicher bei Frauen, dass eine Senkung der Blase oder der Gebärmutter vorliegt. Das kann der Gynäkologe leicht feststellen. Ergänzende Fragen: 1. Haben Sie schon Kinder geboren? 2. Haben Sie das Gefühl, dass etwas aus ihrer Scheide heraustritt oder im Bereich der Scheide drückt?

Frau R.: Ich habe ein Kind. Ja, da ist seit mehreren Monaten ein Druckgefühl. Es hat angefangen, als ich eine Erkältung mit starkem Husten hatte.

Dr. med. Jörg Timmer: In der Tat klingt das nach einer Senkung, die die Blasenentleerung behindert. Wichtig ist nun festzustellen, wie ausgeprägt die Senkung ist und welche Organe wirklich gesenkt sind und wieviel Urin in der Blase zurückbleibt und ob zusätzlich ein Harnwegsinfekt besteht. Die Behandlung der Senkung kann mit einer sogenannten Pessartherapie erfolgen, bei der eine angepasste Gummischale oder ein Würfel in die Scheide gelegt wird, womit die Harnröhre angehoben und damit die Blasenentleerung ermöglicht wird. Wenn das für Sie nicht tolerabel ist kann eine Senkung auch sehr erfolgreich operiert werden. Auf jeden Fall sollten sie den Zustand frauenärztlich abklären lassen, um Folgeschäden an Blase und Niere zu vermeiden. Auf Wunsch können Sie sich mit Überweisung durch den Frauenarzt oder die Frauenärztin auch in unserer urogynäkologischen Spezialsprechstunde (Tel. für Termine 06442-792301) vorstellen.

Frau R.: Vielen Dank.

 

Frage von Herrn S.

Herr S.: Immer wieder spontaner Harndrang mit oder sehr oft bei nicht voller Blase bei einer 90ml-Prostata und 3 Jahre nach einer PCA-Bestrahlungstherapie (Tomo- u. Protonen) in Heidelberg! Was tun?

Tobias Mallock: Guten Abend. Das von Ihnen beschriebene Problem ist nicht ungewöhnlich bei einer Prostata mit entsprechender Größe sowie nach Bestrahlung. Welche Therapieversuche haben Sie bereits unternommen? Haben Sie einen Urologen, der den Verlauf Ihrer Krebserkrankung beobachtet?

Herr S.: Habe wohl kompetenten Urologen, aber wenig Zeit für Dialog. PSA von 0,05 im Herbst 2013 und derzeit 0,27, d.h. hier 3 Jahre nach Bestrahlungstherapie, Spasmex 30 hat nichts gebracht. Zeitweise auch Brennen beim Wasserlassen.

Tobias Mallock: Es gibt theoretisch viele Ursachen für Ihre geschilderten Symptome: Ein Harnwegsinfekt könnte Ihre beschriebenen Beschwerden hervorrufen, das kann recht einfach untersucht werden, ggf. ergänzend mit einer Urinkultur. Eine Bestrahlung kann ebenfalls unter Umständen ähnliche Effekte hervorrufen, auch wenn das Bestrahlungsfeld sicherlich genau und so klein wie möglich angepasst wurde. Diese Symptome äußern sich dann oft erst Jahre später. Vor allem aber kann eine Prostatavergrößerung (an dieser Stelle egal ob durch ein Karzinom oder eine Gutartige Vergrößerung) die genannten Symptome mit sich führen. Man spricht von einer Dranginkontinenz. Spasmex oder andere Tabletten sind da unter Umständen wenig hilfreich.

Herr S.: Tabletten hatte ich auch abgesetzt; irritierend ist für mich, dass dieser spontane Harndrang plötzlich entsteht, wenn ich aus dem Auto aussteige, mich am Wasserhahn oder an der Spüle betätige und vorrangig auch in gefühlten Stresssituationen.

Tobias Mallock: Dieses "ohne Vorankündigung", wie Sie es häufig erleben, ist ein typisches Symptom der Dranginkontinenz. Ursächlich ist hierfür häufig ein Ungleichgewicht zwischen der Muskulatur der Harnblase und dem Schließmuskel. Hierfür ist eine Untersuchung notwendig, neben Ultraschall wird auch eine Harnstrahlmessung zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen. Wenn Sie wünschen, können Sie gern in Rücksprache mit Ihrem Urologen einen Termin in unserer Klinik zum Gespräch vereinbaren.

 

Frage von Frau E.

Frau E.: Guten Abend Herr Dr. Timmer, ich leide unter ständigem Harndrang und muss teilweise jede Stunde zur Toilette. Das schränkt mich im Alltag sehr ein. Ich bin 45 und habe keine Kinder.

Dr. med. Jörg Timmer: Was Sie schildern, klingt zunächst mal nach einer Reizblase, was natürlich noch keine Diagnose ist, sondern eine genaue Ursachensuche erfordert. Folgende Fragen wären wichtig zu beantworten:

- Wird die Blase wirklich leer, d.h. es muss erst mal bestimmt werden ob Urin in der Blase zurückbleibt und wieviel.
- Sind Erkrankungen der Nerven bekannt (z.B. durch Wirbelsäulenerkrankungen mit Einengung des Wirbelkanals, neurologische Allgemeinerkrankungen wie MS, Diabetes mit Schäden der Nerven durch die Zuckererkrankung)?

Frau E.: Ich bin Diabetikerin und leide auch oft unter Rückenschmerzen. Ob die Nerven schon geschädigt sind, weiß ich nicht. Es wurde noch nichts festgestellt

Dr. med. Jörg Timmer: Was sollten sie also tun? Es sind hier sicher mehrere Fachabteilungen gefragt, die z.B. in unserem Beckenbodenzentrum vertreten sind.

Urologischerseits könnte die Blase untersucht werden und der Vorgang des Wasserlassens. Das geschieht durch eine sogenannte Urodynamik mit Messung des Drucks in der Harnröhre und der Blase und Überprüfung Ihres Harnstrahls. Selbstverständlich wird hierbei auch die zuvor genannte Restharnmenge bestimmt und ob Bakterien im Urin sind. Je nach Ergebnis der Untersuchung sollte ergänzend eine neurologische Untersuchung zum Ausschluss von Nervenschäden durch den Diabetes oder Rückenmarksschäden erfolgen. Ggf. ist auch eine Röntgen oder MRT Schnittbilduntersuchung der Wirbelsäule erforderlich. Wenden Sie sich gerne für die Veranlassung der genannten Untersuchung an die Urologische Sprechstunde unseres Beckenbodenzentrums (mit Überweisung durch den Hausarzt und Terminvereinbarung über Tel: 06441792426). Wenn hier festgestellt wird, dass auch eine Genitalsenkung vorliegt, stellen sie die dortigen Kollegen auch in der Frauenklinik vor.

Frau E.: Danke. Bekomme ich dort auch den Termin für die Untersuchung der Wirbelsäule?

Dr. med. Jörg Timmer: Zunächst sollte mal grundlegend festgestellt werden, ob eine solche Untersuchung zwingend erforderlich ist oder eher andere Gründe als die Wirbelsäule für Ihre Beschwerden verantwortlich sind. In Zusammenarbeit mit dem einweisenden Arzt, der sie betreut, kann dann die weitere Diagnostik veranlasst werden.

Frau E.: Ok. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Aortenaneurysma - Gefahr ohne Symptom

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Aortenaneurysma an Dr. med. Jörg Bindewald und Dr. med. Claudia Ellert. Der Chat fand am Donnerstag, 13. Oktober 2016, statt.

Thema: Aortenaneurysma

Frage von Herrn R.

Herr R.: Guten Tag, ich habe seit mehreren Jahren eine Erweiterung der Hauptschlagader am Herzen. Die Größe beträgt derzeit etwa 5 cm. Ich bin in Behandlung und werde regelmäßig mit Ultraschall überwacht (alle 6 bis 12 Monate). Auf meine Frage, ob eine Operation erforderlich ist, wurde mir von meinem Arzt zunächst abgeraten. Man würde erst bei einer Ausweitung ab 5,5 cm operieren. Was ist Ihre Aussage dazu?

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend Herr R., ab 5,0 cm bis 5,5 cm Durchmesser besteht durchaus eine Indikation, das Aneurysma auszuschalten. Es hängt viel vom Aussehen des Aneurysmas ab. Ist es beispielsweise ein spindelförmiges Aneurysma oder ein sackförmiges Aneurysma? Das lässt sich im Ultraschall etwas abschätzen, sehr gut ist es im CT zu sehen. Wenn Sie mögen: Eine unverbindliche Untersuchung einschließlich Ultraschall bieten wir in unserer Gefäßsprechstunde (Tel. 06441-79-2491) an.

Herr R.: Die Frage des Aussehens kann ich Ihnen derzeit nicht beantworten. Ich habe ab auch schon mehrere CTs gemacht, die ich bei meinen Unterlagen habe.

Dr. med. Jörg Bindewald: Ach so, es gibt schon CTs. Wenn gewünscht: Die CT-Bilder schauen wir uns gerne an. Egal ob als CD oder Printbild. Einschließlich unverbindliche Beratung bzw. gemeinsames Betrachten der Bilder.

Herr R.: Vielen Dank. Ich melde mich mal in Ihrer Sprechstunde.

Dr. med. Jörg Bindewald: Ja, gerne, schönen Abend noch.

 

Frage von Herrn B.

Herr B.: Seit ca. 2,5 Jahren ist bei mir durch einen Zufall ein Aortenaneurysma am oberen Herzbogen entdeckt worden. Dies wird nun im Turnus regelmäßig mittels MRT und Ultraschall im Wechsel untersucht und beobachtet. Nun meine Frage: Da eine Herzklappe leicht beeinflusst wird, könnte es sein, dass mein unregelmäßiger Herzschlag davon beeinflusst wird. Das Aneurysma würde diese "Verformung" teilweise hervorrufen. Wie ist Ihre Meinung dazu? Ich bin 61 Jahre alt und möchte im hohen Alter keine Herzoperation mehr durchführen lassen. Deswegen würde ich einen frühzeitigen Eingriff bevorzugen.

Dr. med. Claudia Ellert: Guten Abend Herr B., prinzipiell wird die Entscheidung zur Operation eines Aortenaneurysmas in Abhängigkeit von der Aneurysmagröße gestellt. Eine Aneurysmaoperation stellt ja doch einen Eingriff mit einem hohen Risiko für Komplikationen im Rahmen der Narkose wie auch der Operation dar. Daher operiert man "hier" nicht verfrüht. Prinzipiell würde das Aneurysma ja wegen der Gefahr der Ruptur (also des Platzens) operiert werden. Diese wird erst ab einer gewissen Größe relevant. Daher wird hier in Abhängigkeit von der Aneurysmagröße und damit des Rupturrisikos operiert.

Herr B.: Danke für Ihre Stellungnahme, welche auch die Meinung meiner behandelnden Ärzte widerspiegelt. Die Aneurysmagröße ist seit der ersten Feststellung unverändert. Mich hat nur die Verformung und teilweise Durchlässigkeit der Herzklappe etwas beunruhigt.

Dr. med. Claudia Ellert: Die Funktion ihrer Herzklappe ist natürlich für uns jetzt schwer einzuschätzen. Da müssten Sie sich tatsächlich auf die Einschätzung Ihrer behandelnden Herzspezialisten verlassen. Sollte die Funktionstüchtigkeit der Herzklappe stark eingeschränkt sein, könnte dies sicherlich unabhängig von der Aneurysmagröße ein Grund für eine Operation sein.

Herr B.: Vielen Dank für Ihre Ausführungen. Ich werde dann bei meiner nächsten Untersuchung diesen speziellen Punkt zu der Herzklappe den Arzt direkt darauf ansprechen. Vielen Dank und noch einen schönen Abend.

Dr. med. Claudia Ellert: Ebenfalls einen schönen Abend.

 

Frage von Herrn S.

Herr S.: Guten Abend, habe ein seit 2007 bekanntes Aortenaneurysma, an der Aorta ascendens, was bei Ersatz der Aortenklappe reduziert wurde auf 47 mm. Mittlerweile ist dieses Aneurysma wieder auf 52 mm gewachsen, was mich sehr beunruhigt.

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, da verstehe ich Ihre Sorge. Bei der von Ihnen beschriebenen Größe dürfte sich aber derzeit noch keine Notwendigkeit zur erneuten OP ergeben. Es sei denn, eine umschriebene sackförmige Ausstülpung liegt vor. Ihre vor-operierende Klinik weiß von Ihrem Befund?

Herr S.: Ja, bis 2012 wurde die Aorta in Bad Nauheim jährlich im MRT untersucht und seit 2013 wird diese Untersuchung in Ihrer Klinik in Wetzlar kontrolliert.

Dr. med. Jörg Bindewald: Ach so. Werden diese Kontrollen ambulant in unserem MRT vorgenommen? Oder waren Sie (stationär?) in unserer Kardiologie?

Herr S.: Nein, stationär nicht, die Kontrolle wird einmal jährlich im MRT der Radiologischen Praxis Wetzlar durchgeführt. Vielen Dank für Ihre Antwort! In der Kardiologie war ich im Juni 2014 zu einer großen Herzkatheteruntersuchung.

Dr. med. Jörg Bindewald: Wenn Sie wünschen, kann ich in unserem Klinikcomputer einmal Ihre Unterlagen und MRT-Bilder durchsehen.

Herr S.: Das wäre sehr nett von Ihnen, darüber würde ich mich sehr freuen!

Dr. med. Jörg Bindewald: Ja, gern, mach ich die Tage, dann könnten wir telefonieren.

Herr S.: Sehr gerne, vielen Dank und noch einen angenehmen Abend.

