Die Veranstaltung bot neben Fachvorträgen auch Raum für Fragen und persönliche Gespräche mit den Experten des Adipositaszentrums am Klinikum Wetzlar..

Priv.-Doz. Dr. Alexander Reinisch-Liese, Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Onkologische Chirurgie erläuterte die medizinischen Hintergründe der Erkrankung: „Adipositas ist längst nicht mehr nur eine Frage des Lebensstils, sondern wird heute als chronische Erkrankung verstanden. Neben einem Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch spielen genetische Faktoren, Umweltbedingungen sowie psychische Belastungen eine Rolle“, so Dr. Reinisch-Liese. Weltweit seien rund 40 Prozent der Menschen übergewichtig, über eine Milliarde Menschen leide an Adipositas. 

Dr. Reinisch-Liese ging auch auf die gesundheitlichen Folgen ein, die mit starkem Übergewicht verbunden sein können. Dazu zählen unter anderem Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schlafapnoe sowie Gelenkprobleme wie Arthrose. Darüber hinaus steige auch das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. 

Im weiteren Verlauf stellte der Experte die verschiedenen Therapieoptionen vor. Grundlage jeder Behandlung sei zunächst eine Kombination aus Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Ergänzend können moderne Medikamente eingesetzt werden, die über hormonelle Mechanismen das Hungergefühl reduzieren und das Sättigungsgefühl verstärken. Neue Wirkstoffe ermöglichen laut Reinisch-Liese bei vielen Patienten eine deutliche Gewichtsreduktion. 

Bei stark ausgeprägter Adipositas kann eine operative Therapie sinnvoll sein. „Operative Verfahren wie der Schlauchmagen oder der Magenbypass führen häufig zu einer nachhaltigen Gewichtsreduktion und verbessern gleichzeitig Begleiterkrankungen deutlich“, verdeutlichte Dr. Reinisch-Liese. Beim Schlauchmagen wird der Magen stark verkleinert, sodass Patienten schneller ein Sättigungsgefühl erreichen. Beim Magenbypass wird zusätzlich ein Teil des Dünndarms umgangen, wodurch sowohl die Nahrungsaufnahme als auch die Kalorienverwertung reduziert werden. „Die Eingriffe erfolgen minimalinvasiv über kleine Schnitte, dauern etwa anderthalb bis zweieinhalb Stunden und ermöglichen bereits wenige Tage später die Entlassung aus dem Krankenhaus“, erklärte der Leitende Oberarzt. 

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends lag auf der Zeit nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme. Dr. med. Marcel Brudet, Leitender Oberarzt der Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie, stellte plastisch-chirurgische Möglichkeiten vor, die Betroffenen nach massivem Gewichtsverlust helfen können. Häufig bleibt überschüssige Haut zurück, die nicht nur ästhetisch belastend sein kann, sondern auch funktionelle Beschwerden wie Hautreizungen, Bewegungseinschränkungen oder hygienische Probleme verursacht. 

„Durch verschiedene Straffungsoperationen, etwa an Bauch, Brust, Oberarmen oder Oberschenkeln, kann überschüssiges Gewebe entfernt und die Körperkontur wiederhergestellt werden“, erklärte Dr. Brudet. „Neben der verbesserten Beweglichkeit berichten viele Patienten auch von einem gestärkten Selbstwertgefühl und einer besseren Integration in Alltag, Beruf und soziale Aktivitäten.“ 

In vielen Fällen werden die Kosten für solche Eingriffe von der Krankenkasse übernommen. Sollte es dennoch einmal zu einer Ablehnung kommen, besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, die Operation als Selbstzahlerleistung durchführen zu lassen.

Im Anschluss an die Vorträge nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, individuelle Fragen zu stellen und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Das große Interesse zeigte, wie hoch der Informationsbedarf rund um das Thema Adipositas und moderne Behandlungsmöglichkeiten ist.

 

 

Informierten über moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas: Priv.-Doz. Dr. Alexander Reinisch-Liese, Dr. med. Marcel Brudet