 

Frage von Frau E.

Frau E.: Guten Abend! Mein Vater hatte vor 3 Jahren (mit 85 Jahren) eine BAA-OP. Ist eine genetische Disposition möglich und macht es Sinn, sich diesbezüglich einmal durchchecken zu lassen? (Bin 53 Jahre alt.) Danke für Ihre Antwort!

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, eine genetische Disposition ist möglich. Eine Ultraschalluntersuchung mit unverbindlicher Beratung könnte Fragen klären.

Frau E.: Herzlichen Dank und schönen Abend!

 

Frage von Herrn W.

Herr W.: Ich bin 82 Jahre alt und bei mir soll eine endovaskuläre Aneurysmaausschaltung durchgeführt werden, nachdem das in 2002 festgestellte Aneurysma ab Okt. 2015 auf 5,5 cm gewachsen ist. Viele gut gemeinte Ratschläge können irritieren, z. B. du bist schon über 80 und willst so etwas noch machen lassen. Daher meine Frage an die Experten mit einer für mich guten Antwort. Wie gefährlich ist diese OP und ist sie schmerzhaft?

Dr. med. Claudia Ellert: Ihre Frage ist durchaus berechtigt und gut nachvollziehbar. In Ihrem Alter ist die Entscheidung zu einem operativen Eingriff natürlich immer eine Einzelfallentscheidung. So ist diese davon abhängig zu machen, an welchen Begleiterkrankungen Sie zum Beispiel leiden, um das Risiko für die Operation wie auch die Narkose genauer einschätzen zu können. Prinzipiell ist es aber so, dass Sie von einer Operation sicherlich profitieren können. Die Operation an sich wird bei uns in Vollnarkose vorgenommen. Es gibt, um Zugang zu den Leistenarterien zu bekommen, in beiden Leisten einen ca. 10cm langen Schnitt. Dieser bereitet nach der Operation in aller Regel keine Probleme. So könnten Sie ab dem 2. Tag nach der Operation wieder aufstehen und ca. eine Woche nach dem Eingriff bei normalem Verlauf entlassen werden.

Die von Ihnen genannten Begleiterkrankungen sind natürlich relevant. Mit dem endovasculären Vorgehen steht uns aber heutzutage erfreulicherweise eine OP-Methode zur Verfügung, die es ermöglicht, eben gerade Patienten mit entsprechenden Begleiterkrankungen die Aneurysmaausschaltung anzubieten. Eine offene Operation mit großem Bauchschnitt, wie sie früher notwendig war, käme für Sie nicht in Frage.

Wir können Ihnen gern auch ein persönliches Gespräch im Rahmen unserer Sprechstunde anbieten, um offene Fragen zu klären.

 

Frage von Frau S.

Frau S.: Mein Vater ist an einem Aortenaneurysma verstorben. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für mich und meine Kinder ein solches Aneurysma zu haben? Ab welchem Alter sollte man eine Vorsorge machen?

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, hier kann eine Ultraschalluntersuchung mit Beratung sinnvoll sein. Meist ist die Aneurysma-Ursache die Arteriosklerose, eine genetische Disposition ist aber möglich. Wenn Sie möchten: Ultraschall der Bauchaorta wäre in unserer Gefäßsprechstunde möglich.

Herr S.: Vielen Dank.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Ist Aneurysma eine genetische Erbkrankheit?

Dr. med. Jörg Bindewald: Guten Abend, ja, eine sog. genetische Disposition gibt es. Meist ist aber die Grundkrankheit "Arteriosklerose" der Auslöser.

Frau B.: Mein Schwiegervater hatte das, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Kinder das auch bekommen? Meine Tochter (11 Jahre) leidet ziemlich oft an Kopfschmerzen, könnte das ein Zeichen dafür sein?

Dr. med. Jörg Bindewald: Nein, Kopfschmerzen sind kein Anzeichen für ein Aortenaneurysma. Bei Kindern sind Aortenaneurysmen auch sehr selten. Ultraschall der Bauchschlagader dauert nur wenige Minuten und kann Klarheit schaffen.

Frau B.: Und wenn das Aneurysma im Kopf ist, kann man das auch per Ultraschall abklären? Wenn das der Fall ist, dass das Aneurysma bestätigt wird, wie stehen da die Chancen durch OP?

Dr. med. Jörg Bindewald: Dazu ist diagnostisch meist ein MRT angebracht. Hier werden Sie von einem Neurologen besser beraten.

Chemotherapie – Welche unterstützenden Möglichkeiten gibt es?

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Chemotherapie an Dr. med. Wolfgang Gießler und Dipl.-Psychologin Julia Weinrebe. Der Chat fand am Montag, 19. September 2016, statt.

Thema: Unterstützende Maßnahmen bei Chemotherapie

Frage: Welche Zusatzmaßnahmen kann ich bei einer Chemotherapie durchführen? Ich habe Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Dr. med. Wolfgang Gießler: Grundsätzlich gibt es viele mögliche Maßnahmen während einer Chemotherapie, einerseits, um körperliche Beschwerden zu lindern, andererseits auch psychoonkologische Maßnahmen. Außerdem kommt es auch auf die Art der Chemotherapie an. Wichtig ist, dass Sie möglichst Ihr Gewicht halten. Sie dürfen essen, was Sie vertragen und was Ihnen schmeckt. Der Selenspiegel kann gemessen werden, ggf. sollten Sie es einnehmen. Körperlich sollten Sie möglichst aktiv bleiben. Darüber hinaus gibt es keine Medikamente oder Nahrungsergänzung, die sicher helfen.

Dipl.-Psychologin Julia Weinrebe: In einer solchen Situation kann es auch sehr hilfreich sein, sich einem belastbaren Psychologischen Begleiter anzuvertrauen. So können Sie die Sorgen, Gedanken und Ängste zum einen ausdrücken und somit gemeinsam einsortieren, normalisieren und relativieren und zum anderen einen zu Ihnen passenden Umgang entwickeln. Für all das steht Ihnen die Psychoonkologie zur Verfügung.

Frage: Könnte evtl. eine Hyperthermie-Behandlung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen?

Dr. med. Wolfgang Gießler: Es gibt mehrere Arten der Hyperthermie-Therapie. In Studien wurde ein Nutzen für Patienten mit Sarkom (einem Tumor des Skelettsystems) der Extremitäten nachgewiesen. Außerdem gibt es Daten zu Patienten, die während einer Operation eine Hyperthermie erhielten. Für die „alternativmedizinisch" angebotene Hyperthermie gibt es beim Pankreaskarzinom keinen Nachweis eines Nutzens.

Frage: Neben meinem Berufsleben war ich auch noch Fitness- und REHA-Trainer. Während der Chemotherapie bin ich zu schlapp, für sportliche Aktivitäten.

Dipl.-Psychologin Julia Weinrebe: Auch ein einfacher Spaziergang nutzt Ihrem Herz-Kreislaufsystem wohltuend. Legen Sie die "Messlatte" nicht bei Ihren alten Maßstäben an...

Frage: Nach der zweiten Chemotherapie fängt das Kribbeln in den Fingern an. Vorrangig bei kalten Gegenständen. Es soll spezielle Handschuhe dafür geben?

Dr. med. Wolfgang Gießler: Falls Sie das Medikament Paclitaxel erhalten, ist der Kältehandschuh bei wenigen Patienten sinnvoll, bei Oxaliplatin bringt er leider nichts. Die Kälte-Missempfindung geht weg, wenn die Chemotherapie vorüber ist, das Kribbeln bleibt manchmal. Auch hier weiß man, dass körperliche Aktivität hilfreich ist.

Frage: Haben Sie schon etwas von der Nano-Knife Methode gehört? Diese Methode soll ein Pankreaskarzinom eindämmen.

Dr. med. Wolfgang Gießler: Das ist eine selten eingesetzte Therapie, insbesondere beim Prostatakarzinom. Daten über den Nutzen beim Pankreaskarzinom kenne ich nicht.

Frage: Wie kann man während einer Chemotherapie die angeschlagene Mundschleimhaut zusätzlich pflegen? Zurzeit verwenden wir Symbioflor 1 und Traumeel. Außerdem spülen wir mit Kamille und Salbei.

Dr. med. Wolfgang Gießler: Sie machen da schon sehr vieles richtig. Der Mund sollte nach dem Essen ausgespült werden, Wasser genügt. Kein zu scharfes Essen, kein Nikotin. Kein hochprozentiger Alkohol, auch nicht zum Ausspülen. Zähneputzen mit weicher Bürsten. Weitere „Medikamente" sind nicht hilfreicher als dass, was Sie schon machen!

Frage: Ich werde zurzeit mit einer Chemotherapie per Pumpe behandelt. Zwei Anwendungen habe ich nicht vertragen mit erheblichen Nebenwirkungen jeweils musste eine schnelle Einweisung per Notarzt erfolgen. Jetzt soll eine geänderte Chemotherapie verabreicht werden, die aber eine erhebliche Verstopfung haben soll. Im Vorfeld ist bei mir bereits ein Darmverschluss beseitigt worden. Ist das Risiko nicht zu groß?

Dr. med. Wolfgang Gießler: In der Regel passt man bei einer Therapie zunächst die Dosis an, bevor man wegen Nebenwirkungen wechselt. Hier würde ich noch einmal nachfragen. Wenn schon mal ein Darmverschluss vorlag, muss man das beachten, aber das ist in der Regel kein Problem.

Brusterkrankungen

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Brusterkrankungen an den Oberarzt Dr. Knut Radler und die Funktionsoberärztin Dr. Uta Ringsdorf von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Wetzlar. Der Chat fand am Montag, 18. Juli 2016, statt.

Thema: Brusterkrankungen

Frage von Frau W.

Frau W.: Hallo, ich bin 62 Jahre alt und nehme Arimidex seit 4/2012 ein. Ich hatte ein Mammakarzinom rechts. Der auffällige Befund wurde entfernt. Meine Frage an Sie, muss ich Arimidex 5 Jahre nehmen, das wäre bis 4/2017, oder soll ich sie weiternehmen um ein Rezidiv zu vermeiden.

Dr. med. Knut Radler: Guten Tag Frau W., Sie sollten auf eine Therapiedauer von 5 Jahren kommen. Also grundsätzlich bis 4/2017. Es sei denn, dass schwere oder sehr beeinträchtigende Nebenwirkungen auftreten. Für Arimidex gibt es keine wissenschaftlichen Daten, die eine längere Einnahme begründen.

Frau W.: Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, ich habe keine Nebenwirkungen unter Arimidex. Würde es gerne weiternehmen, um einen Rezidiv zu vermeiden. Aber wenn es noch keine Studie gibt, dann muss ich auf mein Bauchgefühl und auf meinen Gynäkologen hören. Dieser meinte, Arimidex weiternehmen.

Dr. med. Knut Radler: Es gibt Daten für 10 Jahre Tamoxifen Behandlungsdauer oder 2-3 Jahre Tamoxifen und danach 5 Jahre Aromatasehemmer (Behandlungsdauer dann 7 bis 8 Jahre). Ihre Überlegungen sind also grundsätzlich richtig bezüglich einer verlängerten Therapie. Aber auch bei den zugelassenen Präparaten sind es individuelle Entscheidungsgrundlagen. Bei guter Verträglichkeit können Sie eigentlich nichts falsch machen - allerdings Calcium und Vitamin D einnehmen und auf die Knochendichte achten.

Frau W.: Danke, das war auch meine Überlegung. Calcium und Vitamin D nehme ich nicht ein. Laufe jeden Tag draußen. Meine Knochendichte kontrolliere ich jährlich, ist seitdem in Ordnung. Besten Dank und einen schönen Abend

Dr. med. Knut Radler: Das wünsche ich auch.

 

Frage von Frau C.

Frau C. : Hallo, schönen Guten Abend, nach den Leitlinien werden Tumormarker nicht mehr bei jeder vierteljährlichen Nachsorge bestimmt, kann ich es auf Wunsch, da mein Tumormarker sehr aussagefähig ist, trotzdem prüfen lassen? Danke.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Hallo Frau C., es ist korrekt, dass die Tumormarker nicht mehr routinemäßig bestimmt werden und aus den Leitlinien genommen wurden, da sie nicht bei jeder Patientin aussagekräftig sind. Auch ein erhöhter Tumormarker muss nicht unbedingt durch eine Tumorerkrankung bedingt sein. Er kann auch durch äußere Einflussfaktoren beeinflusst werden. Es liegt jedoch im individuellen Ermessen jedes Arztes, auch den Tumormarker zu bestimmen. Sollte er sich bei Ihnen als sehr sensitiv erweisen, so kann man ihn zur Verlaufsbeobachtung benutzen.

Frau C.: Danke Frau Dr. Ringsdorf, bei meinen Rezidiven ist mein Tumormarker vorher immer gestiegen, langsam aber stetig.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Dann hat er sich zur Verlaufsbeobachtung Ihrer Krankheit bewährt und ich würde ihn regelmäßig kontrollieren lassen.

Frau C.: Ja, das werde ich auch weiterhin tun, und es wird ja auch immer bei Ihnen in der Nachsorge auf meinen Wunsch gemacht.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Wunderbar.

 

Frage von Frau U.

Frau U.: Hallo Herr Dr. Radler, hallo Frau Dr. Ringsdorf, muss ein Knoten in der Brust zwangsläufig Krebs sein? Welche Erkrankung kann noch dahinter stecken?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Es gibt vielfältige Ursachen für Brustveränderungen, z.B. Zysten oder gutartige Veränderungen wie Fibroadenome. Es ist jedoch wichtig, einen Knoten in der Brust weiter abklären zu lassen, um eine bösartige Veränderung auszuschließen. Dazu wenden Sie sich am besten an Ihren Frauenarzt, der eine weitere Diagnostik wie Sonographie und Mammographie veranlassen kann.

Frau U.: Das werde ich machen, vielen Dank!

Dr. med. Uta Ringsdorf: Gerne.

 

Frage von Frau M.

Frau M.: Hallo, meine Mutter hatte Brustkrebs und die Ärzte sagen, sie sei nun krebsfrei. Kann man sicher sein, dass der Krebs nicht wieder kommt?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Es ist wichtig, dass Ihre Mutter regelmäßig zu den Nachsorgeuntersuchungen geht. Im den ersten 3 Jahren alle 3 Monate, später (Jahr 4 u. 5) alle halbe Jahre bei dem Frauenarzt ihres Vertrauens.

Frau M.: Danke, das werden wir beachten!

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Guten Abend! In meiner Familie sind bereits zwei Frauen an Brustkrebs erkrankt. Habe auch ich ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken?

Dr. med. Knut Radler: Der größte Risikofaktor für Brustkrebs ist das Alter, da Brustkrebs mit zunehmendem Alter immer häufiger wird. Das familiäre Risiko ist aber auch ein wichtiger Risikofaktor: Das eigene Risiko ist erhöht, wenn Mutter und/oder Schwestern Brustkrebs haben. Gehen Sie darum regelmäßig zum Frauenarzt Ihres Vertrauens zur Vorsorge. Außerdem ist zu klären, ob eine humangenetische Beratung erfolgen soll.

Frau B.: O.K., das werde ich tun.

 

Frage von Frau Z.

Frau Z.: Ich gehe einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung zu meinem Frauenarzt. Dort lasse ich auch einen Ultraschall der Brust machen, den ich selbst bezahlen muss. Jetzt habe ich gehört, dass dies nicht notwendig ist und ein Abtasten der Brust ausreichend ist. Wie sehen Sie das?

Dr. med. Knut Radler: Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, eine Ultraschalluntersuchung der Brust durchführen zu lassen. Die Ultraschalluntersuchung schadet nicht- sie geht nicht mit einer Strahlenbelastung einher. Die Ultraschalluntersuchung ist ein ergänzendes Verfahren zur Brustkrebs-Früherkennung. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser die Heilungschancen. Sie sollten zusätzlich regelmäßig Ihre Brust abtasten.

Frau Z.: Wie oft sollte ich das tun?

Dr. med. Knut Radler: Wir empfehlen einmal monatlich die Brust selbst abzutasten. Dies ist wichtig, um schnell wachsende Karzinome frühzeitig zu entdecken. Der beste Zeitpunkt dafür ist kurz nachdem Sie Ihre Regelblutung hatten.

Frau Z.: Danke, das war mir so bisher nicht bewusst. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.  

Dr. med. Knut Radler: Das wünschen wir Ihnen auch.

 

Frage von Frau A.

Frau A.: Mein Frauenarzt sagt, dass ich sehr knotige Brüste habe. Wie groß ist das Risiko, dass sich Krebs entwickelt?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Viele Frauen haben knotige Brüste, besonders in jüngeren Jahren. Die Ursache ist Mastopathiegewebe, das heißt das Bindegewebe in der Brust ist vermehrt. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist meist dadurch nicht erhöht.

Frau A.: Außerdem habe ich auch sehr große Brüste, ist dadurch das Risiko erhöht, an Brustkrebs zu erkranken?

Dr. med. Uta Ringsdorf: Biologisch gesehen nein, aber die Selbstuntersuchung und die ärztliche Tastuntersuchung ist bei großen Brüsten erschwert. So werden unter Umständen Tumoren später entdeckt. Es kann sinnvoll sein, bei den Vorsorgeuntersuchungen auch einen Ultraschall der Brust machen zu lassen.

Frau A.: Vielen Dank für die Antworten.

Dr. med. Uta Ringsdorf: Gern geschehen. Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.

Höhere Leistungsfähigkeit durch Sport

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema "Höhere Leistungsfähigkeit durch Sport" an Christian Strauß vom Rehazentrum kerngesund!. Der Chat fand am Montag, 20. Juni 2016, statt.

Thema: Höhere Leistungsfähigkeit durch Sport

Frage von Frau H.

Frau H.: Ich war früher begeisterte Marathonläuferin und ich habe jetzt leider Hüftarthrose auf der rechten Seite, hatte erst Hüftdysplasie, die sich dann innerhalb eines Jahres in Hüftarthrose entwickelt hat... was kann ich machen? Ich jogge immer noch ein wenig, nicht länger als eine halbe Stunde auf weichem Waldboden. Ich möchte eine OP so lange wie es geht hinauszögern. Bin 58 Jahre, werde im Juli 59 Jahre alt.

Christian Strauß: Hallo, zunächst einmal ist das der richtige Ansatz, die OP soweit wie möglich nach hinten zu verschieben. Bei dem Hüftgelenk stellt sich generell die Frage der Beweglichkeit. Da es sich um ein Kugelgelenk handelt, muss eine hohe Beweglichkeit gewährleistet sein. Oft disloziert das Kugelgelenk und sitzt nicht mehr passend über der Hüftpfanne. Ein gezieltes Achsentraining kann da Abhilfe schaffen.

Frau H.: Wo kann ich das gezielte Achsentraining bekommen, und wie geht das? Auf Rezept? Auch bei Ihnen?

Christian Strauß: Sinnvollerweise immer über ein Rezept. KGG müsste auf der Verordnung stehen. Ausformuliert bedeutet das "Krankengymnastik am Gerät". Was natürlich nicht bedeutet, dass die "Heilung" nur am Gerät erfolgt. Es bedarf einer guten Eingangsdiagnose des jeweiligen Therapeuten.

Frau H.: Und das wäre bei Ihnen möglich?

Christian Strauß: Genau. Darin besteht unsere Kernarbeit: Menschen mit orthopädischen und unfallchirurgischen Problemen zu helfen.

Frau H.: Vielen herzlichen Dank, ich werde auf Sie zukommen.

Christian Strauß: Sehr gerne!

 

Frage von Herrn M.

Herr M.: Hallo, ich habe massive Rückenprobleme und möchte meine Leistung steigern.

Christian Strauß: Hallo, es ist wichtig zu unterscheiden, ob ein spezifischer oder ein unspezifischer Schmerz vorliegt, d. h. liegt z.B. eine Bandscheibenvorwölbung vor, welche sich über ein MRT diagnostizieren lässt, oder nur eine " Muskelverspannung". Beides löst natürlich Schmerz aus, was eine zwingend notwendige Behandlung von Seiten der Therapeuten nach sich zieht. Zunächst einmal die Funktion wieder herstellen und dann erfolgt die Leistungssteigerung.

Herr M.: Ich hatte schon mal einen Bandscheibenvorfall und Physiotherapie. Der Bandscheibenvorfall wurde anhand eines MRT diagnostiziert.

Christian Strauß: Wie lange ist das her?

Herr M.: Ca. 3 Jahre.

Christian Strauß: Bandscheibenvorfälle können natürlich segmental auch an anderer Stelle auftreten. Das Ganze kann auch rezidiv, also an gleicher Stelle wiederkehrend passieren. Termin beim Arzt holen, einen Befund erstellen lassen und therapeutische Abhilfe suchen. Das ist auch bei uns im Rehazentrum möglich.

Herr M.: Danke für die Auskunft!

 

Frage von Frau P.

Frau P.: Hallo, ich bin 47 Jahre alt und möchte gerne abnehmen. Ich gehe bereits regelmäßig joggen, aber es tut sich nichts. Was kann ich noch machen?

Christian Strauß: Hallo Frau P., wichtig ist in diesem Zusammenhang zu wissen: Wo liegen meine Belastungsgrenzen? Ich erlebe es sehr oft, dass die Trainierenden zu häufig im oberen Drittel, also über ihrer Belastungsgrenze, trainieren. Grundlagentraining ist das A und O. Abhilfe schafft in diesem Falle eine gute sportmedizinische Untersuchung. Zunächst einmal schauen, wo stehe ich überhaupt.

Frau P.: Ok, ich dachte ich trainiere vielleicht eher zu wenig als zu viel... Wo kann ich so eine Untersuchung machen lassen?

Christian Strauß: Ein Belastungs-EKG bei ihrem Internisten machen. Weitere leistungsdiagnostische Untersuchungen bieten wir bei uns im Rehazentrum an.

Frau P.: In Ordnung, das werde ich machen. Vielen Dank!

 

Frage von Frau G.

Frau G.: Guten Abend, obwohl ich viel trainiere (Bauch und Rückenmuskulatur), habe ich immer wieder Rückenprobleme und Schmerzen. Ich hatte schon mal einen Bandscheibenvorfall, kann es daran liegen?

Christian Strauß: Guten Abend, wie sieht denn ihre berufliche Tätigkeit? Aktiv oder haben sie eher eine sitzende Tätigkeit?

Frau G.: Arbeite im Büro und sitze die meiste Zeit.

Christian Strauß: Hier liegt natürlich die Hauptproblematik. Die Monotonie des Sitzens. Ein Fulltimejob lässt sich kaum kompensieren. Man müsste ihr Trainingsverhalten erst einmal analysieren. Der Klassiker ist, dass die Trainierenden in ein Fitnessstudio gehen und versuchen, "sitzend" an den Geräten ihre Rückenprobleme in den Griff zu bekommen. Ein segmentales oder funktionelles Training bleibt da meist aus.

Frau G.: Können Sie mir einen konkreten Tipp geben, welche Trainingsform oder welches Gerät sich eignet?

Christian Strauß: Sind Sie bereits in einem Fitnessstudio aktiv?

Frau G.: Ja, schon seit zwei Jahren.

Christian Strauß: Stärken sie ihre Gesäßmuskulatur sowie die hintere Oberschenkelmuskulatur und vor allem Ihre untere Bauchmuskulatur. Haben Sie in Ihrem Studio professionelle Ansprechpartner?

Frau G.: Bin in einem günstigen Studio, da ist nicht immer jemand vor Ort. Aber den Tipp mit der Gesäßmuskulatur werde ich mal ausprobieren, danke.

Christian Strauß: Wenn Sie akute Beschwerden haben, lassen Sie sich bitte ärztlich untersuchen. Ein akuter Bandscheibenvorfall stellt ein spezifisches Problem dar und sollte nur von ärztlicher und therapeutischer Seite behandelt werden.

 

Frage von Herrn K.

Herr K.: Hallo, ich würde gerne mal meine Muskelkraft testen und habe gehört, dass ihr einen Isokineten habt. Brauche ich für den Test einen Termin?

Christian Strauß: Das ist richtig. Wir haben ein Diagnosegerät vor Ort. Da eine Testung einiges an Zeit in Anspruch nimmt und für ein aussagekräftiges Ergebnis noch weitere Tests gemacht werden, müssen Sie bei uns einen Termin vereinbaren. Die Telefonnummer finden Sie auf unserer Homepage.

Herr K.: Ok, danke.

Rückenschmerzen

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Rückenschmerzen an den Leitenden Oberarzt Christian Braune und den Oberarzt Marc-Henrik Echterhoff von der Klinik für Orthopädie/Unfallchirurgie am Klinikum Wetzlar. Der Chat fand am Montag, 25. April 2016, statt.

Thema: Rückenschmerzen

Frage von Herrn L.

Herr L.: Hallo, guten Abend und herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für mich nehmen! Mein Krankheitsverlauf, den ich aus dem Gedächtnis schildere:

Ich bin männlich, 1977 geboren, wiege 110 kg und bin 188 cm groß.

  • Arbeitsunfähig wegen Rückenschmerzen und Kribbeln in der großen Zehe links
  • Behandlung Hausarzt: Spritze und Reizstrom, IR-Bestrahlung und 1-0-1 Ibu 600, Überweisung an Orthopäden
  • Orthopäde: Zehenheberschwäche großer Zeh links, er veranlasst MRT und verordnet Krankengymnastik
  • MRT, Diagnose Bandscheibenvorfall L5-S1 linksseitig
  • Weiter mit Krankengymnastik und viel Schwimmen
  • Kribbeln in der Zehe bessert sich kaum, aber Schmerzmittel nur noch bei Bedarf
  • Danach war ich in einer Sportklinik
  • Im Verlauf besserten sich die Rückenschmerzen, das Kribbeln in der Zehe ist stellenweise weg
  • Aber anschließend bekam ich zunehmend Schmerzen in der linken Gesäßhälfte
  • Physiotherapeuten diagnostizierten Muskelverhärtung und behandelten diese.
  • Schmerzen in der linken Gesäßhälfte strahlten teilweise in die linke Wade aus. Manchmal auch rechte Gesäßhälfte betroffen sowie Kribbeln in der rechten großen Zehe. Weiter mit Physio.
  • Erneutes MRT – Befund zeigte kaum Veränderung, Schmerzursache unklar
  • Die Medikation wurde umgestellt.
  • Weiterhin: Vorstellung beim Neurochirurg => Keine Indikation für PRT oder Eingriff
  • Infiltration Hüftkopf mit Cortikoid, Schmerzen weitgehend beseitigt, Vorstellung Schmerztherapeut – Verordnung Lyrica, nach 1 Tablette abgesetzt, da zu heftige Nebenwirkungen und extremes Suchtpotential.
  • Wirbelsäulensprechstunde: Befund ISG-Blockade
  • Stoßwellentherapie  im Glutearbereich rechts, Erfolg überschaubar
  • Temporär habe ich auch Schmerzen im Glutearbereich links, insbesondere beim Liegen linksseitig

Meine Frage: Wie ist die mögliche Diagnose und Therapie? Der auslösende Bandscheibenvorfall wird von den Neurochirurgen nicht mehr als ursächlich angesehen.

Christian Braune: Das passt alles nicht so ganz zu einem reinen Bandscheibenvorfall. Ich kann jetzt natürlich nicht ihre MRT-Bilder sehen, aber eine Osteochondrose macht zum Beispiel auch solche Beschwerden. Des Weiteren hat einer der Kollegen auch auf ihre Hüften ein Auge geworfen. Das Ganze scheint sich etwas komplexer zu gestalten.

Herr L.: Letzter Befund besagt: ISG mäßig druckschmerzhaft, weiter konservativ, symptomatische Schmerztherapie, evtl. ISG-Koagulation

Christian Braune: Ich würde mir Sie und ihre Befunde gerne mal in unserer Sprechstunde anschauen, weil ich ihnen so keine pauschale und zufriedenstellende Antwort geben kann. Termine gibt es immer mittwochs unter 06441 79 - 2410.

Herr L.: Herzlichen Dank!

 

Frage von Frau J.

Frau J.: Was kann man bei einer alten, nicht erkannten Wirbelkörperfraktur machen, bei der sich ein Keilwirbel gebildet hat? Im CT sieht der Wirbel aus wie ein Schmetterling. Der Wirbel hat eine Höhenminderung. Im MRT sieht man eine Keilbildung.

Marc-Henrik Echterhoff: Hallo. Das kommt ganz auf die Beschwerden an. Sollten Sie Schmerzen im Rücken haben, so sollte man sich in der Tat den Rücken und die Bilder dazu einmal anschauen. Oft werden Wirbelbrüche nicht sofort diagnostiziert und werden dann irgendwann zufällig entdeckt. Ist denn ein Unfall passiert, wenn ja, wann?

Frau J.: Vor zirka 10 Jahren war ein Treppensturz, bei dem ich 15 Stufen auf der kompletten Wirbelsäule die Treppe runter gerutscht bin.

Marc-Henrik Echterhoff: Ich gehe davon aus, dass der Bruch aus diesem Sturz resultiert. Haben Sie denn noch starke Schmerzen im Rücken?

Frau J.: Ab und an mal.

Marc-Henrik Echterhoff: Eine Korrektur im Sinne einer OP ist hier zwar möglich, aber sehr aufwendig. Um Ihre Beschwerden besser einschätzen zu können würde ich empfehlen, dass Sie sich in einer unserer Sprechstunden, jeweils mittwochs vorstellen. Sie können gerne einen Termin über unser Sekretariat unter der Nummer 06441 79-2410 oder 79-2401 vereinbaren. Dort kann eine eingehende Untersuchung durch uns erfolgen, bringen Sie bitte alle erforderlichen Untersuchungsbefunde, wie Röntgenbilder, Arztberichte mit.

Frau J.: O.K. Vielen Dank.

Marc-Henrik Echterhoff: Gerne.

 

Frage von Frau P.:

Frau P.: Ich leide seit ca. 1/2 Jahr an einem Bandscheibenvorfall in der HWS. Beim MRT im Februar kam heraus, dass C4/5 und C5/6 betroffen sind. Behandlung erfolgt seitdem durch Physiotherapie und Schmerzmittel. Kann ich, wenn die Schmerzen nachlassen, wieder Tennis spielen oder können die Bandscheiben dadurch noch mehr geschädigt werden bzw. kann dabei etwas passieren?
Oder wie lange sollte man generell mit Tennis pausieren?

Marc-Henrik Echterhoff: Sportliche Tätigkeiten, solange sie nicht mit Schmerzen verbunden sind, sind immer möglich. Sie sollten jedoch auf übermäßige Überkopfbelastung verzichten, zumindest kann diese die Symptomatik verschlechtern. Sollten jedoch bereits neurologische Probleme wie Taubheit oder Muskelschwäche auftreten, ist mit Sport vorsichtig zu verfahren.

Frau P.: Vielen lieben Dank. Ich werde es dann einfach mal ausprobieren.

Marc-Henrik Echterhoff: Viel Erfolg, bitte gut aufwärmen vor dem Spielen! Auch nach dem Spiel noch etwas auslaufen.

 

Frage von Frau D.:

Frau D.: Was kann ich bei ISG-Beschwerden machen?

Marc-Henrik Echterhoff: Diese sind oft Folge von Fehlbelastungen oder unausgeglichener Muskelbeanspruchung. Hier kann unter Umständen eine gute Physiotherapie oder sogar ein Termin beim Osteopathen helfen.

Frau D.: Kommt es oft vor, dass der Prolaps zum Vorfall wird?

Marc-Henrik Echterhoff: Der Prolaps ist bereits der Vorfall. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie eine Protrusio, nämlich Vorwölbung meinen, welche zum Vorfall werden kann. Die Vorwölbung ist dann eher die Vorstufe zum Prolaps (Vorfall).

Frau D.: Also muss ich damit rechnen, dass es zum Vorfall wird?

Marc-Henrik Echterhoff: Nicht immer muss ein Prolaps, also Vorfall, auch zu Beschwerden führen. Also würde ich das nur weiter verfolgen, wenn Sie auch Schmerzen oder sogar Ausfälle wie Taubheitsgefühl oder Muskellähmungen haben. Um Ihre Beschwerden besser einschätzen zu können, würde ich empfehlen, dass Sie sich in einer unserer Sprechstunden, jeweils mittwochs, vorstellen. Sie können gerne einen Termin über unser Sekretariat unter der Nummer 06441 79-2410 oder 79-2401 vereinbaren. Dort kann eine eingehende Untersuchung durch uns erfolgen, bringen Sie bitte alle erforderlichen Untersuchungsbefunde, wie Röntgenbilder, Arztberichte mit.

Frau D.: Danke. Schönen Abend noch.

Marc-Henrik Echterhoff: Ihnen auch, gerne geschehen.

 

Frage von Herrn F.:

Herr F.: Hallo, ich habe vor 2 Wochen sehr starke Rückenschmerzen gehabt in der Nähe des Steißbeins. Die Schmerzen sind jetzt weniger geworden, nur habe ich jetzt ein leichtes Ziehen an den Oberschenkeln und am Po, des Weiteren seit 4-5 Tagen starke Schmerzen am Bauchbereich links, kann es vom Rücken kommen?

Marc-Henrik Echterhoff: Hallo. Das klingt in der Tat sehr nach Beschwerden, die aus dem Rücken, nämlich aus dem Bereich des Ischiasnervs, kommen. Diese ziehen gerne aus dem Rücken über den Po ins Bein und sind bei Anziehen der Beine oft etwas besser.

Herr F.: Vielen Dank! Und dass die Schmerzen bis zum Bauch strahlen, ist dann auch vom Rücken? Beugen kann ich mich bis zu einer bestimmten Position und wenn ich viel laufe ist mein Rücken richtig steif.

Marc-Henrik Echterhoff: Das kann in der Tat auch vom Rücken kommen, betrifft dann aber einen anderen Nerven. Sind die Schmerzen denn ständig vorhanden, oder eher bei körperlicher Betätigung? Dies klingt nach einer erheblichen muskulären Verspannung der Rückenmuskulatur. Ich würde, wenn die Bauchschmerzen nicht schlimmer werden, muskelentspannende Übungen, zur Not aber auch Schmerzmittel und Wärme empfehlen.

Herr F.: Die Schmerzen am Bauch hatte ich am Anfang gelegentlich und jetzt habe ich sie permanent, habe diese Woche einen Termin beim Orthopäden. Kann es auch mit Bindegewebe zu tun haben? Die Schmerzen sind nicht direkt am Bauch, sondern eher seitlich und auf einer Seite.

Marc-Henrik Echterhoff: Bitte lassen Sie aber auch die Bauchschmerzen abklären, gelegentlich sind die Beschwerden auch aus Problemen im Bauch zu finden. Ihr Hausarzt wird sie zu einem Facharzt überweisen. Seitliche Bauchschmerzen können auch in Beschwerden der Niere oder der harnableitenden Organsysteme zu finden sein. Also sollte man das Ganze einmal bei einem Facharzt für Allgemeinchirurgie oder auch Urologie abklären, natürlich ist auch der Termin beim Orthopäden wichtig. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Herr F.: Danke, werde ich machen, bin gespannt was der Orthopäde mir am Donnerstag sagen wird, wenn es nicht besser wird, werde ich zum Urologen gehen. Einen schönen Abend.

Marc-Henrik Echterhoff: Gerne geschehen, Ihnen auch.

 

Frage von Frau M.:

Frau M.: Hallo! Ich habe seit meinem Jugendalter Probleme mit meiner Wirbelsäule und ein Hohlkreuz. Habe damals lange Physiotherapie gemacht, hat sich aber leider nicht gebessert. Seit einem halben Jahr habe ich wieder häufiger Rückenschmerzen vor allem im HWS-Bereich und der rechten Seite in den Brustwirbeln, wenn ich auf der linken Seite liege. War jetzt bei einem Orthopäden, der ein Röntgenbild gemacht hat und gesagt hat, dass meine Wirbelsäule eher wie ein Stock gerade wäre und hat mir wieder Physiotherapie verschrieben. Was kann es noch sein? Was kann ich tun? Bin erst 25 Jahre alt und möchte nicht mein Leben lang mit Rückenschmerzen und Hohlkreuz leben. Vielen Dank schon einmal!

Marc-Henrik Echterhoff: Hallo, Ihr Hohlkreuz bietet schon einmal Grund für Schmerzen, aber ich denke, da ist bereits viel dran gearbeitet worden. Wenn im Röntgen ein "Stock" gesehen wird, dann ist am häufigsten eine erhebliche muskuläre Verspannung der gesamten Rückenmuskulatur verantwortlich, die die Wirbelsäule regelrecht in eine falsche Position verbiegt. Hier würde ich natürlich zunächst mit Schmerzmittel angehen, bei Besserung sollte man aber auch die Verspannungen, zum Beispiel mit Wärme oder auch mit muskelentspannenden Medikamenten lösen. Dann erst bringt zum Beispiel Physiotherapie wieder etwas.

Frau M.: An Schmerzmedikamenten benutze ich Ibuprofen. Komme auch gut damit zurecht bei Schmerzen. Bekomme ich muskelentspannende Medikamente rezeptfrei in der Apotheke oder muss ich erst nochmal zum Hausarzt?

Marc-Henrik Echterhoff: Es handelt sich dabei nicht um rezeptfreie Medikamente. Diese müssen vom Arzt verschrieben werden. Sollten die Beschwerden nicht besser werden, können Sie sich in unserer Sprechstunde unter 06441 79-2401 gerne einmal vorstellen.

Frau M.: Okay, vielen lieben Dank schon mal!

Marc-Henrik Echterhoff: Gerne geschehen.

 

Frage von Frau S.:

Frau S.: Es geht um meinen Mann, er ist 25 Jahre alt, d.h. eigentlich hat er das Alter für Probleme im Rücken noch nicht wirklich erreicht. Dennoch hat er seit 6 Monaten permanente Schmerzen im Rücken und wir haben schon einiges an Geld in Wärmepflaster etc. investiert. Wir waren schon bei einem Orthopäden, welcher sagte, es komme von einem Muskel, mein Mann sollte sich mehr bewegen. Er ist Kfz-Mechatroniker und bewegt sich somit von 7-21 Uhr in der Werkstatt.

Marc-Henrik Echterhoff: Hallo. Pauschal kann ich Ihnen natürlich nicht sagen, was der Grund dafür ist. Wärme bei Rückenschmerzen ist natürlich grundsätzlich gut. Die Verspannungen lösen sich dadurch in der Regel. Zudem sollte man jedoch auch ein geeignetes Schmerzmittel einnehmen. Die Tätigkeit Ihres Mannes ist jedoch auch eher belastend für den Rücken allgemein. Hat Ihr Mann denn Ausfälle wie Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche?

Frau S.: Er schläft seit 2-3 Monaten mit einer Wärmflasche an der Stelle, wo der Schmerz ist oder mit diesen Wärmeauflagen. Gefühlsstörungen wurden von ihm noch nicht genannt, nur ein permanenter Schmerz an einer Stelle. Er hat auch schon Massagen bekommen und war sich einrenken lassen, jedoch ohne Erfolg. Langsam sind wir auch echt ratlos.

Marc-Henrik Echterhoff: Gibt es denn bisher Röntgenbilder oder gar ein MRT? Das würde ich zunächst empfehlen um auszuschließen, dass es sich um eine Nervenirritation aus der Wirbelsäule handelt. Gerne kann Ihr Mann sich anschließend in unserer Sprechstunde, immer mittwochs, vorstellen.

Frau S.: Es wurde ein Röntgen gemacht und daraufhin wurde gesagt, dass es vom Muskel kommt.

Marc-Henrik Echterhoff: Bei den anhaltenden Schmerzen würde ich fast sagen, dass ein Grund für ein MRT besteht. Das können Sie über den Hausarzt bekommen. Vergessen Sie aber nicht, dass auch Schmerzmittel ihre Berechtigung haben.

Frau S.: Vielen Dank. Wir werden ein MRT veranlassen und hoffen, dass wir den Grund endlich finden.

Marc-Henrik Echterhoff: Viel Erfolg und einen schönen Abend.

 

Frage von Frau A.

Frau A.: Hallo. Durch die Schwangerschaft habe ich vermehrt Probleme mit dem Ischias und dem Rücken.

Marc-Henrik Echterhoff: Hallo, das ist eine häufige Beschwerde nach Schwangerschaften, da sich das Beckenskelett durch das Kind deutlich erweitern kann und die Bandstrukturen zunächst schlaffer werden. Das sollte sich im Laufe der Zeit jedoch wieder bessern.

Frau A.: Ok, das sind gute Nachrichten!

Marc-Henrik Echterhoff: Wenn die Beschwerden nach einiger Geduld nicht vorübergehen, sollten Sie mit Sport und Kräftigung der Rumpfmuskulatur doch Besserung erfahren. Viel Erfolg.

Frau A.: Akupunktur und Rotlicht hilft auch, oder?

Marc-Henrik Echterhoff: Ja, das ist in der Regel so.

Frau A.: Danke!

Marc-Henrik Echterhoff: Gerne.

 

 

Vorsorge und Behandlung von Darmkrebs

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Vorsorge und Behandlung von Darmkrebs an die Experten des Mittelhessischen Darmzentrums. Der Chat fand anlässlich des Darmkrebsmonats März am Montag, 7. März 2016, statt.

Thema: Darmkrebsvorsorge

Frage von Frau B.

Frau B.: Ich bin 36 Jahre alt habe Diabetes Typ 2, in meiner Familie gibt es bereits zwei an Darmkrebs erkrankte Familienmitglieder. Welche Vorsorgeuntersuchungen würden Sie mir anraten und zu welchem Zeitpunkt? Ich bin gesetzlich krankenversichert, welche Vorsorgeuntersuchungen übernimmt meine Krankenkasse?

Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer: Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt im Regelfall eine Darmspiegelung im Rahmen der Vorsorge ab dem 55. Lebensjahr und Untersuchungen auf "verstecktes Blut" im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr. Sollten die Darmkrebserkrankungen bei Familienmitgliedern vor deren 40. oder 50. Lebensjahr aufgetreten sein, werden entsprechende Kosten im Rahmen der Vorsorge von der Krankenkasse auch jetzt schon übernommen.

Frage von Herrn G.

Herr G.: Sehr geehrte Damen und Herren, 2006 hat man mir die Schilddrüse entfernt. 2007 dann einen Tumor im Enddarm. Seitdem leide ich unter Inkontinenz und sehr häufigen unkontrollierbaren Durchfällen (mind. 15 Toilettengänge täglich). Um Nachsorgeuntersuchungen wie eine Darmspiegelung durchführen zu können wurde bei mir bereits eine Analdehnung gemacht. Eine Darmspiegelung konnte aber nicht durchgeführt werden. Aufgrund der Probleme bei einer herkömmlichen Darmspiegelung würde ich gerne wissen, ob es zuverlässige Alternativmethoden gibt. Außerdem würde ich gerne wissen, ob Sie noch Möglichkeiten sehen, wie ich meine Durchfälle reduzieren kann oder im besten Falle ganz abschaffe, um wieder ein einigermaßen "normales" Leben führen zu können. Besten Dank für Ihre Bemühungen.

Professor Dr. Klaus Rauber: Sehr geehrter Herr G., als Alternativmethode für die Darstellung des gesamten Dickdarmes kämme eine CT-Colonographie in Frage. Die „klassische" Darstellung des Dickdarmes als Doppelkontrastuntersuchung wird heute zwar kaum noch durchgeführt, käme aber ebenfalls in Frage. Um Ihre zweite Frage zu beantworten, bedarf es einiger näherer Informationen, wie: Wie lang ist der verbliebene Darm überhaupt noch? Gibt es histologische Befunde aus vorausgegangen Koloskopien oder Rektoskopien, die die Ursache der Durchfälle näher eingrenzen helfen? Wovon hängt die Frequenz der Durchfälle ab? Bestehen Hinweise auf eine Stoffwechselstörung? Diesbezüglich würde ich die Vorstellung zu einer persönlichen Beratung und ggf. Untersuchung in unserer Medizinischen Klinik II (PD Dr. Erich Lotterer) empfehlen, da das den Rahmen des Chats sprengen dürfte.

Herr G.: Vielen Dank Herr Professor Rauber, ich werde ihren Rat in die Tat umsetzen. Sie haben mir sehr geholfen.

Frage von Herrn Z.

Herr Z.: Mein Vater und mein Großvater sind an Darmkrebs gestorben. Ich bin 45 Jahre alt. Habe auch ich ein erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken?

Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich: Sie sollten regelmäßig zur Darmspiegelung gehen. Denn: Etwa 20 Prozent der an Darmkrebs-Erkrankten haben eine positive Familienanamnese, das bedeutet, in der engeren Verwandtschaft sind bereits Darmkrebsfälle aufgetreten. Bei diesem so genannten familiären Darmkrebs verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko für Verwandte ersten Grades (Geschwister, Kinder, Eltern) auf bis zu zehn Prozent. 

Ungefähr fünf Prozent aller Betroffenen haben eine erbliche Form des Darmkrebses, das autosomal dominant vererbte "hereditäre nicht-polypöse kolorektale Karzinom" (HNPCC). Bei diesen Patienten steigt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, auf 80 Prozent. Während Darmkrebs im Allgemeinen eine Krankheit alter Menschen ist, erkranken diese Patienten oft schon in jungen Jahren. Das Durchschnittsalter liegt um die 40 Jahre.

Herr Z.: Danke für die Informationen. Zur Darmspiegelung habe ich noch eine Frage: Wie wird diese durchgeführt? Ich stelle mir das ziemlich unangenehm vor.

Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer:  Der Darm muss sorgfältig gespült werden, damit keine Polypen oder Karzinome übersehen werden können. Daher nehmen Sie insgesamt zwei Liter Spüllösung ein. Das ist für die meisten Patienten das Unangenehmste an der Darmspiegelung. In der Regel wird die Untersuchung unter einer leichten Narkose gemacht, so dass Sie davon nichts merken. 

Thema: Strahlentherapie und Chemotherapie

Frage von Frau C.

Frau C.: Mein Onkologe hat mir geraten, im Anschluss an die Darmkrebsoperation eine Strahlentherapie durchführen zu lassen, was ich seit drei Wochen mache. Jetzt ist mir häufig übel und ich habe Durchfall, ist das normal?

Dr. Wolfram Wannack: Übelkeit und Durchfälle gehören bei Bestrahlungen im Bauchbereich zu den Nebenwirkungen. Diese Akutreaktionen bilden sich in der Regel innerhalb von vier bis sechs Wochen nach Abschluss der Bestrahlung folgenlos zurück und die Beschwerden können meist durch den Einsatz von Medikamenten gelindert werden. 

Frage von Frau M.

Frau M.: Ich soll eine Chemotherapie wegen Darmkrebs mit Metastasen bekommen. Ich habe gehört, dass es zu extremen Nebenwirkungen kommen kann. Stimmt das? Außerdem habe ich Angst vor dem Haarausfall.

Dr. Birgitta Killing: Welche Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie auftreten, hängt vor allem von den einzelnen Chemotherapie-Medikamenten ab, die gegeben werden. Außerdem ist die Verträglichkeit von Mensch zu Mensch unterschiedlich.  Ihr Onkologe wird die Therapie mit Ihnen vorher genau durchsprechen, auch die Nebenwirkungen, die zu erwarten sind. Sollten Sie während der Chemotherapie Beschwerden haben: Informieren Sie ihren behandelnden Arzt, um zu besprechen, was man dagegen tun kann.

Bei einer Vielzahl von Chemotherapien kommt es heute nicht mehr zu einem Haarausfall. Trotzdem gibt es einige Medikamente, von denen wir wissen, dass die Haare mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausfallen werden. Wir empfehlen in diesen Fällen die Anfertigung einer Perücke, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse.

Grundsätzlich wichtig bei einer Chemotherapie ist der enge Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt. Scheuen Sie sich nicht, die Dinge anzusprechen, die Ihnen Sorgen bereiten. 

Thema: Divertikulitis

Frage von Herrn S.

Herr S.: Sehr geehrte Damen und Herren, unsere Familie hat eine entsprechende Vorgeschichte. Der Vater starb 1996 mit 76 Jahren an Darmkrebs, seitdem gehen wir, seine vier Kinder im heutigen Alter von 57-67 Jahren regelmäßig zur Darmspiegelung, bei der auch fast immer bei uns allen vier Geschwistern Polypen entfernt wurden. Ich habe momentan, zum wiederholten Mal, eine Divertikulitis mit Entzündungswerten. Meine Frage: Was kann ich tun um mich zukünftig vor solchen Krankheitsfällen wie Divertikulitis zu schützen? Besten Dank für eine Antwort.

Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich: Bezüglich der Darmkrebsvorsorge befinden Sie sich sicher auf einem guten Weg. Auch bei familiärer Vorbelastung sind die durchgeführten Vorsorgekoloskopien mit Polypenentfernung ein adäquates Vorgehen. Die häufiger auftretenden Entzündungen des Dickdarms im Sinne einer Divertikulitis können über ballaststoffreiche diätetische Maßnahmen, körperliche Aktivität und eine ausreichende Trinkmenge positiv beeinflusst werden. Sollte es trotzdem zu häufigen Entzündungsschüben kommen, kann auch eine vorzugsweise minimal-invasive Entfernung des S-Darms(Im linken Unterbauch macht der Dickdarm eine leichte S-Kurve. Dieser Abschnitt heißt S-Darm) in Schlüssellochtechnik sinnvoll sein. Dies ist auch notwendig, wenn es entzündungsbedingt zu Durchbrüchen der Darmwand oder hochgradigen Engstellen kommt.

Herr S.: Besten Dank für die Informationen Herr Dr. Ulrich, ich werde es zunächst mit ersterem probieren!

Thema: Bauchfelltumor

Frage von Herrn A.

Herr A.: Wird in Wetzlar bei einem Tumor des Bauchfells auch das HIPEC-Verfahren angeboten?

Professor Dr. Klaus Rauber: Bei Tumorbefall des Bauchfells steht das noch relativ junge HIPEC-Verfahren zur Verfügung, das die chirurgische Entfernung des mit einer Spülung der Bauchhöhle mit einer erwärmten Chemotherapie-Lösung (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie = HIPEC) kombiniert. Diese chirurgisch-medikamentöse Kombinationstherapie wird in Deutschland nur an wenigen spezialisierten chirurgischen Zentren angeboten. Patienten für die für das Verfahren in Frage kommen, werden von uns im HIPEC-Zentrum in Regensburg (Prof. Dr. Pompiliu Piso)vorgestellt.

Herr A.: Danke!

Narkose und Schmerztherapie

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Narkose und Schmerztherapie an Professor Dr. med. Jörg Engel und Oberarzt Dr. med. Tobias Löhr von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin. Der Chat fand am Montag, 29. Februar 2016, statt.

Thema: Narkose

Frage von Herrn P.

Herr P.: Ich hatte letzte Woche Donnerstag eine OP, keine große Sache, ca. 15 Minuten. Allerdings mit Vollnarkose. Ich erinnere mich noch an einen wunderschönen Traum (Insel, Strand, Sonne, Wärme...) und wurde dann im Aufwachraum „zurückgerufen“. Es ist mir schwer gefallen. Seitdem kann ich nur noch schlecht schlafen, habe jede Nacht Alpträume; bin tagsüber niedergeschlagen; kraftlos und in depressiver Stimmung. Kann das mit der Narkose zusammenhängen? Gibt es Unverträglichkeiten? Danke für Ihre Zeit!

Dr. Tobias Löhr: Unverträglichkeiten im Rahmen der Narkose gibt es immer wieder mal, auch wenn das im Zusammenhang mit den heute gebräuchlichen Narkotika sehr selten auftritt. Die Beschreibung eines schönen Traumes im Rahmen der Narkose wird von Patienten immer wieder geschildert. Schlaflosigkeit und Depression im Zusammenhang mit Alpträumen nach Operationen, wie von Ihnen geschildert, ist uns so noch nicht geschildert worden.

Herr P.: Danke für die Antwort, dann hat das also wahrscheinlich andere Ursachen. Ist eine Narkose eine große Belastung für den Körper? Wann ist alles wieder "abgebaut"?

Dr. Tobias Löhr: Eine Narkose ist heutzutage keine große Belastung mehr für den Körper – natürlich ist das auch immer abhängig von der Größe des Eingriffs und der Dauer der Narkose. Wir betreuen heutzutage viele Patienten, die innerhalb kürzester Zeit viele Narkosen über sich ergehen lassen müssen und diese sehr gut vertragen. Aufgrund der modernen Überwachungsmethoden ist Narkose heutzutage sehr sicher.

Herr P.: Ich hatte vor ca. 25 Jahren eine Allergie beim Einsatz von Novalgin (der Hals schwoll an, ich bekam keine Luft mehr.) Kann man davon ausgehen, dass die Allergie immer noch vorhanden ist? Gibt es gute Alternativen?

Dr. Tobias Löhr: Allergien auf Novalgin werden nicht selten beschrieben. Da Sie, wenn auch vor sehr langer Zeit, eine sehr ausgeprägte allergische Reaktion auf diese Substanz gezeigt haben, sollten Sie zukünftig Novalgin unbedingt vermeiden und dies auch bei Ihren behandelnden Ärzten angeben. 

Herr P.: Vielen Dank und alles Gute!

Dr. Tobias Löhr: Sehr gerne geschehen!

 

Frage von Herrn Z.:

Herr Z.: Kann es sein, dass ich während einer Operation rede und gegebenenfalls Geheimnisse preisgebe?

Dr. Tobias Löhr: Entgegen verbreiteter Vorstellung kommt es nicht vor, dass Patienten während einer Narkose reden. Dagegen kann es sein, dass Patienten während der Aufwachphase träumen und dann auch sprechen. Selbst wenn dabei Vertrauliches preisgegeben werden sollte, unterliegen Pflegekräfte und Ärzte der Schweigepflicht.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Nach Ostern wird bei mir ein kleiner Eingriff jedoch unter Vollnarkose durchgeführt. Ich darf kurz nach der Operation wieder nach Hause. Muss ich etwas beachten? 

Dr. Tobias Löhr: Bei ambulanten Eingriffen ist zu beachten, dass Sie 24 Stunden nach einer Narkose oder örtlichen Betäubung nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen und wegen eventueller Beeinträchtigung des Urteilsvermögens nur eingeschränkte Geschäftsfähigkeit besteht. Sie sollten auf dem Heimweg begleitet und für die nächsten 24 Stunden von jemandem umsorgt werden.

 

Frage von Frau K.

Frau K.: Ich wüsste gerne, ob der Kostendruck in Ihrer Klinik auch so hoch ist, dass mitunter Verletzungen, die vielleicht in Kurznarkose gerichtet werden könnten, nur in lokaler Anästhesie oder ohne lokale gerichtet werden.

Professor Dr. Jörg Engel: Nein, der Kostendruck ist nicht so, dass wir medizinisch Unsinniges machen. Wenn eine Narkose notwendig ist, wird sie durchgeführt.

Frau K.: Danke, dass beruhigt mich.

 

Frage von Frau L.

Frau L.: Seit einer Narkose im Oktober 2015 habe ich keine normale Stimme mehr.

Dr. Tobias Löhr: Im Rahmen einer Intubationsnarkose kann es zu einer Beeinträchtigung Ihrer Stimme kommen. In der Regel normalisiert sich die Stimme innerhalb eines kurzen Zeitraumes wieder. Da die Narkose bei Ihnen schon länger zurückliegt, empfehlen wir ihnen eine Abklärung über einen HNO-Arzt.

Frau L.: Was bedeutet es, wenn die Narkose mit einem Glidescope durchgeführt wurde?

Dr. Tobias Löhr: Das bedeutet, dass bei Ihnen die Platzierung des Beatmungsschlauches (Tubus) aufgrund der bei Ihnen beschriebenen anatomischen Verhältnisse erschwert war und mit Hilfe eines so genannten Glidescopes (dort ist eine Kamera integriert) erfolgte. Sie haben wahrscheinlich einen Anästhesieausweis erhalten, damit Kollegen im Rahmen der nächsten Narkose bereits auf diesen Umstand hingewiesen werden und entsprechend vorbereitet sind. Es kann folglich bei Ihnen zu einer Verletzung der Stimmbänder gekommen sein, die Sie durch den HNO-Arzt abklären lassen sollten.

 

Frage von Frau B.

Frau B.: Kann ich während einer Operation aufwachen?

Professor Dr. Jörg Engel: Nachdem der Patient eingeschlafen ist, überprüft der Anästhesist neben den lebenswichtigen Organfunktionen auch ständig die Narkosetiefe. Mit Hilfe der heute verfügbaren Medikamente kann der Anästhesiearzt die Narkosetiefe zuverlässig und rasch regulieren und dafür sorgen, dass der Patient nicht während des Eingriffs wach ist.

 

Frage von Herrn G.

Herr G.: Ich werde nächste Woche an der Hüfte operiert, wie muss ich mich vor der Narkose verhalten?

Professor Dr. Jörg Engel: Es gibt einige Verhaltensregeln, die aus Gründen der Sicherheit unbedingt beachtet werden müssen:

  1. Ab 24:00 Uhr des Vortages darf nichts mehr gegessen und getrunken werden (auch keine Bonbons oder Kaugummi). Sollten Sie zu dieser Zeit wach werden und Durst haben, können Sie klare Flüssigkeiten ohne Alkohol oder Zusätze und Zucker (Tee, Wasser) bis etwa 5:00 Uhr morgens trinken. 
  2. Sie dürfen nicht rauchen. Rauchen regt die Magensaftsekretion an.
  3. Es dürfen keine Schmuckstücke (inkl. Piercings), Sehhilfen und Prothesen mit in den OP gebracht werden.
  4. Medikamente sollten Sie morgens vor der Operation nach Absprache mit dem Anästhesie-Arzt einnehmen (zum Hinunterschlucken dieser Medikamente darf ein kleiner Schluck Wasser getrunken werden).
  5. Wenn Ihre Erkrankung es zulässt, sollten Sie vor Einnahme der Beruhigungstablette noch duschen; gleiches gilt für Rasur, Zähne putzen usw. Damit wird die auf der Körperoberfläche haftende Menge an Krankheitserregern und Schmutzpartikeln erheblich reduziert.

Für Frauen gilt außerdem: Es soll keine Schminke aufgelegt werden, beziehungsweise solche vorher entfernt werden (Make-up, Nagellack etc.).

Thema: Schmerztherapie

Frage von Frau S.

Frau S.: Ich habe eine stark ausgeprägte Polyneuropathie und habe schon viele Mittel ausprobiert, zum Beispiel ein Medikament mit dem Wirkstoff Pregabalin in verschiedenen Stärken. Auch homöopathische Arzneimittel habe ich ausprobiert. Alles hilft nur eine gewisse Zeit. Diese Krankheit bestimmt mein ganzes Leben. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir weiterhelfen könnten. Vielen Dank im Voraus.

Professor Dr. Jörg Engel: Eine ausgeprägte Polyneuropathie kann zu einem chronischen Schmerzsyndrom führen. Um herauszufinden, welche Therapie in welcher Dosierung für Sie geeignet ist, ist ein ausführliches Erstgespräch notwendig. Wir haben am Klinikum Wetzlar im Medizinischen Versorgungszentrum (Praxisklinik Mittelhessen) eine Ärztin, die sich auf Schmerztherapie spezialisiert hat und sich um ambulante Schmerzpatienten kümmert. Ich rate Ihnen, sich bei Frau Dr. Diehlmann einen Termin geben zu lassen (Tel. 06441 67154 – 600).

 

Frage von Herrn M.

Herr M.: Warum bin ich nach einer (Spinal-)Anästhesie und Darmoperation plötzlich über viele Tage hinweg ungewöhnlich schmerzempfindlich, so dass mir eine Schmerztherapie verordnet wurde?

Professor Dr. Jörg Engel: Hatten Sie eine Spinalanästhesie oder hatten Sie eine Kombinationsanästhesie mit einem Periduralkatheter?

Herr M.: Eine Spinalanästhesie!

Professor Dr. Jörg Engel: Die Spinalanästhesie wirkt nur für einige Stunden. Danach lässt die Wirkung nach. Je nach Größe der Darm-OP kann es durchaus sein, dass Sie im Anschluss starke Schmerzen hatten. In diesem Fall ist es durchaus sinnvoll, wenn Sie eine Schmerztherapie verordnet bekamen.

Herr. M.: Die starken Schmerzen gingen über eine ganze Woche.

Professor Dr. Jörg Engel: Das ist eine relativ lange Zeit. War die Wundheilung normal?

Herr M.: Die OP verlief unter ASS und war gut gelaufen. Die Wunde ist heute, ca. 3,5 Wochen später, noch nicht voll ausgeheilt.

Professor Dr. Jörg Engel: Solange die Wundheilung nicht abgeschlossen ist, kann es sein, dass Sie Wundschmerzen haben. Wenn das so lange dauert, ist es nachvollziehbar, wenn Sie die erste Woche starke Schmerzen hatten.

Herr M.: Danke

Plastische und Ästhetische Chirurgie

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Plastische und Ästhetische Chirurgie an Dr. Tomislav Dodic. Der Chat fand am Montag, 30. November 2015, statt.

Thema: Plastische und Ästhetische Chirurgie

Anfrage von Frau I.

Frau I.: Hallo, ich habe vor 12 Jahren eine Brustvergrößerung machen lassen und hatte bis vor ca. 18 Monaten keinerlei Probleme. Da kam es zu einer starken Vergrößerung der rechten Seite. Eine Reizwasser-Einlagerung, die dann punktiert wurde und erstmal 5 Monate nicht mehr aufgetreten ist. Seither werden die Abstände aber immer kürzer. Ich betreibe sehr viel Sport und schätze, dass es dadurch zu Beginn passiert ist. Was kann nun eine Lösung sein, denn alle 4 Wochen zu punktieren ist keine, oder? Herzlichen Dank und viele Grüße.

Dr. Tomislav Dodic: Hallo Frau I., ist denn ein Serom diagnostiziert worden oder kann eine Entzündung die Ursache sein? Mit anderen Worten, ist das Punktat untersucht worden?

Frau I.: Danke... Ja. Ein Serom. Beim ersten Mal ist es untersucht worden. Danach dann nicht mehr. Da war es nicht entzündet. Was es jetzt ist, weiß ich nicht. Es tut nicht weh, ist nur unangenehm und sieht doof aus.

Dr. Tomislav Dodic: Ist die Brust denn auch verformt? Oder zusätzlich eine Kapselfibrose diagnostiziert worden?

Frau I.: Nicht verformt, nur einfach größer. Es sind immer so 350 ml, die abgezogen werden. Eine Kapselfibrose ist es auch nicht.

Dr. Tomislav Dodic: Gut, meistens wenn es zu einer chronischen Serombildung gekommen ist, ist es mit einem einfachen Abpunktieren in der Regel nicht mehr getan. Wenn die Intervalle immer kürzer werden, bleibt meistens nur noch ein Implantatwechsel als Option.

Frau I.: Ok... also ist das ein Ihnen bekanntes Problem? Ein Implantatwechsel steht ja sicher nach dieser Zeit ohnehin früher oder später an. Herzlichen DANK für Ihre Zeit und Auskunft.

Dr. Tomislav Dodic: Sehr gerne, ja, eine Serombildung oder Infektion kann tatsächlich noch nach Jahren auftreten. Generell muss man Implantate der neueren Generation nicht mehr zwangsläufig austauschen, sondern nur dann, wenn es Probleme gibt oder eine erneute Brustkorrektur gewünscht wird.

 

Anfrage von Frau G.

Frau G.: Ich bin 51 Jahre alt und leide unter einer extremen Brustasymmetrie. Wie hoch schätzen sie das Risiko ein, dass bei einber Operation etwas schiefgehen kann, auch durch die Narkose?

Dr. Tomislav Dodic: Guten Abend Frau G., um eine Risikoeinschätzung abzugeben, müssten wir einen Termin in unserer Sprechstunde ausmachen. Es gibt generelle und spezielle Operationsrisiken, die sehr individuell sein können. Daher kann ich Ihnen diese Frage so pauschal leider nicht beantworten. Auch hängt es von der Art der Asymmetrie ab. Dafür wäre wie gesagt aber ein ausführliches Aufklärungsgespräch in der Sprechstunde nach Untersuchung notwendig.

 

Anfrage von Herrn K.

Herr K.: Hallo Herr Doktor, unsere Mutter hat einen Dekubitus und soll deswegen operiert werden. Sie ist 78 Jahre alt. Auch ist sie herzschwach und bereits dement. Kann man ihr eine OP zumuten und wie lange muss sie auf der Spezialmatratze liegen? Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Dr. Tomislav Dodic: Hallo Herr K., diese Frage ist schwer zu beantworten. Generell hängt es von dem Allgemeinzustand ihrer Mutter ab. Oft profitieren Patienten schon von einer Defektdeckung allein durch eine verbesserte Qualität in der täglichen Versorgung. Während des stationären Aufenthaltes sind meistens 14 Tage in einem Spezialbett notwendig. Der Krankenhausaufenthalt liegt meistens zwischen drei und vier Wochen je nach Wundheilung.

 

Anfrage von Herrn T.

Herr T.: Ich hatte vor ca. sechs Monaten eine Sprunggelenks-OP und die Wunde ist seitdem nicht richtig verheilt. Der Versuch, die Wunde mit einem Vakuumschwamm zu verkleinern, hat leider nichts gebracht. Was kann man noch tun?

Dr. Tomislav Dodic: Wenn es im Bereich des Sprunggelenks zu einer Wundheilungsstörung gekommen ist, dann lässt sich der entstandene Defekt meistens nicht mehr mit konventionellen Mitteln verschließen. In der Regel wird eine so genannte Lappenplastik notwendig. Dabei wird ein Muskel aus der Region in den Defekt gelegt und kann so verschlossen werden.

Herr T.: Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Dr. Tomislav Dodic: Bei dieser Operation ist eine Schienenruhigstellung für zehn Tage notwendig. Der stationäre Aufenthalt beträgt meistens zwischen zwei und drei Wochen.

 

Anfrage von Frau H.

Frau H.: Ich bin 49 Jahre alt und leide unter sehr stark hängenden Oberlidern. Was genau wird bei einer Oberlidstraffung gemacht?

Dr. Tomislav Dodic: Bei einer Oberlidstraffung wird die überschüssige Haut der Oberlider operativ entfernt. Die entstehende Narbe wird dabei in die Umschlagsfalte gelegt, so dass sie nicht auffällt. In wenigen Fällen wird noch ein Fettpolster entfernt.

Frau H.: Ist das ambulant möglich?

Dr. Tomislav Dodic: Die Operation ist in Lokalanästhesie sehr gut durchführbar und wird von meiner Seite ausschließlich ambulant angeboten.

Frau H.: Wie lange dauert es, bis man danach wieder gesellschaftsfähig ist?

Dr. Tomislav Dodic: In den ersten drei Tagen können die Augen deutlich anschwellen. Hier kommt es darauf an, in den ersten Tagen konsequent zu kühlen. Meistens ist die Schwellung bereits nach einer Woche fast vollständig zurückgegangen. Nach sieben Tagen können auch die Fäden entfernt und ein eventueller Bluterguss kann dann überschminkt werden.

 

Anfrage von Frau R.

Frau R.: Ich würde gerne eine Fettabsaugung durchführen lassen. Ich habe gehört, dass man danach Kompressionswäsche tragen muss, stimmt das?

Dr. Tomislav Dodic: Ja, nach einer Fettabsaugung ist es zwingend notwendig, Kompressionswäsche zu tragen. Diese sollte vor der Operation angepasst werden. Wir gehen so vor, dass wir dem Patienten die Kompressionswäsche direkt nach der OP noch im Operationssaal anziehen. Insgesamt sollte sie bis zu sechs Wochen getragen werden.

Frau R.: Wie groß sind die Narben?

Dr. Tomislav Dodic: Je nach Region, die abgesaugt werden soll, sind mehrere kleine Zugänge notwendig. Diese sind jeweils etwa einen Zentimeter groß und werden idealerweise in Hautfalten oder anatomische Übergänge gelegt, so dass sie nicht direkt sichtbar sind.

Gelenkbeschwerden

Hier finden Sie eine Auswahl der Fragen zum Thema Gelenkbeschwerden an Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl (links) und Prof. Dr. Jan Schmitt. Der Chat fand am Montag, 14. September 2015, statt.

Thema: Gelenkbeschwerden - Knie

Anfrage von Herrn S.

Herr S.: Hallo, ich habe seit ca. 3 Jahren eine Baker-Zyste. Ende 2014 hatte ich eine Knie-Arthroskopie, die zum Ziel hatte, die Zyste zum Entleeren zu bringen. Leider ohne Erfolg. Es bildet sich immer wieder Flüssigkeit im Knie und die Zyste ist immer prall gefüllt. Es wurde auch schon mehrfach punktiert. Wissen Sie Rat?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Eine Baker-Zyste hat immer eine Ursache im Gelenk. Sie ist entweder degenerativ bedingt (Arthrose/Meniskusschaden etc.) oder hat  entzündliche Ursachen (Rheuma etc.). Ist bei der Knie-Arthroskopie eine Probe entnommen worden?

Herr S.: Nein

Prof. Dr. Jan Schmitt: Ist eine Arthrose festgestellt worden?

Herr S.: Ja, Varusgonarthrose

Prof. Dr. Jan Schmitt: Wahrscheinlich muss dann die Arthrose operiert werden. Das hängt von Ihrem Alter und dem Ausmaß der Arthrose ab.

Herr S.: Ich bin 75 Jahre. Was ist das für eine OP?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Bei fortgeschrittener Arthrose wird üblicherweise das Kniegelenk ersetzt. Gern können Sie sich in meiner Sprechstunde vorstellen.

Herr S.: Vielen Dank.

 

Anfrage von Frau S.

Frau S.: Vor 5 Wochen bin ich auf mein Knie gestürzt, hatte eine Prellung im linken Knie. Das Knie ist geröntgt worden und vor 3 Wochen wurde noch ein MRT gemacht und als Diagnose einen Knorpelabriss von zirka 1,5 cm. Nun meine Frage: Muss ich mich einer OP hingeben, wächst der Knorpel wieder an oder was habe ich sonst für Alternativen? Kann ich Sport machen mit dieser Diagnose?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Wenn es sich um einen umschriebenen, also lokal begrenzten Knorpelschaden handelt, gibt es verschiedene Behandlungsoptionen. Diese sind auch altersabhängig. Darf ich Sie nach Ihrem Alter fragen?

Frau S: 43 Jahre und bin von Beruf Briefzusteller.

Prof. Dr. Jan Schmitt:  Das hört sich nach einer Indikation für eine Knorpeltransplantation an. Gerne können wir das vermitteln.

Frau S.: Was ist das genau und was wird da gemacht? Wie sieht es mit Sport aus?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Es gibt verschiedene Verfahren. Man kann Knorpel von einer Stelle zur anderen verpflanzen oder Knorpelzellen entnehmen und diese anzüchten.

Frau S.: Bezahlt das die Krankenkasse?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Prinzipiell ja.

Frau S.: Mein Hausarzt rät von einer OP erst einmal ab, ich möchte jetzt auch nichts überstürzen. Nun muss ich erst mal abwarten, ob ich damit meinem Beruf wieder nachgehen kann. Sollte ich bei meiner Arbeit eine Stützbandage anziehen?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Wenn die Stützbandage Ihnen hilft, sollten Sie diese tragen. Vorsicht, wenn diese zu eng ist, kann es zu Stauungen und Thrombose kommen.

 

Anfrage von Herrn W.

Herr W.: Nach einem Innenmeniskusriss (ich wurde erfolgreich operiert) habe ich oft bei Wetterumschwung und Treppensteigen leichte Schmerzen.

Prof. Dr. Jan Schmitt: Möglicherweise haben Sie neben dem Meniskusschaden auch eine Arthrose. Dies kann man mit einer belasteten Röntgenaufnahme feststellen.

 

Anfrage von Herrn S.

Herr S.: Ich habe Knie-Arthrose beidseitig. Am Knie links hatte ich bereits 2 Knorpelglättungen. Danach war ich fast 2 Jahre schmerzfrei. Wie oft kann eine solche Glättung wiederholt werden?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Darf ich nach Ihrem Alter fragen?

Herr S.: Ich bin 46 Jahre und habe rechts eine Beinverkürzung von 2 cm.

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Man sollte aus unserer Sicht die Beschwerden so lange wie möglich konservativ behandeln. In vielen Fällen hilft eine arthroskopische Knorpelglättung. Man kann diese aber nicht unendlich oft wiederholen. Wenn die Beschwerden in kurzen Abständen immer wieder auftreten, sollte man weitere Diagnostik durchführen. Dazu gehört unter anderem eine Gelenkaufnahme im Stand. In diesem Fall wäre eine Vorstellung in der Kniesprechstunde sinnvoll. Dabei kann auch der Grund für die Beinverkürzung geklärt werden.

Herr S.: Vielen Dank für die Infos!

 

Anfrage von Frau V.

Frau V.: Ich bin 15 Jahre alt. Seit ca. 4 bis 5 Monaten habe ich im rechten Knie Schmerzen, wenn ich laufe. Manchmal kommt es auch vor, dass ich nicht mehr richtig laufen kann. Es fühlt sich so an, als würde im Inneren des Knies etwas festklemmen.

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Guten Abend. Haben Sie das Knie einmal von einem Arzt untersuchen lassen? Gerade bei jungen Menschen findet sich oft eine Instabilität der Bänder, die zu Funktionsstörungen führen kann. Das kann man aber nur bei einer Untersuchung des Gelenkes feststellen.

 

Anfrage von Herrn R.

Herr R.: Ich habe zwei neue Kniegelenke. Im  rechten Knie habe ich ein Spannungsgefühl. Es wird außerdem manchmal steif, wenn ich die Treppe hoch gehe.

Prof. Dr. Jan Schmitt: Waren Sie schon zu einer Nachkontrolle?

Herr R.: Das ist schon länger her.

Prof. Dr. Jan Schmitt: Gern können Sie sich bei mir vorstellen, aus der Ferne ist das schwierig zu beantworten. Dafür benötigen Sie eine  Einweisung von Ihrem Hausarzt.

Herr R.:  Das bedeutet, dass ich stationär aufgenommen werden muss?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Eine Einweisung wird vom Hausarzt zur Abklärung einer stationären Behandlung ausgestellt. Das heißt nicht, dass Sie auf jeden Fall operiert werden. Wenn Sie sich mit der Einweisung in der Sprechstunde vorstellen, wird die Notwendigkeit der stationären Behandlung von uns geklärt und dafür wird gegebenenfalls weitere Diagnostik durchgeführt.

Herr R.: Danke.

 

Anfrage von Frau K.

Frau K.: Sehr geehrter Herr Dr. Gausepohl, sehr geehrter Herr Prof. Schmitt, im Mai dieses Jahres habe ich (61 Jahre) mir vermutlich beim Entfernen von einbetonierten Terrassenplatten eine Verletzung meines rechten Knies zugezogen, die ich leider erst ein Vierteljahr später untersuchen lassen habe. Die Vermutung eines Facharztes für Orthopädie, dass es sich sehr wahrscheinlich um einen Meniskusriss handelt, wurde durch ein MRT bestätigt. Die genaue Diagnose lautet  Meniskus-Innenriss bei noch intakten Knorpeln. Mir wurden zwei Behandlungsoptionen vorgeschlagen: Glättung und Operation. Meine Frage: Gibt es Alternativen zu einer OP-Behandlung?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Im Prinzip ist es besser, einen defekten Meniskus operieren zu lassen, da ein kaputter Meniskus zu einer vorzeitigen Arthrose führen kann. Natürlich sollte die Diagnose auch stimmen. Gern können Sie sich zu einer Zweitmeinung in meiner Sprechstunde vorstellen.

 

Anfrage von Frau I.

Frau I.: Schon länger habe ich Schmerzen in beiden Knien. Bei einer MRT-Untersuchung wurde an beiden Knien Arthrose vierten Grades mit weitgehend aufgebrauchtem Knorpelbelag festgestellt. 
Nach dieser Diagnose bekam ich Akupunktur und bin in osteopathischer Behandlung. Der Osteopath meint, dass die Sehnen in den Knien verkürzt seien und dehnt diese mit speziellen Übungen. Ist das sinnvoll? Was kann ich sonst noch gegen die Schmerzen unternehmen, die im Moment erträglich sind?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Es hört sich so an, als ob sich auf längere Sicht ein prothetischer Ersatz nicht vermeiden lassen wird. Eine wichtige Voraussetzung ist die erhaltene Beweglichkeit des Gelenkes. Eine Verkürzung der Sehnen sollte also verhindert werden. Die Therapie ist also sinnvoll.

Thema: Gelenkbeschwerden – Sprunggelenk

Anfrage von Frau B.

Frau B.: Ich habe nach einer  Sprunggelenks-OP (vor 8 Jahren) infolge einer "Knochenbrücke" ständig Schmerzen. Kann man was tun?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Wenn es sich um eine Arthrose durch den Bruch handelt, kann man heute eine Menge tun. Es kommt auf die Stärke der Beschwerden und die noch vorhandene Beweglichkeit an.

Frau B.: Raten Sie auch von einer OP ab, um das Knochenstück zu entfernen?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Eine Knochenbrücke macht in der Regel keine größeren Beschwerden. Meist ist die begleitende Arthrose dafür verantwortlich. Dafür müsste man sich ein Röntgenbild ansehen.

 

Anfrage von Frau R.

Frau R.: Mein Mann (48) hatte vor 20 Jahren einen Unfall, bei dem sein linkes Sprunggelenk stark verletzt wurde. Er hat starke Schmerzen in dem Gelenk und möchte es gerne erneuern lassen. Wir fragen uns nun, wie wir den besten Arzt finden, um diese Operation durchführen zu lassen und welcher Prothesentyp am besten geeignet ist.

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Wenn es sich um ein sehr stark verändertes Gelenk handelt (Arthrose), dann kommt es für die Möglichkeiten der Therapie auf die noch bestehende Beweglichkeit an. Ist diese noch gut erhalten aber schmerzhaft, dann kommt heute eine Sprunggelenksprothese in Frage. Wir haben mit den Prothesen der neueren Generation sehr gute Erfahrungen. Dabei wird nicht so viel Knochensubstanz geopfert.

Frau R.: Führen Sie in Wetzlar solche Operationen durch oder kennen Sie vielleicht einen Kollegen, den Sie uns empfehlen könnten?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Gausepohl: Ja, wir führen solche Operationen durch. Gern kann Ihr Mann sich bei uns in der Sprechstunde vorstellen.

Thema: Gelenkbeschwerden – Hand

Anfrage von Frau F.

Frau F.: Meine Tochter (fast 14 Jahre)  leidet seit zirka 1 Jahr an Schwellungen der Finger (rechte Hand), verbunden mit Steifigkeit bzw. schmerzhafter Beweglichkeitseinschränkung. Ein Besuch beim Orthopäden und Rheumatologen erbrachte keinen Befund. In den Sommerferien war sie weitgehend schmerzfrei. Hätten Sie einen Rat für uns?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Das hört sich nach einem rheumatologischen Problem an, gere können Sie zur Zweitmeinung in meine Sprechstunde kommen.

Frau F.: Ist dafür eine besondere Überweisung notwendig?

Prof. Dr. Jan Schmitt: Sie benötigen eine Einweisung Ihres Hausarztes. Ein Überweisungsschein reicht leider nicht aus.

Frau F.: Vielen Dank!

Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm

Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu unserem Expertenchat mit Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer (rechts) und Priv.-Doz. Dr. Frank Ulrich zu den Themen "Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm" vom 10. August 2015. 

Thema: Darm

Anfrage von Frau D.

Frau D.: Lieber Herr Dr. Lotterer, ich hatte vor 5 Jahren Brustkrebs mit rechtsseitiger Amputation, Chemotherapie, dazu Antibiotika und Bestrahlung. Seit 2013 immer wieder Sigmadivertikulitis, seither nehme ich Antibiotika, habe Probleme mit dem Appetit und 27 Kilogramm abgenommen. Es war das sekretorische IgA erniedrigt. Seit Februar 2014 nehme ich Symbioflor, seit 4 Tagen auch das Medikament Salofalk. Zeitweise war es etwas besser, aber zurzeit ist mein Darm wieder „hart“.  Ich habe den Verdacht, dass sich durch meine Erkrankungen ein Reizdarm entwickelt hat. Sollte  ich eventuell Enzyme einnehmen?

Dr. Erich Lotterer: Bei der von Ihnen geschilderten Problematik (immer wiederkehrende Divertikulitis, "harter Bauch", Gewichtsabnahme, etc.) ist zunächst einmal eine gründliche Untersuchung erforderlich (z.B. Blutentnahmen, Endoskopie, Schnittbildgebung mittels Computertomographie, usw.), um zu klären, was die wirklich Ursache Ihrer Beschwerden ist Da die Therapie mit Salofalk und Symbioflor bisher nichts gebracht hat, kann diese auch zunächst beendet werden. Die entsprechenden Untersuchungen können bei einem Facharzt oder in der Klinik durchgeführt werden.) Sie können gerne einen Termin zu einem Gespräch vereinbaren.

Frau D.: Vielen Dank ich werde dann einen Termin bei Ihnen ausmachen.

 

Anfrage von Frau B.

Frau B.: Seit vielen Jahren leide ich unter einer extremen Form von Histaminintoleranz. Ich bin 43 Jahre alt und weiblich. Erste Symptome habe ich seit meiner Kindheit (Unverträglichkeit von Narkosen, Migräne, Durchfall). Seit 5-6 Jahren sind die Beschwerden so extrem, dass eine normale Ernährung nicht mehr möglich ist und ich täglich auf Cetirizin und bei Bedarf auf Ranitidin angewiesen bin. Meine Diaminoxidase ist normal bzw. erhöht, im Blut habe ich aber einen Histamingehalt von 156 ng/ml trotz streng histaminarmer Ernährung. Auch eine Stuhluntersuchung weist erhöhte Histaminwerte aus. Leider konnte bis jetzt kein Grund für den Histaminanstieg gefunden werden. Allergien liegen keine vor. Für mich auffällig in letzter Zeit war, dass es in symptomarmeren Zeiten zu einer Farbveränderung des Stuhls kam. Kann es hier einen Zusammenhang zu Galle/Leber geben?

Dr. Erich Lotterer: Prinzipiell muss der Histaminspiegel bzw. der Diaminoxidase-Spiegel nicht mit Ihren Beschwerden korrelieren. Es wäre deshalb interessant zu wissen, wie Ihre Spiegel in den Zeitphasen der Beschwerden sind.  Sind bei Ihnen schon Untersuchungen zu den Histaminspiegeln im Urin gemacht worden? Die Therapie mit Cetirizin und Ranitidin ist die adäquate Therapie und sollte fortgesetzt werden. Die Entfärbung des Stuhls kann auf ein Problem im Bereich Leber/Galle hinweisen und sollte abgeklärt werden (Blutuntersuchungen, Sonographie und ggfs. MRT-Leber).

Frau B.: Eine 24-Stunden-Sammelurinuntersuchung wurde vor einigen Jahren durchgeführt. Auch hier waren die Werte erhöht. Die aktuellen Blut- und Stuhluntersuchungen wurden zu einem Zeitpunkt mit stärkeren Beschwerden durchgeführt.

Dr. Erich Lotterer: Bessern sich Ihre Beschwerden unter der o.g. Therapie mit Citirizin und Ranitidin?

Frau B.: Wenn akute Beschwerden eintreten (häufig abends zwischen 22 und 23 Uhr  oder nach Aufregung, Nahrungsmittel) tritt nach Einnahme von Cetirizin und Ranitidin innerhalb einer halben bis einer Stunde eine erhebliche Verbesserung ein. Aber leider ist auch mit Einnahme der Medikamente nicht an eine normale Ernährung zu denken.

Dr. Erich Lotterer: Bei der Ernährung ist es selbstverständlich wichtig, Nahrungsmittel, welche ein besonders ausgeprägtes Beschwerdebild hervorrufen (z.B. Tomaten, Sauerkraut oder Salami, bestimmte Sorten von Fisch, alkoholischen Getränken, Gemüse und Hefeprodukten) zu meiden. Ansonsten können Sie nur die Therapie mit den genannten Medikamenten fortsetzen. Ist bei Ihnen schon eine Untersuchung des Dünndarms (z.B. Kapselendoskopie oder reale Endoskopie) und die Abklärung für die Leber / Galle erfolgt?

Frau B.: Bieten Sie auch ambulante Termine  an?

Dr. Erich Lotterer: Ja, wir bieten solche Termine an.  

 

Anfrage von Frau G.

Frau G.: Wie kann man Krebs der inneren Organe, z. B. Magen, Leber usw. heute am besten behandeln?

Dr. Frank Ulrich: Die Behandlung der Tumoren dieser Organe ist heute häufig komplex und wird in der engen Zusammenarbeit zwischen Chirurgie und Innerer Medizin gesteuert. Mit modernen Operationsverfahren ist es vielfach möglich, auch ausgedehnte Tumoren erfolgreich zu entfernen.

Frau G.: Kommt es häufig vor, dass man mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auch an Krebs erkrankt?

Dr. Frank Ulrich: Dies ist insgesamt gesehen nicht sehr häufig. Aber speziell bei der Colitis ulcerosa kommt es bei längerem Krankheitsverlauf häufiger zur Entwicklung von Krebsvorstufen, die dann engmaschig überwacht und auch therapiert werden müssen. Eventuell ist dann sogar eine komplette Entfernung des Dickdarms erforderlich.

Frau G.: Was ist ein längerer Krankheitsverlauf, 5-10 Jahre oder mehr?

Dr. Frank Ulrich: In der Regel ist das Auftreten von Krebsvorstufen erst ab einer Krankheitsdauer von deutlich mehr als 10 Jahren zu erwarten.

 

Anfrage von Frau M.

Frau M.: Meine Tochter hat Morbus Whipple und bekommt seit 1 Jahr Cotrimoxal. Die Blutwerte sind jetzt wieder in Ordnung. Bei der Biopsie des Dünndarms wurden aber noch Bakterien der Krankheit gefunden. Kann man die Antibiotika absetzen, auch wenn noch Bakterien vorhanden sind? Es gibt viele Träger dieser Krankheit, die es gar nicht wissen. Würde man bei diesen Personen im Dünndarm auch die Bakterien finden?

Dr. Erich Lotterer: Wegen der guten Zugänglichkeit steht die Endoskopie mit Dünndarmbiopsie bei der Diagnostik an 1. Stelle, auch wenn keine Symptome des Gastrointestinaltrakts (z.B. Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Durchfälle, etc.) vorliegen. Beweisend ist der Genomnachweis des Erregers (Tropheryma whippelii) mittels PCR-Methode aus dem Gewebe. Ziel der Therapie ist die Eradikation des Erregers aus allen Geweben.  Wenn bei Ihrer Tochter also der Erreger noch nachweisbar ist und sie das Antibiotikum gut verträgt, würde ich zunächst noch weiter therapieren. Zum zweiten Teil Ihrer Frage ist zu sagen, dass bei entsprechender Untersuchung man auch bei Menschen ohne Symptome den Erreger im Dünndarm nachweisen kann.

Frau M.: Ich habe Angst wegen der Nebenwirkungen des Cotrimoxazols. Sie hat häufig entzündete Augen. Es kann also sein, dass bei einem Menschen, der die Krankheit in sich trägt, die Bakterien immer vorhanden sind?

Dr. Erich Lotterer: Wenn die Therapie erfolgreich ist, sind letztendlich irgendwann auch kein Erreger mehr nachweisbar (bei Ihrer Tochter). Teil 2: Wie gesagt, es gibt aber auch Menschen, die keine Beschwerden haben aber trotzdem den Erreger im Dünndarm haben. Man weiß es eben noch nicht, weil die entsprechende Diagnostik noch nicht durchgeführt worden ist.

Frau M.: Also sollte man das Cotrimoxazol erst absetzen, wenn keine Bakterien mehr im Dünndarm nachweisbar sind?

Dr. Erich Lotterer: Ja, ich würde eine Endoskopie mit Entnahme einer Gewebeprobe im Dünndarm (an mehreren Stellen) machen und bei positivem Nachweis die Therapie zunächst fortsetzen.

Frau M.: Letzte Frage: Kann ich meiner Tochter während der Therapie mit Cotrimoxazol "gute Bakterien" geben oder ist das kontraproduktiv? Ich möchte den Darm entlasten.

Dr. Erich Lotterer: Die Hauptmenge unserer Bakterien haben wir  physiologischerweise im Dickdarm. Hier kann durch die Gabe von z.B. Omniflora, Symbioflor, Mutaflor, Perenterol, etc. in Einzelfällen ein positiver Effekt auf die Bakterienkultur im Dickdarm erzielt werden. Für das Problem "M. Whipple" sind hier keine positiven Effekte in Studien nachgewiesen worden.

Frau M.: Danke für Ihre Antworten.

Thema: Bauchspeicheldrüse

Anfrage von Frau J.

Frau J.: Hallo, wie wird ein Bauchspeicheldrüsen-Karzinom diagnostiziert?

Dr.  Frank Ulrich: Die Diagnose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erfolgt leider häufig erst bei Symptomen der betroffenen Patienten und wird bei normalen Vorsorgeuntersuchungen leider nur ungenügend erfasst. Durch einen Verschluss des Gallengangs stellen sich viele Patienten mit einer Gelbsucht vor, die weitere Diagnostik erfolgt dann in der Regel mittels CT oder Kernspintomographie sowie einer Ultraschalluntersuchung "von innen", das heißt über den Magen und den Zwölffingerdarm. Hierbei kann auch eine Gewebeprobe zur weiteren Diagnostik entnommen werden.

 

Anfrage von Frau S.

Frau S.: Herr Dr. Lotterer, was kann ich tun um Bauchspeicheldrüsenkrebs abzuklären?

Dr. Erich Lotterer: 1) körperliche Untersuchung, 2) Ultraschalluntersuchung des Bauchraums von außen und von innen über eine Magenspiegelung, ggf.. mit Entnahme von Gewebeproben, 3) spezielle Schnittbildverfahren (z.B. Computertomographie, Kernspintomographie), 4) Blutuntersuchungen

Frau S.: Wer kann das machen? Muss ich dazu stationär aufgenommen werden, oder kann das auch ein niedergelassener Arzt machen?

Dr. Erich Lotterer: Nein, ein niedergelassener Arzt kann das alles so komplett nicht machen. Dazu benötigt es spezielle Instrumente und eine spezielle Erfahrung. Häufig ist es besser und schneller, diese Untersuchungen im Rahmen eines stationären Aufenthaltes durchzuführen.

Frau S.: Wie lange dauert so ein stationärer Aufenthalt?

Dr. Erich Lotterer: ca. 1 Woche

Frau S.: In welchem Krankenhaus kann ich die Untersuchungen durchführen lassen?

Dr. Erich Lotterer: Hier am Klinikum Wetzlar ist dies beispielsweise möglich und hier können die genannten Untersuchungen alle durchgeführt werden. 

Thema: Leber

Anfrage von Frau A.

Frau A.: Was kann ich denn für die Gesundheit meiner Leber tun?

Dr. Erich Lotterer: Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung, wenig Alkohol, kein Nikotinkonsum, also kurz gefasst eine gesunde Lebensweise.

Frau A. Das setze ich alles bereits um... Trotzdem hat mein Hausarzt immer wieder schlechte Leberwerte festgestellt, woran kann das liegen?

Dr. Erich Lotterer: Dafür kann es vielfältige Ursachen geben. Wichtig ist hier eine gute Anamnese, z.B. hinsichtlich Medikamente,  Nahrungsergänzungsmittel, Auslandsaufenthalte, Bluttransfusionen, Zahnbehandlungen, Tattoos, Piercing, etc.. Auch müssen dann bestimmte Lebererkrankungen (Viren, Stoffwechselerkrankungen, Immunerkrankungen) sowie auch ein Diabetes bzw. eine Fettstoffwechselstörung durch eine gezielte Diagnostik nachgewiesen oder ausgeschlossen werden.

 

 

Thema: Galle

Anfrage von Herrn S.

Herr S.: Mein Vater hatte vor 5 Jahren ein Gallengangskarzinom, muss ich oder meine beiden Söhne befürchten, dass wir ein erhöhtes erbliches Risiko haben?

Dr. Frank Ulrich: In der Regel gibt es für das Gallengangskarzinom keinen gesicherten Erbgang, der das Risiko für Sie oder Ihre Söhne prinzipiell erhöht. Allerdings gibt es bei einer Häufung von  bösartigen Erkrankungen  innerhalb der nahen Verwandtschaft eine gewisse Erhöhung der Empfindlichkeit für solche Erkrankungen. Zum konkreten Fall müssen Sie allerdings keine weiteren Untersuchungen durchführen lassen, die nicht sowieso in der regulären Krebsvorsorge enthalten wären.

Herr S.: Vielen Dank, da ich an der Krebsvorsoge teilnehme bin ich auf der sicheren Seite.

 

Anfrage von Herrn R.

Herr R.: Nach einer vollständigen Entfernung der Bauchspeicheldrüse wegen eines Gallangangskarzinoms wurde zur Vermeidung eines Anastomosegeschwürs ein Protonenpumpenhemmer verordnet. Wie lange würden Sie die Einnahme von z. B. Pantoprazol oder Sanoprazol empfehlen? Wie häufig kommt so ein Anastomosenulkus vor? Auf beide Präparate habe ich mit einer Anämie, Thrombozythämie, Leukopenie reagiert. Sehen Sie Alternativen zu den Protonenpumpenhemmer?

Dr. Frank Ulrich: Ich halte es nicht für notwendig, die medikamentöse Säureblockade längerfristig bei Ihnen einzusetzen, wenn nicht bereits Magenentzündungen oder Geschwüre (Ulcera) diagnostiziert worden sind. Abhängig von der chirurgischen Magenrekonstruktion nach Ihrer Operation ist das Risiko eines Ulcus eher gering einzustufen.